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Notlagen schlagen sich in ärmeren Staaten besonders hart nieder.

Entwicklungsländer

Armut steigert die Gefahr

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Die Pandemie überfordert die Entwicklungsländer – Minister Müller regt einen Schuldenerlass an.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat die wohlhabenden Staaten zu einem Schuldenschnitt für Entwicklungsländer im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. „Es ist gut, dass die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer Verantwortung übernehmen und alle erforderlichen Schritte unternehmen will, um die betroffenen Länder zu unterstützen.“

Das sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit Blick auf den jüngsten G20-Beschluss, fünf Billionen Dollar (gut 4,5 Billionen Euro) in die Weltwirtschaft zu investieren. „Zu einem solchen internationalen Stabilisierungspaket sollte auch ein Schuldenerlass für die ärmsten Länder gehören, damit sie handlungsfähig bleiben. Alle großen Geber, insbesondere der G20, sollten den Aufruf der Weltbank und des IWF unterstützen und auf die Schuldenrückzahlung der ärmsten Länder verzichten“, forderte Müller.

Der Minister warnte vor gravierenden Folgen der Pandemie in Entwicklungsländern. „Neben den humanitären Folgen wird die Corona-Krise auch dramatische wirtschaftliche Auswirkungen haben“, sagte er. So könnten viele globale Lieferketten kaum noch aufrechterhalten werden. Nötig sei daher ein umfassendes Stabilisierungspaket, um die ärmsten Staaten schnell und wirksam zu unterstützen. Es sei jetzt an den G7 und den G20, ein entsprechendes Finanzpaket voranzubringen.

Derweil greift die Corona-Pandemie auf dem Globus immer weiter um sich. Nach China gelten Europa und die USA als Epizentren – aber auch der globale Süden bleibt keineswegs verschont. Ein Überblick:

Afrika:Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind auf dem afrikanischen Kontinent 43 von 54 Staaten von der Pandemie betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählte am Freitag rund 2240 bestätigte Erkrankungen und 39 Todesfälle. Die Sorge vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus in einer Weltregion mit überwiegend defizitärem Gesundheitssystem ist groß. Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin der WHO für Afrika, sieht aber noch die Chance, das Virus einzuhegen: In jedem zweiten betroffenen afrikanischen Staat sei das Virus von außen importiert worden – eine lokale Weitergabe sei noch nicht feststellbar. Die Isolation der Betroffenen und ihrer Kontaktpersonen sei jetzt nötig.

Südostasien:Die Fallzahlen zur Ausbreitung des Virus bewegen sich noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau, nehmen aber zu. Abseits von China listen Thailand (1136) und Indonesien (1046) die höchsten Erkrankungsraten auf. In Südostasien, dessen Industrie besonders eng verknüpft ist mit den Lieferketten amerikanischer und europäischer Konzerne, dürften sich die Folgen der jetzt eingefrorenen Handelsbeziehungen besonders dramatisch zeigen.

Nah- und Mittelost:Der Iran zählt mit 32 332 Infektionen und 2378 Verstorbenen zu den Epizentren der Pandemie. Angesichts des iranischen Einflusses in der Region befürchten Gesundheitsexperten eine Ausbreitung des Virus auf instabile Nachbarstaaten wie Irak und Afghanistan.

Südamerika:Brasilien ist am stärksten betroffen (3300 Fälle/ 77 Tote). Der Gesundheitsminister des Landes sagte vor wenigen Tagen voraus, dass bis Ende April das Gesundheitssystem Brasiliens kollabieren werde. Menschenrechtsorganisation befürchten, dass populistische Regierungen Südamerikas unter dem Vorwand der Virusbekämpfung Bürgerrechte drastisch abbauen werden.

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