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Corona-Impfungen

Astrazeneca: Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs gibt weiter Rätsel auf

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca steht kurz vor der Zulassung, doch einige Fragen sind noch offen. Ein Streitthema ist die Wirksamkeit des Vakzins.

  • Der Pharmakonzern Atrazeneca und die EU streiten sich um die Lieferung und die Wirksamkeit des Impfstoffs.
  • Die Europäische Arzneimittelagentur EMA erwägt den Impfstoff von Astrazeneca nur für bestimmte Altersgruppen zu empfehlen.
  • Drei Wissenschaftler kritisieren eine Studie von Astrazeneca, gehen aber von einer guten Wirksamkeit des Impfstoffs gegen das Coronavirus aus.

Astrazeneca-Impfstoff: Neben den Lieferengpässen ist auch die Wirksamkeit Diskussionsgegenstand

Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca und die Europäische Union zanken sich öffentlich über Lieferengpässe beim bestellten Impfstoff, rechnen auf, weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Der Anlass: Laut EU sollen statt der erwarteten 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal nur 31 Millionen ankommen (siehe nebenstehende Box). Das Streitobjekt selbst wiederum ist wegen Fragen zu seiner Wirksamkeit in der Diskussion.

Diverse Presseberichte über angeblich nur acht Prozent bei älteren Menschen wurden vom Hersteller und dem Bundesgesundheitsministerium als falsch zurückgewiesen. Gleichwohl schloss Emer Cooke, Chefin der europäischen Arzneimittelagentur EMA, am Dienstag nicht aus, dass ihre Behörde den Astrazeneca-Impfstoff nur für bestimmte Altersgruppen empfehlen werde. Die EMA wird voraussichtlich am Freitag entscheiden, ob sie der EU die Zulassung des Vakzins mit dem Namen ChAdOx1nCoV-19 (oder auch AZD1222) anraten soll.

Für das Vertrauen der Bevölkerung in diesen Impfstoff und die Bereitschaft, ihn sich spritzen zu lassen, ist diese Debatte nicht förderlich – auch vor dem Hintergrund, dass es schon früher Nachrichten über die Studien zu diesem Vakzin und dessen Wirksamkeit gab, die man als irritierend bezeichnen kann. Die von „Bild“ und „Handelsblatt“ genannten acht Prozent Wirksamkeit bei Älteren dürften zwar kaum stimmen – dennoch weiß zumindest die Öffentlichkeit bis heute nicht genau, wie hoch dieser Wert überhaupt ist, erst recht nicht bei den über 70-Jährigen.

Raffaels „Drei Grazien“ mal anders: Street-Art des Künstlers TVBoy im Zentrum von Barcelona.

Astrazeneca-Impfstoff: Vorgehen bei Studie löst Verwunderung bei der Wissenschaft aus

Punkt eins: Bei den Studien gab es eine Panne. Zum Hintergrund: Das gemeinsam mit der Oxford-Universität entwickelte Vakzin von Astrazeneca ist ein Vektorimpfstoff, der ein nicht vermehrungsfähiges Schnupfenvirus von Schimpansen nutzt, um DNA mit der genetischen Information für das Spike-Protein des Coronavirus in den Körper zu schleusen, der es ähnlich wie bei der mRNA-Technologie nach diesem Bauplan herstellen und dann bekämpfen soll. Auch der Astrazeneca-Impfstoff muss zweimal im Abstand von einigen Wochen gespritzt werden. Aus Versehen hatte während der Studie ein kleiner Teil der Proband:innen beim ersten Mal eine geringere Dosis bekommen. Ausgerechnet bei dieser Gruppe fiel die Wirksamkeit mit rund 90 Prozent dann aber deutlich höher aus als bei jenen, denen die reguläre Dosis verabreicht wurde; hier erreichte sie nur 62 Prozent. Die Ursache für diesen Unterschied ist nicht eindeutig geklärt. Astrazeneca ermittelte aus beiden Werten eine Wirksamkeit von 70 Prozent – ein Vorgehen, das in Teilen der Wissenschaft Verwunderung auslöste. Erwähnenswert ist auch, dass Astrazeneca die Zusammenarbeit mit dem russischen Gamaleya-Institut angekündigt hat, dessen Impfstoff Sputnik V ebenfalls auf einem Vektorprinzip beruht, aber laut eigenen Angaben eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent haben soll.

Punkt zwei: Fakt ist, dass mehr als 80 Prozent der Studienteilnehmer:innen zwischen 18 und 55 Jahre alt waren. Laut Bericht der britischen Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MDHA) waren rund acht Prozent zwischen 56 und 69 und nur etwa drei bis vier Prozent über 70 Jahre alt. Die „Pharmazeutische Zeitung“ zitiert aus dem Dokument, dass zur Wirksamkeit bei „Teilnehmern im Alter von 65 und älter nur begrenzte Informationen vorliegen, obwohl nichts auf einem mangelnden Schutz hindeute“. Von anderen Risikogruppen waren laut den von der Behörde öffentlich gemachten Unterlagen zur Zulassung Übergewichtige mit 20 Prozent, Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen mit 12,8 Prozent und Diabeteskranke mit 2,8 Prozent vertreten. Insgesamt waren die Nebenwirkungen ähnlich wie bei den mRNA-Impfstoffen, traten aber häufiger auf.

Wirksamkeit des Impfstoffs von Astrazeneca: Das sagen Experten

Zur Frage nach der Wirksamkeit sagt Carlos Guzman, Leiter der Abteilung Vakzinologie und Angewandte Mikrobiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, es sei „unklug zu spekulieren“: „Möglicherweise wurden den Aufsichtsbehörden zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt, die nicht öffentlich zugänglich sind.“ Die Analyse der Studien sei schwieriger als bei den mRNA-Impfstoffen, da die Anzahl der Proband:innen geringer gewesen sei und „Unterschiede im Studiendesign“ sie erschwerten. Die Tatsache, dass das „Protokoll mit der niedrigen ersten Dosierung“ auf einem „sachlichen Fehler“ beruhe, habe „ebenfalls Anlass zu Bedenken“ gegeben.

Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg, sagt, dass in der Phase-III-Studie (der letzten vor einer Zulassung) zu wenige alte Menschen eingeschlossen worden seien, als dass man für die Altersgruppe über 70 eine statistisch relevante Aussage machen könne. Allerdings sprächen Ergebnisse aus einer früheren Studienphase dafür, dass auch bei alten Menschen „eine effiziente Immunantwort“ generiert werden könne.

Astrazeneca-Impfstoff: Tübinger Wissenschaftler räumt gute Wirksamkeit ein - mit Vorbehalt

Peter Kremsner, Direktor der Instituts für Tropenmedizin, Reisemedizin und Parasitologie an der Universität Tübingen, erklärt, insgesamt sähen die Wirksamkeitsdaten gut aus – „aber klar schlechter als die der beiden bereits zugelassenen Impfungen“. Was die über 65-Jährigen angeht, so hält er die Datenlage für die Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs „für nicht aussagekräftig“.

Rubriklistenbild: © picture alliance / ZUMAPRESS.com

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