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Corona-Krise in Deutschland

Astrazeneca: Stiko empfiehlt Menschen unter 60 eine Zweitimpfung mit mRNA-Impfstoff

  • Sophie Vorgrimler
    VonSophie Vorgrimler
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Die Ständige Impfkommission empfiehlt Menschen unter 60, die mit Astrazeneca gegen Corona geimpft wurden, zur Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 löst die Krankheit Covid-19 aus.
  • Dritte Welle: Zum dritten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie steigen die Infektionszahlen in Deutschland stark.
  • In der Politik herrscht Uneinigkeit bezüglich der Lockdowns und der Impfstoffe.

Update von Freitag, 02.04.2021. 09.04 Uhr: Menschen unter 60 Jahren, die bereits mit einer ersten Dosis des Astrazeneca-Impfstoffes versorgt wurden, sollen sich als zweite Dosis ein mRNA-Vakzin spritzen lassen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko). Da die Wirkung der ersten Dosis nach rund 12 Wochen abzunehmen beginnt, sollte die zweite Verabreichung laut Stiko innerhalb dieses Zeitfensters durchgeführt werden. Dies gelte nur für unter 60-Jährige, Menschen über 60 sollen wie geplant beide Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten. Eine genaue Abschätzung der Gefahr einer Zweitimpfung mit dem Vakzin von Astrazeneca will die Stiko noch nicht abgeben - bisher lägen zu wenige Vergleichswerte vor.

Astrazeneca: Steinmeier lässt sich impfen, Seehofer lehnt ab

Update von 19.25 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich erfreut, dass sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Vakzin von Astrazeneca hat impfen lassen. Der Bundespräsident sei damit auch Vorbild für andere, so Spahn. 

Steinmeier versuchte, Bedenken gegen den Impfstoff zu zerstreuen. „Ich vertraue den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen“, erklärte er in einer Mitteilung. Dass sich Steinmeier mit diesem Stoff impfen ließ, stieß auf große Zustimmung auf seiner Facebook-Seite. „Vorbildlich, Herr Bundespräsident! Sie haben gewartet, bis Sie an der Reihe waren und den zu Unrecht verpönten Impfstoff genommen“, schrieb zum Beispiel eine Frau.

Impfung mit Astrazeneca: Stiko rät Menschen unter 60 ab - auch als Zweitimpfung.

Bislang sind erst wenige Spitzenpolitiker geimpft. Einer von ihnen ist Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Steinmeiers Frau Elke Büdenbender, die bei der Priorisierung in einer anderen Stufe als ihr Mann ist, wurde nach dpa-Informationen ebenfalls bereits vor kurzem erstmals geimpft.

In die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen fällt auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die nach eigenen Angaben ebenfalls bereit ist, den Impfstoff von Astrazeneca zu nehmen. „Die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, ist für mich näher gerückt. Das ist richtig“, hatte sie am Dienstagabend nach der Entscheidung von Bund und Ländern zum Impfstoff von Astrazeneca gesagt. Sie müsse sich aber erst einmal über das Verfahren in Berlin informieren.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) wird im Bundeswehrkrankenhaus mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft.

Horst Seehofer lässt sich vorerst nicht mit Astrazeneca impfen

Update von 13.45 Uhr: Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65) seine erste Corona-Schutzimpfung mit dem Impfstoff Astrazeneca bekommen hat, gab Bundesinnenminister Horst Seehofer (71) an, sich vorerst nicht mit Astrazeneca impfen lassen zu wollen.

Am Donnerstag hat der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das Bundespräsidialamt gab bekannt, dass der Bundespräsident im Bundeswehr-Krankenhaus in Berlin der Impfstoff von Astrazeneca verabreicht wurde. Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Mittwoch alle Minister und Ministerinnen über 60-jährigen aufgefordert sich mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen zu lassen - als vertrauensbildende Maßnahme.

Der Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wolle sich derzeit ausdrücklich nicht mit Impfstoff der Firma Astrazeneca impfen lassen und der Aufforderung von Jens Spahn nicht nachkommen. „Ich lasse mich nicht bevormunden“, sagte Seehofer und gab an, der Grund dafür seien nicht Zweifel am Impfstoff.

Hintergrund ist, dass Bund und Länder am Dienstag erneut die Regel für die Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin geändert haben das sorgt für Verunsicherung. Bund und Länder gingen damit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission nach, weil es in äußerst vereinzelten Fällen bei Frauen unter 60 Jahren nach einer Verabreichung von Astrazeneca-Impfstoff zu einer Thrombose gekommen war.

Lockdown-Debatte: CDU-Chef Laschet will an Ostern über Corona nachdenken

Erstmeldung: Berlin/Düsseldorf - NRW-Ministerpräsident und CDU-Chef Armin Laschet will über die Ostertage darüber nachdenken, welche Maßnahmen die dritte Welle der Corona-Pandemie wirkungsvoll eindämmen könnten. Die gemeinsam beschlossene Osterruhe habe nicht funktioniert, sagte Laschet am Mittwochabend im „heute journal“ des ZDF. Man müsse daher „jetzt gemeinsam über die Ostertage nachdenken, was ist denn eine Ersatzmöglichkeit, wo können wir weitere Schutzmechanismen einführen, wo können wir das Leben herunterführen, darüber muss gesprochen werden. Es gibt nur noch nicht die Lösung, wenn sie mich fragen.“

Corona-Debatte: Laschet verweist auf fehlentscheidung bei Corona-Gipfel

Auf die Frage, ob es angesichts der stark steigenden Infektionszahlen noch die Zeit gebe, sich ein paar Tage Gedanken zu machen, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident: „Nein, wir haben die Zeit nicht, aber wir haben an dem Beispiel Gründonnerstag/Karsamstag gesehen, dass, wenn man zu schnell was entscheidet, die Praktiker sagen: Es geht nicht.“ Daher sei es gut, jetzt genau zu überlegen: „Was ist wirkungsvoll, was erreicht es, dass wir diese dritte Welle brechen. Die Lage ist extrem ernst und da sind alle im Moment dabei, alle Möglichkeiten zu prüfen.“

Die „Osterruhe“ war von Bund und Ländern zusätzlich zu den Osterfeiertagen mit Gründonnerstag und Karsamstag als „Ruhetage“ gedacht. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) strich die Regelung nach starker Kritik wieder. Mit Blick auf die steigenden Zahlen rief Forschungsministerin Anja Karliczek die Bürger:innen vor den Feiertagen dennoch dazu auf, Kontakte so gering wie möglich zu halten: „Gerade zu Ostern sollten wir alle einen oder mehrere Gänge zurückschalten“, sagte sie der dpa.

Die Sieben-Tage-Inzidenz, der Wert von binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, lag laut RKI am Donnerstagmorgen bundesweit bei 134,2. Die Zahlen stiegen zuletzt stark, was auch an der zuerst Großbritannien entdeckten, sehr ansteckenden Corona-Variante B.1.1.7 liegen dürfte. Diese hat mittlerweile einen Anteil von 88 Prozent in Deutschland erreicht. teil sei kontinuierlich gestiegen.

Corona-Krise in Deutschland: Angst vor Überfüllung der Intensivstationen

Die Verbreitung der Variante sei besorgniserregend, weil sie „nach bisherigen Erkenntnissen deutlich ansteckender ist und vermutlich schwerere Krankheitsverläufe verursacht als andere Varianten.“ Es sei daher mit weiter steigenden Covid-Fällen in Kliniken zu rechnen.

Der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, warnte vor einer Überfüllung von Deutschlands Intensivstationen innerhalb von vier Wochen. „Seit Mitte März sind unterm Strich 1000 Intensivpatienten zusätzlich in den Krankenhäusern gelandet. Wenn sich diese Geschwindigkeit fortsetzt, sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt“, sagte Karagiannidis der „Rheinischen Post“ (Donnerstag).

In der Kritik in Zeiten von Corona: Diskussion um Astrazeneca-impfstoff

Auch der Deutsche Städtetag sieht Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation - aber mit Blick auf den Impfstoff von Astrazeneca. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der dpa: „Wir brauchen jetzt eine klare und sehr intensive Kommunikation von Bund und Ländern zu den Impfstoffen. Die Menschen müssen nach dieser Astrazeneca-Entscheidung so einfach wie möglich einen Überblick bekommen: Für welche Gruppen der Bevölkerung kommen welche Impfstoffe zum Einsatz? Wo liegen Vorteile und Risiken der Impfungen?“

Bund und Länder hatten am Dienstagabend nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission beschlossen, Astrazeneca in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre einzusetzen. Jüngere sollen sich „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiterhin damit impfen lassen können. Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen.

Dedy sagte, die Impfkampagne in Deutschland habe „leider wieder“ einen Rückschlag erlitten. „Die Empfehlung, mit Astrazeneca jetzt vor allem Menschen über 60 Jahre zu impfen, sorgt für zusätzlichen Aufwand in den kommunalen Impfzentren. Aber wenn Hinweise auf medizinische Risiken auftreten, muss diesen nachgegangen werden. Die Menschen müssen Vertrauen in die Sicherheit der Impfungen haben. Das ist das A und O.“

Keine Astrazeneca-Impfung füt Menschen unter 60

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sieht den Impfstart in Hausarztpraxen im April durch den teilweisen Astrazeneca-Impfstopp nicht gefährdet. „Und zwar deshalb nicht, weil der Impfstart in den Arztpraxen zunächst nur mit dem Impfstoff von Biontech und nicht mit Astrazeneca beginnen wird“, sagte Gassen der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Der Astrazeneca-Impfstoff werde nach dieser Entscheidung nun vorwiegend in den Impfzentren eingesetzt, während in den Praxen eher Vakzine von Biontech und Johnson & Johnson verwendet würden, sagte Gassen.

Deutschlands Kassenärzte wollen ohnehin möglichst vermeiden, Menschen unter 60 Jahren mit dem Impfstoff von Astrazeneca zu impfen. „Der Zeitbedarf für eine Beratung und intensive Aufklärung jüngerer Patienten steht einer schnellen Impfkampagne diametral entgegen“, sagte der Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Wir wollen schnell und zügig impfen.“ Daher empfehle die Bundesvereinigung, Astrazeneca nur Menschen über 60 zu spritzen.

Corona-Krise in Deutschland - Aufklärungspflicht beim Impfen erfüllen

Für den Fall, dass ein Arzt doch mit Astrazeneca impfen wolle, sagte der KBV-Vize: „Die Bringschuld der Praxis ist höher, weil in einem möglichen Prozess detailliert dargelegt werden muss, dass alle Aufklärungs- und Beratungspflichten erfüllt wurden.“ Der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte: „Ich würde den Kolleginnen und Kollegen raten, mit den Impfungen von unter 60-Jährigen mit diesem Impfstoff zunächst abzuwarten, bis der Sachverhalt klarer und detaillierter vorliegt.“ (ktho/dpa)

Rubriklistenbild: © Juan Manuel Serrano Arce via www.imago-images.de

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