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Armin Laschet stellt sich vor der Bundestagswahl 2021 den Fragen der Kinder.
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Armin Laschet bei ProSieben im Gespräch mit den Kinder-Interviewern Pauline und Romeo.

Bundestagswahl 2021

Kinder nehmen Armin Laschet in die Mangel: „Ist Maaßen ein Nazi?“

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet zeigt sich kurz vor der Bundestagswahl 2021 in einem Interview mit Kindern wenig souverän – und genervt.

Berlin/Frankfurt – CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist eigentlich nicht dafür bekannt, der jüngeren Zielgruppe Rede und Antwort zu stehen. Zumindest hatte er in der Vergangenheit für ein Kandidat:innen-Duell mit dem Youtuber Rezo nicht zur Verfügung gestanden; auch die Teilnahme an einer als eher unkonventionell angekündigten ProSieben-Wahlkampfshow lehnte er ab. Jetzt, eineinhalb Wochen vor der Bundestagswahl 2021, stellt sich Laschet den Fragen der Kinderreporter Pauline und Romeo in Klaas Heufer-Umlaufs Show „Late Night Berlin“. Zunächst noch kooperativ, später einigermaßen genervt, denn die Fragen haben es in sich.

In einem als Zirkuszelt gestalteten Studio mit einem großen Teddybären in der Ecke nimmt Armin Laschet auf einem Kinderstuhl Platz. „Warum wollen Sie eigentlich Bundeskanzler werden“, fängt Interviewerin Pauline harmlos an. Laschet habe sich schon „als größeres Kind“ engagieren wollen, „damit die Welt besser wird“, sein Engagement wolle er nun gerne „für ganz Deutschland“ einbringen.

#LateNightBerlin: Armin Laschet beantwortet den Kindern ihre Fragen, als erzähle er Märchen

Romeo fragt im Anschluss unverblümt, ob Laschet in seiner Funktion als NRW-Ministerpräsident die Polizei geschickt habe, um „Menschen aus Baumhäusern zu vertreiben“. Dieser stockt erstmalig kurz und erklärt, dass man im Wald eigentlich keine Häuser bauen und „Menschen angreifen“ dürfe. Die Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts, dass die Räumung im Hambacher Forst illegal gewesen sei, müsse überprüft werden.

Armin Laschet gibt ganz den netten Onkel, der langsam spricht und die Fragen der Kinder-Interviewer auf eine Art beantwortet, als erzähle er ihnen ein Märchen. Die lassen sich jedoch nicht beeindrucken. Wieso er denn während der Flutkatastrophe habe lachen müssen, will Romeo wissen. Einer habe eine „blöde Bemerkung“ gemacht, „das kennst du doch“, versucht es Laschet auf die kumpelhafte Tour. Dann wird es etwas wirr, als Laschet zunächst die Leute beklagt, die ihm wegen des Lachers vorgeworfen hätten, er nehme die Katastrophe nicht ernst. „Das ist einfach dämlich.“ Pauline hakt nach: „Was ist dämlich?“ „Das Lachen“, antwortet der CDU-Mann, vermutlich weil es nicht so gut ankäme, wenn er jetzt die Schuld seinen Kritiker:innen zuschiebt. Dabei hat er im Gesprächsverlauf genau das getan.

Armin Laschet hat auf Fragen zu Maaßen keine Lust - und wird ungeduldig.

„Du bist doch der Chef der CDU“, sagt Romeo nun. Und formuliert seine nächste Frage erfrischend offen: „Ist Maaßen ein Nazi?“ Laschet schüttelt beruhigend den Kopf: „Nein.“ Vielmehr wolle man, dass die Nazis „wieder wegkommen aus dem Parlament“. Doch damit hat er die Frage nicht zufriedenstellend beantwortet, und Romeo lässt sich nicht so einfach abspeisen. Also noch einmal: „Ist Hans-Georg Maaßen ein Rechter?“ Laschet versucht es mit einer Gegenfrage: „Kennst du den?“ Als Antwort bekommt er ein knappes „Ja“ zu hören. „Und warum ist das ein Rechter?“, will der Politiker auf Teufel komm raus keine konkrete Aussage zu dieser simplen Frage machen. „Frag ich Sie!“ Der Junge lässt sich nicht abwimmeln.

Laschet wird langsam ungeduldig, auf diese Frage hat er einfach keine Lust. „Wenn du mich fragst: ‚Ist Hans-Georg Maaßen ein Rechter‘, musst du ja wissen, wer Maaßen ist und was er Schlimmes gemacht hat“. Nein, Herr Laschet, dass muss Romeo eben nicht. Er ist nämlich derjenige, der in diesem Format die Fragen stellt. Nächster Versuch: „Was findest du gut an ihm?“ In der Partei gebe es „solche und solche“, „und die, die da in Thüringen wohnen, wollen ihn aufstellen“. Pauline greift in den Disput ein, auch sie lässt sich vom Kanzlerkandidaten mit seinen Ausflüchen nicht einlullen.

Armin Laschet stellt lieber Gegenfragen - und weicht beim Thema Maaßen aus

„Aber was findest du gut an ihm“, hakt sie nach. „Ich sag doch gerade, er ist in Thüringen, das ist auch ein Land in Deutschland, aufgestellt“, außerdem würde er ihm „manchmal, wenn er was Falsches sagt“, widersprechen (ach ja, wann?). Nazi sagen, sei aber „unfair“. Ob Laschet dachte, mit einem Ausflug in den Geografieunterricht die Kinder vom eigentlichen Thema abzulenken? Wenn, dann hat das nicht funktioniert. Pauline will es jetzt genau wissen: „Was hat er gesagt?“ Schweigen, dann Murmeln ... dann: „Du, wenn du in einer Partei bist, ..., da sagt jeder mal irgendwas, ... und wenn ich da jedes Mal sagen würde, nein, das sehe ich aber so ...“ Blablabla. Laschet hat sich diese Nummer selbst eingebrockt, und er wird völlig zu Recht von Pauline und Romeo dafür gegrillt.

Wir sind hier nämlich nicht im ZDF oder der ARD, wo die Frage-Antwort-Spielchen meist Politiker-konform abgewickelt werden. Nein, Pauline will eine Antwort, die sie immer noch nicht bekommen hat, daher fragt sie noch einmal: „Aber was ist gut an ihm?“ „Warum soll an ihm was gut sein?“ - schon wieder eine Gegenfrage -, man wolle doch „miteinander plaudern“, es sei doch keine „Werbeveranstaltung für Herrn Maaßen ... den du gar nicht kennst“. Laschet ist sichtlich genervt, den Gefallen einer seichten Plauderei haben ihm die Kinder nicht getan, also arbeitet der ehemals freundliche Märchenonkel mit Unterstellungen.

Bundestagswahl 2021: Armin Laschet drückt sich vor den eigentlich wichtigen Themen

„Aber der soll doch in den Bundestag.“ Pauline scheint Maaßen durchaus zu kennen. Aber Laschet ist in Aachen und wählt in Aachen, dann folgt Schweigen. „So, habt ihr noch Fragen?“, kommt es dann gar nicht mehr freundlich aus ihm heraus. Romeo fragt zunächst nach der Anzahl an Purzelbäumen, die er schwindelfrei schaffe - um dann zum nächsten Angriff auszuholen. Ob Politiker aus der Union mit Masken Geld verdient hätten, will Romeo wissen. Es habe ein paar gegeben und die dürften auch nicht mehr mitmachen, sagt Laschet. „Gab’s das auch in anderen Parteien?“ Das „Ja“ kam recht fix, in jeder Partei gäbe es Leute, die Fehler machten. „Aber nicht Leute, die Geld mit Masken verdienten, oder?“ Und wieder Gemurmel von Laschet ... „Ich hab jetzt nicht die ganze Liste, ich glaube einen ...aber es ist doch egal, in welcher Partei ...“

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Abschließend verrennt sich Laschet in eine Aussage, die er im Nachgang an die ZDF- „Klartextsenung“ bereits als „Missverständnis“ verstanden wissen wollte. Nichts dagegen habe er, wenn Männer heiraten wollen. Warum Laschet dann nicht dafür gestimmt hätte, will Romeo wissen. Er sei nicht im Bundestag gewesen, wer denn „auf so komische Ideen“ komme? Romeo: „Du hast Interviews gegeben, wo du gesagt hast, du willst es nicht“ - richtig, beispielsweise im Spiegel („Dem Antrag der SPD hätte ich wie Merkel nicht zugestimmt“). Und Armin Laschet? „Nee, das stimmt nicht.“ „Dem Spiegel“, weiß auch Romeo. Jetzt wird der Kanzlerkandidat der Union völlig unsouverän: „Du hast damals schon den Spiegel gelesen? Ist aber toll, dass du das kannst.“ „Nee, ich habs gegoogelt“. Bähm, und danke an Romeo und Pauline, dass sie sich vom alten Mann nicht haben einschüchtern lassen.

Armin Laschet scheint davon ausgegangen zu sein, dass er bei dem Interview nur mit Fragen zu Kinderstreichen und Purzelbäumen konfrontiert wird. Das hätte zu seiner Märchenonkelrolle gepasst, die er bei den Themen, die eigentlich interessieren, nicht hat aufrechterhalten können. Vielmehr wird er bockig und versucht, die Kinder bloßzustellen - und das ist, mit Verlaub, ziemlich kindisch und vor allem auch ziemlich wenig souverän. (ktho)

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