+
Syrische Regierungstruppen im Einsatz.

Syrien

Assads Armee in Alarmbereitschaft

Die USA droht Syrien mit Vergeltungsmaßnahmen. In Damaskus nimmt man diese Drohungen sehr ernst. Einige Militärstützpunkte wurden geräumt, andere in Alarmbereitschaft gesetzt.

Nach Angriffsdrohungen aus den USA sind die syrische Armee und ihre Verbündeten im Land in der Nacht zum Dienstag in volle Alarmbereitschaft versetzt worden. Mehrere Stützpunkte in verschiedenen Landesteilen seien zudem angesichts möglicher Angriffe vorsorglich geräumt worden, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

„Die syrische Armee ist in voller Bereitschaft an allen Militärflughäfen, großen Stützpunkten in Damaskus und Außenbezirken, in Homs sowie in den Küstenregionen von Latakia und Tartus, aus Angst vor möglichen Angriffen der USA und anderer Staaten“, sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der Beobachtungsstelle, der Deutschen Presse-Agentur.

Nach einer mutmaßlichen Giftgasattacke syrischer Truppen auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta, bei der über 150 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, hatten die USA militärische Schritte nicht ausgeschlossen. US-Präsident Donald Trump kam dazu am Montagabend in Washington mit seinen militärischen Beratern zusammen. (dpa)

Russland droht USA

 

Russland hat die USA vor einer Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz gegen syrische Rebellen gewarnt. Der Regierung von Präsident Donald Trump sei mitgeteilt worden, dass ein US-Militärschlag „schwerwiegende Folgen“ hätte, sagte der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN), Wassili Nebensia, am Montag vor dem UN-Sicherheitsrat.

Trump bekräftigte vor Journalisten, nach Beratungen mit seinen Experten rasch eine Entscheidung treffen zu wollen, womöglich noch am Montag (Ortszeit in den USA). Der Chemiewaffen-Einsatz sei schrecklich und erfordere eine entschiedene Antwort. Es gebe eine Menge militärischer Optionen. US-Regierungsvertreter sagten zur Nachrichtenagentur Reuters, die USA strebten im Falle eines Militäreinsatzes eine Kooperation mit Partnern an. Experten zufolge würden dafür etwa Frankreich oder Großbritannien in Frage kommen.

In dem Bürgerkrieg hat zuletzt Syriens Präsident Baschar al-Assad mit der Unterstützung Russlands zahlreiche Rebellengebiete nahe der Hauptstadt Damaskus zurückerobert. Am Montag wurden nach Angaben staatlicher Medien erneut Dutzende Gefangene der Rebellen freigelassen. Die Aufständischen durften dafür aus der Stadt Duma abziehen – Richtung Norden des Landes, wo die Rebellen noch einige Hochburgen halten.  „Es gab keinen Chemiewaffen-Angriff“, erklärte Nebensia. Er rief die Ermittler der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) auf, sich bereits ab Dienstag selbst vor Ort ein Bild zu machen. Das syrische und russische Militär würden für ihren Schutz sorgen.

Bei dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz am Samstag wurden nach Angaben von Zeugen und Hilfskräften 60 Menschen getötet und rund 1000 verletzt. Mehrere Staaten, darunter die USA und Großbritannien, machen Syrien und Russland dafür verantwortlich. Diplomaten zufolge wollen die USA den UN-Sicherheitsrat abstimmen lassen, um eine neue Untersuchung des Vorfalls durchzusetzen. Ein Veto Russlands, eines der ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat, ist aber wahrscheinlich.

UN-Gesandter warnt vor internationaler Eskalation

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura warnt vor einer internationalen militärischen Konfrontation als Folge des Syrien-Konflikts. Eine Eskalation der derzeitigen Spannungen zwischen den Großmächten USA und Russland könnte verheerend und kaum vorstellbar sein, sagte de Mistura am Montag (Ortszeit) vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

Russland hatte in der Sitzung des Rates zu Syrien die USA vor einem Angriff auf Stellungen des Assad-Regimes gewarnt. US-Präsident Donald Trump droht damit, einen Militärschlag anzuordnen. Trump will den syrischen Machthaber Baschar al-Assad für den mutmaßlichen Einsatz von Giftgas gegen die eigene Bevölkerung bestrafen.

Die syrischen Weißhelme und andere Hilfsorganisationen hatten von einem Giftgasangriff der Assad-Truppen auf die Stadt Duma berichtet. Dabei seien am vergangenen Samstag Dutzende Menschen getötet worden, und Hunderte hätten Verletzungen erlitten. Assad und sein Verbündeter Russland bestreiten, dass es einen Angriff mit Chemiewaffen gegeben hat.

In Syrien kämpfen das Assad-Regime, Rebellen und Terrorgruppen um die Macht. Russland, der Iran und schiitische Milizen unterstützen Assad. Seit 2011 starben Hunderttausende Menschen, Millionen sind auf der Flucht. (dpa/rtr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion