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Armin Laschet ist möglicher Kanzlerkandidat der CDU.
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Armin Laschet ist möglicher Kanzlerkandidat der CDU.

CDU-Kanzlerkandidat

Armin Laschet: Kann der CDU-Vorsitzende auch Kanzler?

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
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Armin Laschet gilt in der CDU als liberal. Aber wofür steht der ehemalige Integrationsminister aus Nordrhein-Westfalen? Und welche Rolle spielt die Energiepolitik?

  • Armin Laschet ist einer der möglichen Kanzlerkandidaten der CDU.
  • Er kandidiert ebenfalls für das Amt des Parteivorsitzenden beim CDU-Parteitag am 15.01.2021.
  • Für Laschet spielt sein christlicher Glauben eine zentrale Rolle.

Frankfurt - Das Rennen um den Posten des Kanzlerkandidaten der CDU ist wieder offen. Nach dem Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer werden drei Kandidaten gehandelt. Der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen, CDU-Politiker Friedrich Merz und der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Armin Laschet. Bei dem Parteitag konnte Laschet die Stichwahl gegen Merz entscheiden und ist damit neuer Vorsitzender der CDU.

Armin Laschet (CDU): Der Katholik aus dem Rheinland

Laschet wurde 1961 in Aachen geboren. Schon das Elternhaus war katholisch geprägt, die Familie mit einem Lehrer als Vater gut situiert. Sein Abitur legte Armin Laschet am katholischen Gymnasium ab, danach absolvierte er ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften. Allerdings erlangte Laschet nur das erste Staatsexamen. In seiner Studienzeit wurde Laschet Mitglied zweier farbentragender, nicht-schlagender katholischer Studentenverbindungen.

Im Anschluss an den Universitätsbesuch wurde Laschet Volontär beim bayrischen Rundfunk und danach bis 1994 freier Journalist. Daneben beriet er die ehemalige Präsidentin des deutschen Bundestags Rita Süssmuth (CDU). Von 1991 bis 1994 leitete Laschet die Kirchenzeitung des Bistums Aachen als Chefredakteur, 1995 bis 1999 war er Verlagsleiter des Einhard-Verlags.

Armin Laschet: CDU-Politiker schon seit jungen Jahren

Bereits im Alter von 27 Jahren zog Armin Laschet im Jahr 1989 in den Stadtrat von Aachen ein. Diesem gehörte Laschet bis 2004 an. Bereits 1994 gewann er bei der Bundestagswahl ein Direktmandat für seinen Wahlkreis Aachen-Stadt. Das Mandat behielt Laschet für vier Jahre.

Im Jahr 1999 wurde Laschet als Europaabgeordneter gewählt. Noch heute betont der CDU-Politiker Laschet immer wieder die Bedeutung der EU für sein Bundesland NRW, aber auch für Deutschland und die Einigkeit Europas. Er selbst bezeichnet sich als „leidenschaftlichen Europäer“. Seine Schwerpunkte während der Arbeit im EU-Parlament setzte Armin Laschet vor allem bei der internationalen Politik und der Sicherheit.

Ein Ende fand die Arbeit von Laschet im Europaparlament im Jahr 2005. Im Kabinett aus CDU und FDP von Jürgen Rüttgers wurde er zum Landesminister für Generationen, Familie, Frauen und Integration in NRW berufen.

Armin Laschet wird als „Türken-Armin“ bekannt

Zu dieser Zeit als CDU-Minister in NRW war Laschet aufgrund seiner liberalen Ansichten unter Kritikern als „Türken-Armin“ bekannt. „Wir müssen die ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt unseres Landes nicht als Bedrohung, sondern als Chance und Herausforderung begreifen“, sagte Laschet 2009. Immer wieder betonte er die Bedeutung der Zuwanderung und der Integration für das westdeutsche Bundesland in seinen Reden. Im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ wurde Armin Laschet als „Vorreiter“ und „Unionspolitiker auf Abwegen“ bezeichnet, der „die Bundespolitiker integrationspolitisch in den Schatten stellt“.

Von 2010 an war Armin Laschet für sieben Jahre Landtagsabgeordneter in NRW, ab 2013 als Vorsitzender der CDU-Fraktion im bevölkerungsreichsten Bundesland. Damit wurde Laschet auch zum Oppositionsführer. Bei der Landtagswahl 2017 profitierte die CDU von Verlusten der SPD und der Grünen. Die Konservativen bildeten mit 33 Prozent die größte Fraktion. Zusammen mit der FDP stellt Schwarz-Gelb seither die Landesregierung. In dieser bekleidet Armin Laschet das Amt des Ministerpräsidenten.

Armin Laschet: Schwerpunkte des CDU-Politikers liegen bei Sicherheit und Bildung

Im vergangenen Wahlkampf zur NRW-Landtagswahl setzte Laschet seinen Schwerpunkt bei der Inneren Sicherheit. In Laschets erster Regierungserklärung als Ministerpräsident sprach er sich für eine „Null-Toleranz-Linie“ gegenüber denen aus, welche das Asylrecht ausnutzen. Dabei setzte Laschet auch Akzente in der Bundespolitik. Sein Polizeigesetz wurde zum „Musterpolizeigesetz“ für den Bund. Darin enthalten waren unter anderem mehr Rechte für die Polizei und „Predictive Policing“, also vorhersagende Polizeiarbeit.

Ein weiteres wichtiges Themengebiet für den CDU-Politiker Laschet ist die Bildung. Unter seiner Regierung kehrte NRW zum Abitur nach neun statt nach acht Jahren zurück. Außerdem sagte Laschet: „Aufstieg durch Bildung ist das große Versprechen einer offenen und demokratischen Gesellschaft.“ So will er die Finanzierung von Kindergärten genauso verbessern, wie die Versorgung von Schulen mit Lehrern.

Lange Zeit unterstützte Armin Laschet die Kohleförderung

Beim Thema Umweltschutz geriet Laschet bereits in Konflikt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Denn mit den von der Bundesregierung versprochenen Investitionen zum Kohleausstieg ging es ihm zu langsam voran. Für NRW sind sowohl Kohleabbau als auch Autoindustrie wichtige Industriezweige. Zum möglichen Verbot von Verbrennungsmotoren für 2030 sagte Armin Laschet, dass es an einem Zeitplan fehle. Einen festen Zeitplan für den Ausstieg aus Stein- und Braunkohle sieht er kritisch.

Armin Laschet prägte Konflikt im Hambacher Forst

Bis 2018 hat er auch den Ausbau der Braunkohleförderung in NRW unterstützt. Dabei griff Laschet in die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlegebiet ein. Der Wald war zuvor rund sieben Jahre lang von Aktivisten besetzt gewesen. Die Aktivisten wollten die Abholzung des mehrere tausend Jahre alten Waldes verhindern. Laschet ließ den Wald räumen, um den Braunkohleabbau zu unterstützen. Diese Entscheidung wurde in zwei Instanzen bestätigt. Erst in einem weiteren Verfahren stellte das Oberverwaltungsgericht Münster fest, dass die Rodung für die Energieversorgung nicht notwendig sei. Inzwischen unterstützt Laschet auch die Einführung einer CO2-Steuer. NRW soll vielmehr „vorangehen“ beim Kohleausstieg.

Katholischer Glaube spielt für Armin Laschet eine wichtige Rolle

Privat ist für Armin Laschet sein Glaube nach eigenen Angaben besonders wichtig. „Der katholische Glaube und die christlichen Werte haben in meiner Familie immer eine große Rolle gespielt“, sagt er über sich selbst. Bis 2016 war Laschet Mitglied des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“. Das Komitee koordiniert die Arbeit der Laien in der katholischen Kirche Deutschlands. Über seine Mitarbeit in der Gemeinde sei er auch zur Politik gekommen, erklärt Laschet. Dabei sei er dem Wunsch gefolgt, sich für eine bessere Welt einzusetzen.

Seine religiösen Ansichten fließen auch in die Politik von Armin Laschet ein. So sprach er sich stets gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe aus. Er sieht in der CDU eine Partei, deren „Markenkern“ nicht das Konservative, sondern das christliche Menschenbild ist. Dennoch setzt sich Laschet für einen Dialog zwischen Christen und Muslimen ein. Dem Tragen des Kopftuchs steht er allerdings kritisch gegenüber.

Armin Laschet lehnt Zusammenarbeit mit der AfD ab

Ebenfalls kritisch sieht Laschet die AfD. Mehrfach hat er sich gegen eine Zusammenarbeit mit der Partei ausgesprochen. Für eine schwarz-grüne Koalition im Bund könnte Armin Laschet sich dagegen aufgrund seiner teils liberalen Ansichten zur Integration eignen. Welche Bedeutung dabei Laschets lange Zeit vorherrschende Einstellung zur Kohleförderung hat, bleibt abzuwarten. (Von Marcel Richters)

Die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen haben begonnen. Bei der Auszählung der Stimmen wird sich nach der Wahl in NRW zeigen, wie hoch Armin Laschet und die CDU in der Wählergunst stehen.

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