Der Wikileaks-Gründer wird von Unterstützerinnen und Unterstützern als Held gefeiert.
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Der Wikileaks-Gründer wird von Unterstützerinnen und Unterstützern als Held gefeiert.

Wikileaks

Assange hinter Panzerglas

  • Sebastian Borger
    vonSebastian Borger
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Das Auslieferungsverfahren gegen den inhaftierten Wikileaks-Gründer Julian Assange geht in die nächste Runde.

„Falsch, falsch und nochmal falsch!“ Mit robuster Rhetorik hat das hochkarätige Londoner Anwaltsteam am Montag den Kampf gegen die Auslieferung von Julian Assange wieder aufgenommen. Dem Wikileaks-Gründer drohen in den USA wegen Computer-Hackings und Spionage bis zu 175 Jahre Freiheitsstrafe. Mehrere hundert Menschen demonstrierten vor dem zentralen Londoner Strafgerichtshof Old Bailey für den prominentesten Häftling Großbritanniens, ehe das Magistratsgericht das im Februar begonnene und wegen der Corona-Pandemie verschobene Anhörungsverfahren wieder aufnahm.

Im überheizten Gerichtssaal 10 erlaubte die in dunklem Kostüm erschienene Richterin Vanessa Baraitser den Anwälten beider Parteien, ihre Jacketts abzulegen. Dies blieb ihr einziges Zugeständnis an Assanges Verteidigung. Der 49-Jährige in dunklem Anzug und Krawatte musste wie schon bei den früheren Hearings im Gerichtsgebäude Belmarsh hinter Panzerglas auf der Anklagebank Platz nehmen. Dies ist normalerweise nur bei Strafprozessen gegen Terroristen und Gewalttäter üblich. Er bestätigte seinen Namen und Geburtsdatum und bekräftigte seinen Widerstand gegen die Abschiebung in die USA.

Das ursprünglich im Juni 2019 übermittelte Auslieferungsbegehren Washingtons wurde im Juli dieses Jahres abgeändert. „Die USA dachten, sie würde sonst das Verfahren verlieren“, vermutet Assanges Team und bat die Richterin, eine Reihe von Anklagepunkten gar nicht erst zuzulassen. Damit biss Edward Fitzgerald ebenso auf Granit wie mit seiner Bitte, den Zeugen der Verteidigung mehr Zeit für ihre Einlassungen einzuräumen. Es liege doch alles schriftlich vor, erwiderte Richterin Baraitser und erlaubte pro Zeuge „höchstens“ dreißig Minuten. Am Nachmittag sollte der Journalismus-Professor Mark Feldstein zu Wort kommen mit seiner These, bei dem US-Verfahren gegen Assange handele es sich um einen „Krieg gegen den Journalismus“.

Wikileaks hatte 2010 und 2011 teilweise in Zusammenarbeit mit renommierten Medien wie New York Times, Guardian und Spiegel US-Geheimdokumente veröffentlicht. Dadurch kamen Kriegsverbrechen amerikanischer Streitkräfte in Afghanistan und Irak ans Licht. Assange soll die später wegen Geheimnisverrats verurteilte Soldatin Chelsea Manning zum Kopieren der 250 000 diplomatischen Depeschen angestiftet haben, Wikileaks bestreitet dies.

Vor dem Gerichtsgebäude wies Assanges Vater John Shipton ausdrücklich auf seine beiden jüngsten Enkel hin: Der dreijährige Gabriel und dessen 19 Monate alter Bruder Max hätten bei einem Besuch im Gefängnis kürzlich ihren Vater nicht einmal umarmen dürfen. Die Verlobte Assanges, die Anwältin Stella Moris hatte die Beziehung zu ihrem früheren Mandanten nach jahrelanger Geheimhaltung im März erstmals öffentlich gemacht. Assange werde bis zu 24 Stunden am Tag in seiner Zelle gehalten und habe sechs Monate lang seine Anwälte nicht sprechen können, berichtete die 37-Jährige am Montag. Sein Fall stelle „einen Angriff auf den Journalismus“ dar.

Der Australier hatte sich einer höchstgerichtlich bestätigten Auslieferung an Schweden 2012 wegen angeblicher Sexualdelikte durch die Flucht in die Londoner Botschaft Ecuadors entzogen. Nach seiner Überstellung an die britischen Behörden im Frühjahr 2019 musste er zunächst eine Haftstrafe wegen des Verstoßes gegen Gerichtsauflagen verbüßen, seither sitzt Assange in Auslieferungshaft.

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