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Der Supermarkt, an dem der Horror der Rechten in Arnsdorf seinen Anfang nahm.

Sachsen

SPD-Bürgermeisterin von Rechten aus dem Amt gemobbt

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Die SPD-Bürgermeisterin im sächsischen Arnsdorf gibt nach monatelanger Bedrohung auf. Jetzt erst erfährt sie von allen Seiten Solidarität für ihren Mut und Anstand.

Martina Angermann muss nicht mehr zurück nach Arnsdorf, in den Ort, aus dem sie herausgemobbt wurde. Die SPD-Bürgermeisterin der 5000-Seelen-Gemeinde ist „dauerhaft dienstunfähig“ geschrieben. Der Antrag auf einstweiligen Ruhestand läuft. Arnsdorf braucht nun ein neues Oberhaupt.

Einer, der nun vermutlich kandidieren wird, hatte auf der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend die Abwahl Angermanns beantragen wollen: Detlef Oelsner von der AfD. Bei der vorigen Wahl trat er noch als CDU-Kandidat gegen Angermann an. Oelsner war es auch, der 2016 mit drei anderen Männern den Ort nahe Dresden bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Da fesselten sie einen psychisch kranken Iraker mit Kabelbindern an einen Baum. Der Mann hatte zuvor angeblich in einem „Netto“-Supermarkt randaliert.

Seit 2008 ist Martina Angermann Bürgermeisterin, 2015 wurde sie mit drei Viertel der Stimmen wiedergewählt. Dann aber kam der „Netto-Vorfall“. „Das war keine Zivilcourage, das sah aus wie Selbstjustiz“, sagte Angermann angereisten Reportern. Der Prozess gegen die Männer wurde eingestellt, der Iraker kurz vor Prozessbeginn tot im Wald aufgefunden, vermutlich erfroren. Angermann wurde zur Zielscheibe der Rechten, im Netz und auf der Straße. Im Februar dann kam der Zusammenbruch – Diagnose: Burn-out. In einem Interview mit der „taz“ sagte sie: „Am Anfang habe ich nur geheult und geschlafen. Ich habe dann eine Psychologin besucht, die meinte, ich habe ein Trauma. Es ist über die Monate langsam besser geworden, es hat einfach lange gedauert.“

Ihre Unterstützer sagen, Angermann war eine sehr rührige Bürgermeisterin, die außergewöhnlich viel für den Ort herausgeholt hat. Die immer für Arnsdorf da war und die auch keinen Konflikt gescheut hat.

Ärger gab es vor allem mit dem Umfeld der AfD, die mit fünf Vertretern im Gemeinderat sitzt. Weitere fünf sind von der CDU, unterstützt wurde Angermann nur von den sechs Vertretern des Bürgerforums. Zwei weitere Gemeinderäte der Fraktion „Buntes Arnsdorf“ sind nach Anfeindungen aus dem Ort weggezogen, ihre Sitze sind vakant. „Es gab ein paar einzelne Leute aus dem Ort, die aufrecht waren“, sagte Angermann der „taz“. „Aber viele hatten auch Angst. Ich habe darunter gelitten, dass die Mitte der Gesellschaft geschwiegen hat. Es gab Momente, wo ich mir dachte: Jetzt stehst du ganz alleine da.“

Jetzt, wo es zu spät ist, gehen Solidaritätsadressen im Dutzend bei ihr ein. SPD-Vorsitzkandidatin Saskia Esken greift den Fall auf Twitter auf, Angermanns neuer SPD-Ortsverband steht ihr bei, aus der ganzen Republik erreichen sie aufmunternde Nachrichten. Wäre es anders ausgegangen, wenn sie vorher diesen Rückhalt gehabt hätte? „Ich weiß es nicht“, sagt Angermann. Sie ist jetzt einfach nur erleichtert, dass das Kapitel Arnsdorf abgeschlossen ist. „Für die Gemeinde ist es besser. Es geht mir zwar schon viel besser als im Februar, aber ich bin nicht belastbar. Vielleicht werde ich das nie wieder sein.“

„Martina Angermann ist eine starke Frau“, sagt Sachsens SPD-Chef Martin Dulig. Auch er gehört zu denjenigen, die der Frau von der Basis jetzt den Rücken stärken. „Sie hat Haltung gezeigt und wurde in einer Weise angegriffen, die mit menschlichen Formen der politischen Auseinandersetzung längst nichts mehr zu tun hat. Diese Frau soll von ihren politischen Gegnern vernichtet werden.“

Auch Dulig kennt die An-griffe aus dem Hinterhalt. Im Sommer schickten Unbekannte den Softair-Nachbau eines Heckler & Koch-Sturmgewehrs an seine Privatadresse, als Hinweis, dass man ihn auch mit echten Waffen würde verfolgen wollen. „Politiker sind kein Freiwild“, sagt Dulig jetzt zu Angermanns Fall. „Gerade unsere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister müssen besser geschützt werden. Sie brauchen die Wertschätzung und grundsätzliche Unterstützung der Menschen in ihren Gemeinden genauso wie den Schutz des Rechtsstaates.“

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