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Ein Kämpfer der Taliban in der Provinz Herat: Die Terrormiliz breitet sich weiter in Afghanistan aus und steht kurz vor Kabul.
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Ein Kämpfer der Taliban in der Provinz Herat: Die Terrormiliz breitet sich weiter in Afghanistan aus und steht kurz vor Kabul.

Rettung von Ortskräften

Vormarsch der Taliban: Armin Laschet will Bundeswehr nach Afghanistan zurückschicken

  • VonMirko Schmid
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Armin Laschet will afghanische Ortskräfte angesichts des Terrors der Taliban „rausholen“. Annalena Baerbock fordert Vorbereitungen für mehr Geflüchtete.

Gießen – Die Taliban sind in Afghanistan auf dem Vormarsch. Um afghanischer Ortskräfte vor Vergeltungsmaßnahmen der Terrororganisation zu beschützen, regt Kanzlerkandidat Armin Laschet eine Rückkehr der Bundeswehr nach Afghanistan an. Die deutschen Einsatzkräfte werden „noch einmal tätig werden müssen“, so der CDU-Chef. "Diesen Leuten muss geholfen werden, sie müssen jetzt rausgeholt werden", so Laschet während eines Auftritts beim Landestag der Jungen Union Hessen in Gießen. Dies sei eine „moralische Verpflichtung“.

Unterdessen rechnet die Bundesregierung mit vermehrten Fluchtbewegungen aus dem Bürgerkriegsland in die Staaten der EU. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte bereits eine „erleichtere Einreise“ für die vielen Ortskräfte zu, die mit den Alliierten kooperiert hatten und nun fürchten müssen, zum Ziel des Furors der Taliban, die bereits kurz vor der Landeshauptstadt Kabul stehen, zu werden.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte der Bundesminister zu, dass eine Einreise der Verfolgten „nicht am Bundesinnenministerium scheitern“ würden. Die „Klärung der Identität und die Erteilung von Visa“ könne anschließend in Deutschland stattfinden, sollte dies in Afghanistan nicht möglich sein.

Vormarsch der Taliban: Grüne wollen bedrohte Ortskräfte aktiv aus Afghanistan evakuieren

Die Grünen wollen noch einen Schritt weitergehen und aktiv helfen, bedrohte Menschen aus Afghanistan nach Europa zu holen. Der Parteivorsitzende Robert Habeck forderte in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung eine „Luftbrücke“, um „diese Menschen aus Lebensgefahr zu bringen".

Seine Amtskollegin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock forderte im Deutschlandfunk, dass sich alle 27 EU-Länder darauf vorbereiten sollten, dass viele Menschen aus Afghanistan aufgrund der dramatischen Situation im Land flüchten werden. Gemeinsam „mit den europäischen Ländern, die wollen, und vor allem den Amerikanern und den Kanadiern“ müsse Deutschland „klare Kontingentregeln vereinbaren“.

NationAfghanistan
HauptstadtKabul
KontinentAsien
PräsidentAschraf Ghani
Fläche652.860km²
Bevölkerung38,04 Millionen (Weltbank, 2019)

Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeigte sich diesem Vorschlag gegenüber dem Nachrichtenportal Watson offen: Sie unterstütze die Forderung nach Charterflügen, um Ortskräfte auszufliegen. Diese Charterflüge sollten „sofort und in hoher Anzahl“ erfolgen.

Taliban-Vormarsch: SPD-Staatsminister Michael Roth warnt vor mehr Geflüchteten aus Afghanistan

Eine Evakuierung der Ortskräfte regt auch der Verteidigungsexperte der Fraktion der Linken, Alexander Neu an. „Alle lokalen Mitarbeiter der in Afghanistan tätigen internationalen Organisationen und der NATO“ müssten „samt Familien evakuiert und in die NATO-Staaten verbracht werden“, forderte der Bundestagsabgeordnete gegenüber Watson.

Kritischere Töne kommen aus der SPD. Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, warnte vor einem starken Anstieg der Zahl von Geflüchteten aus Afghanistan, mit dem Deutschland „konfrontiert sein“ werde. Der „Migrationsdruck auf die EU und Deutschland“ würde zunehmen, sagte er der „Rheinischen Post“.

Armin Laschet beim Landestag der Jungen Union Hessen in Gießen.

Unterdessen warf der Grünen-Außenexperte Omid Nouripour einen Blick auf die Lage vor Ort und warnte davor, dass Afghanistan unter den Taliban wieder zu einem Rückzugsraum für Terroristen könnte: „Die einzige Bedingung, die die USA an ihren Abzug gestellt haben, war, dass die Taliban ihre Verbindungen mit dem Terror-Netzwerk Al-Kaida abbrechen“, so Nouripour gegenüber der Passauer Neuen Presse. Das aber sei nicht passiert. Nach einer wahrscheinlichen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan werde auch das Terrornetzwerk Al-Kaida „wieder Oberwasser“ bekommen, so Nouripour. Dies hätte auch Folgen für „unsere Sicherheitslage“.

Afghanistan: Die Taliban erobern Kandahar und rücken auf Kabul vor

Während in Deutschland geredet wird, schaffen die Taliban in Afghanistan Fakten. In weiten Teilen des Landes ist die Terrororganisation bereits wieder dominant, alleine in den letzten Tagen nahmen die radikal-islamistischen Kampftruppen rund due Hälfte der insgesamt 34 Provinzhauptstädte des Binnenstaates an der Schnittstelle von Südasien, Zentralasien und Vorderasien ein.

Zuletzt vermeldeten die Milizen die Kontrolle über Kandahar, die zweitgrößte Stadt des Landes. Nun rücken die Taliban in Richtung der Hauptstadt Kabul vor und sollen gemäß übereinstimmender Medienberichte bis auf 50 Kilometer an die strategisch wichtige Großstadt herangerückt sein. (Mirko Schmid mit AFP)

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