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Armenien und Aserbaidschan werfen sich Verstöße gegen Feuerpause vor

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Von: Helena Gries, Nail Akkoyun

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Im Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien sterben bei Kämpfen in der Nacht zum Dienstag 50 aserbaidschanische Soldaten. Die Kämpfe gehen weiter.

Update von Mittwoch, 14. September, 12.00 Uhr: Einen Tag nach den schweren Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan haben sich die Kaukasusrepubliken gegenseitig Verstöße gegen die vereinbarte Feuerpause vorgeworfen. "Der Feind hat seinen Angriff unter Einsatz von Artillerie, Mörsern und großkalibrigen Schusswaffen" wieder aufgenommen, teilte das armenische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium beschuldigte seinerseits Armenien, aserbaidschanische Stellungen in der Nähe von Kelbadschar und Latschin beschossen zu haben. Die genannten Angaben sind nicht unabhängig prüfbar.

Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan: „Sollten vorsichtig mit Spekulationen sein“

+++ 22.30 Uhr: Mit Blick auf die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan im Südkaukasus sagte John Kirby, Kommunikationsdirektor des Nationalen US-Sicherheitsrates, dass es schwierig sei, über eine Motivation für das erneute Aufflammen des Konflikts zu sprechen.

Panzer in Aserbaidschan
Aserbaidschanische Panzer stehen in der Konfliktregion Berg-Karabach nebeneinander. © Emrah Gurel/AP/dpa

Russland gilt traditionell als Schutzmacht Armeniens im Kaukasus, hat aber mit vielen Schwierigkeiten im Ukraine-Krieg zu kämpfen. Es sei daher möglich, dass einige Anführer der Meinung seien, dass Russland gerade anderweitig beschäftigt sei, sagte Kirby auf die Frage, ob Aserbaidschan dies aktuell ausnutze. „Aber auch hier sollten wir mit Spekulationen vorsichtig sein.“

Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan: Beratungen geplant

+++ 19.30 Uhr: Bei den wiederaufgeflammten Kämpfen zwischen Aserbaidschan und Armenien im Kaukasus sind nach Militärangaben aus Baku 50 aserbaidschanische Soldaten getötet worden. Wie das Verteidigungsministerium am Dienstag mitteilte, gehörten 42 getötete Soldaten der Armee und 8 den Grenztruppen an. Armenien hat ähnlich hohe Verlustzahlen durch die in der Nacht ausgebrochenen Gefechte gemeldet. Eriwan zufolge beschießen aserbaidschanische Truppen Orte im Kernland von Armenien und nicht das seit Jahrzehnten umkämpfte Gebiet Berg-Karabach.

Viele internationale Akteure wie die EU und die Vereinten Nationen schalteten sich in die Bemühungen ein, eine Ausweitung der Kämpfe zu verhindern. Das Verteidigungsbündnis ODKB der früheren Sowjetrepubliken Russland, Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan beriet am Dienstagabend. Präsident Wladimir Putin nehme an der Videokonferenz teil, hieß es aus dem Kreml in Moskau. Am Mittwoch werde sich der Sicherheitsrat in New York mit dem Konflikt der beiden Ex-Sowjetrepubliken befassen, meldete die russische Agentur Tass unter Berufung auf UN-Quellen.

Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan: OSZE bietet Vermittlung an

Update vom Dienstag, 13. September, 15.05 Uhr: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat das sofortige Ende der militärischen Eskalation zwischen Armenien und Aserbaidschan gefordert. Polen als derzeitiges Vorsitzland der OSZE stehe auch weiterhin bereit, an einer dauerhaften Lösung zwischen den Konfliktparteien im Südkaukasus mitzuwirken, schrieb das polnische Außenministerium auf Twitter. OSZE-Generalsekretärin Helga Schmid betonte in Wien, dass weitere Todesfälle und Verletzungen vermieden werden müssten.

Auch Irans Präsident Ebrahim Raisi hat zur Deeskalation aufgerufen. Die Region könne keinen weiteren Krieg ertragen, sagte Raisi nach einem Telefonat mit dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete.

Bei den neuen schweren Gefechten zwischen den beiden verfeindeten Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan sind auf armenischer Seite nach offiziellen Angaben mindestens 49 Soldaten getötet worden.

Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan: Tote und Verletzte bei schweren Kämpfen

Erstmeldung vom Dienstag, 13. September: Eriwan/Baku – Seit Jahrzehnten gibt es Konflikte zwischen Aserbaidschan und Armenien wegen des Gebiets Berg-Karabach. Nach den Gefechten im November 2021 hat es auch in diesem Jahr bei Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan bereits mehrere Tote gegeben. Erneute Angriffe haben jetzt allerdings Gebiete in Armenien getroffen.

Im Schatten des Ukraine-Krieges sind im Kaukasus wieder schwere Kämpfe ausgebrochen. Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan telefonierte in der Nacht zu Dienstag (13. September) nach Angaben seiner Regierung mit dem Präsidenten der Schutzmacht Russland, Wladimir Putin. Paschinjan sprach von einem aserbaidschanischen Angriff, auf den es eine internationale Reaktion geben müsse. Er und Putin vereinbarten demnach, in Kontakt zu bleiben. Der armenische Regierungschef soll Medienberichten zufolge auch Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron alarmiert haben.

Armenischer Sabotageversuch soll Kämpfe mit Aserbaidschan ausgelöst haben

Das armenische Verteidigungsministerium teilte Berichten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge mit, aserbaidschanische Truppen hätten an drei Stellen armenische Stellungen mit Artillerie und großkalibrigen Waffen angegriffen. Es gebe Tote und Verwundete. In Baku sprach das Verteidigungsministerium Aserbaidschans wiederum davon, dass ein großangelegter armenischer Sabotageversuch die Kämpfe ausgelöst habe. Nach armenischen Angaben wurde diesmal nicht die Exklave Berg-Karabach angegriffen. Die Attacken trafen Stellungen bei den Städten Goris, Sotk und Dschermuk. Diese liegen auf dem Gebiet Armeniens.

Das umstrittene Gebiet Berg-Karabach gehört zu Aserbaidschan, wird aber von Armeniern bewohnt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sicherten sich armenische Kräfte in einem Krieg von 1992 bis 1994 die Kontrolle über das Gebiet und besetzten weite Teile Aserbaidschans. 2020 gewann Aserbaidschan seine Gebiete zurück und eroberte strategisch wichtige Stellen in Berg-Karabach.

Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan: Weitere Kämpfe nicht ausgeschlossen

Das Auswärtige Amt mahnte Deutsche in der Region zur Vorsicht, eine Ausweitung der Kämpfe sei nicht ausgeschlossen. Wer in einem von Kampfhandlungen betroffenen Gebiet sei, solle sich an einen geschützten Ort begeben und dort warten, bis man ihn sicher verlassen könne. Gerade Dschermuk ist bei ausländischen Touristen beliebt, dort befindet sich ein bekanntes Mineralbad.

Erst im August ist es in der armenischen Hauptstadt Jerewan zu einer Explosion in einem Einkaufszentrum gekommen. Sechs Menschen sind dabei ums Leben gekommen, 60 weitere wurden verletzt. (hg/na dpa)

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