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Söder gegen Laschet: CSU-Chef verlangt besseren Wahlkampf – und eine „sexy“ Union

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Von: Tim Vincent Dicke

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Armin Laschet und Markus Söder kommen zu einer gemeinsamen Präsidiumssitzung ihrer Parteien.
Markus Söder fordert von Armin Laschet mehr Engagement im Wahlkampf. Besonders bei Zukunftsthemen müssten CDU/CSU attraktiver werden. (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Nach dem Umfragehoch läuft es nicht mehr richtig für die Union im Wahlkampf. Markus Söder erhöht den Druck auf CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. 

München/Berlin – Markus Söder, CSU-Chef und Ministerpräsident von Bayern, hat von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) einen stärkeren Wahlkampf verlangt – insbesondere im Umgang mit Zukunftsthemen. Es gebe eine Gefahr, dass die Union nach der Bundestagswahl am 26. September 2021 in der Opposition lande, sagte Söder dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. „Es ist längst nicht selbstverständlich, dass wir als Union die Regierung bilden und das Kanzleramt verteidigen können“, so der 54-Jährige.

Markus Söder warnte die Union vor der Gefahr, dass eine Ampelkoalition zustande kommen könnte. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner habe kein Problem damit, „SPD und Grünen an die Macht zu verhelfen. Insbesondere dann nicht, wenn die Sozialdemokraten vor den Grünen liegen. Die FDP ist verlässlich in einer Regierung, aber im Wahlkampf ein Wackelkandidat.“

Armin Laschet (CDU) kommt kaum an – Markus Söder wünscht sich mehr Engagement

Das Umfragehoch der Union der vergangenen Wochen sei vorwiegend durch Fehler der anderen Parteien entstanden. „Das reicht aber nicht aus“, sagte Söder. „Ein halbes Prozent hin oder her, hier ein paar Ausgleichsmandate, dort einige Überhangmandate – und plötzlich sind wir in der Opposition“, rechnete er vor.

Armin Laschet kommt bei Wähler:innen kaum an. Wenn Bundeskanzler:innen in Deutschland direkt wählbar wären, würden sich nur 15 Prozent der Teilnehmenden einer Online-Umfrage von YouGov für den NRW-Ministerpräsidenten entscheiden, 20 Prozent würden dagegen Finanzminister Olaf Scholz (SPD) wählen. Annalena Baerbock steht allerdings mit 13 Prozent dem Meinungsforschungsinstitut zufolge noch schlechter da. Sie stolperte über Plagiate in ihrem Buch, nach Baerbock sieht sich nun aber auch Laschet Abschreibevorwürfen konfrontiert.

Anders als CDU-Kanzlerkandidat Laschet fordert Söder ein Umdenken in der Klimapolitik

Armin Laschet müsse laut Markus Söder nun noch besser klarmachen, wofür die Union stehe. Laschet sei „ein sehr guter Kanzlerkandidat, der aber als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen derzeit vor allem mit der Bewältigung der Flutkatastrophe beschäftigt ist“, erklärte er. „Aber wir müssen bald auch wieder die Kraft finden, über wichtige nationale und internationale Herausforderungen zu sprechen.“

Anders als Laschet wünscht sich der bayerische Ministerpräsident politische Konsequenzen aus der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Diese sei „ein Weckruf, die bisherige Klimapolitik grundlegend zu überdenken und neu zu justieren“. „Da müssen alle aus der politischen Komfortzone raus. Es geht um unseren Fußabdruck in der Geschichte“, sagte er. Laschet hatte mit der Aussage „Weil heute so ein Tag ist, ändert man nicht die Politik“ im WDR unmittelbar nach der Flutkatastrophe für Kritik gesorgt.

Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wünscht sich Markus Söder ein Umdenken in der Klimapolitik. © Augst/imago

Markus Söder will eine „solide und sexy“ CDU/CSU

Umweltpolitik wolle Söder nicht den anderen Parteien überlassen, CDU und CSU seien die Einzigen, die Klimaschutz und Wirtschaft unter einen Hut bringen würden. „Die Grünen besetzen die ökologische Linke, die FDP hat wenig Interesse am Klimaschutz, und die AfD leugnet den Klimawandel per se. Auf uns als Union kommt es jetzt an“, erläuterte der Landeschef.

Der CSU-Chef erneuerte seine Forderung nach einem rascheren Kohleausstieg, sieht aber auch einen früheren Komplettumstieg auf Nichtverbrennungsmotoren als nötig an. „Und auch das Ende des fossilen Verbrennungsmotors in der Autoindustrie wird früher kommen. Die Wirtschaft ist da weiter als die Politik.“ Wie soll es mit der Union weitergehen? Söder hat darauf eine klare Antwort. Die Schwesterparteien müssten „solide und sexy“ sein. (tvd/dpa)

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