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Wer bettelt, ist vermutlich arm. Den größten Teil der Armut aber sieht man nicht. 

Armutsbericht

Armut in Hessen steigt gegen den bundesdeutschen Trend

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Die Quote steigt in Hessen gegen den bundesweiten Trend deutlich an. Die Ungleichheit ist alarmierend, sagt der Paritätische. Denn die Hessen sind auch besonders reich.

Die Schere zwischen reich und arm geht in Hessen immer weiter auseinander. Und das stärker als in anderen Bundesländern. Wie der am Donnerstag veröffentlichte Armutsbericht des Paritätischen (Wohlfahrtsverbands) zeigt, ist die Lage in manchen Regionen kritisch.

Armut um ein Viertel zugenommen

Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist der Anteil von Menschen mit einem geringen Einkommen in Hessen von 14,4 Prozent auf 15,8 Prozent gestiegen. Erstmals liegt Hessen damit über dem Bundesschnitt von 15,5 Prozent. Wie der Paritätische berichtet, hat die Zahl der vergleichsweise armen Menschen innerhalb von zehn Jahren um ein Viertel zugenommen – so viel wie in keinem anderen Bundesland. „Der Anstieg der Armut und das hohe Maß an Ungleichheit sind alarmierend“, sagte dazu Yasmin Alinaghi, die Landesgeschäftsführerin des Verbandes in Hessen. Es sei nicht hinnehmbar, dass mehr als ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen in Armut aufwüchsen. Die Quote der unter 18-Jährigen liegt laut Armutsbericht bei 21,1 Prozent.

Armutsbericht In Deutschlandging die Armut von 2017 auf 2018 leicht zurück, und zwar um 0,3 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent. Das ist der erste Rückgang seit 2014.

Von Armut betroffensind laut Armutsbericht des Paritätischen vor allem Migranten, Arbeitslose, Alleinerziehende, Kinderreiche und Menschen mit niedrigen oder keinen Bildungsabschlüssen. Dort liegen die Quoten zwischen 30 und 57 Prozent.

Die höchste Quotehat Bremen (22,7) vor Mecklenburg-Vorpommern (20,9) und Sachsen-Anhalt (19,5). Am geringsten ist die Armut in Bayern (11,7) und Baden-Württemberg (11,9). pgh

Als arm gilt gemäß einer Vereinbarung der Europäischen Union, wer unter 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Bei Alleinstehenden sind das im Jahr 2018 monatlich 1035 Euro gewesen, bei einem Paar ohne Kinder 1533 Euro. Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren gelten gemäß dieser Definition als arm, wenn sie über weniger als 1346 Euro im Monat verfügen können.

Armut in den Regionen Limburg, Gießen und Marburg

Besonders betroffen ist die Region von Limburg über Gießen bis Marburg. Sie gehört mit einer Quote von 19.5 Prozent zu den zwölf ärmsten Regionen in Deutschland. Anlass zur Sorge sieht Alinaghi allerdings auch im dicht besiedelten Südhessen. So sei der Anteil der Armen im Rhein-Main-Gebiet von 2008 bis 2018 um 2,7 Prozentpunkte auf 14,1 Prozent gestiegen, rund um Darmstadt sogar von 10,7 auf 15,6 Prozent. Und das, obwohl Hessen bei der Reichtumsquote in Deutschland an zweiter Stelle liege.

Alinaghi forderte die Landesregierung auf, einen Masterplan zur Armutsbekämpfung aufzustellen. Nötig sei ein umfassendes Konzept, das die Themen Arbeit, Wohnen, Alterssicherung, Pflege, Gesundheit, Familie, Bildung und Teilhabe in den Blick nehme, sagte Annette Wippermann, Grundsatzreferentin des Paritätischen. 

Armut in der Mitte der Gesellschaft

Armut habe sich weit in die Mitte der Gesellschaft hineingefressen, sagte Petra Heimer, Landesvorsitzende der Linke in Hessen. Die Partei fordert eine Vermögensteuer und die Reform der Erbschaftssteuer. Außerdem müsse der Mindestlohn auf 13 Euro erhöht werden. Niedrig-löhne und explodierende Mietkosten seien für die zunehmende Armut mitverantwortlich, so Linken-Sprecherin Christiane Böhm.

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