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Waffenkäufer unter sich: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und Ägyptens Staatschef Abdel Fattah el-Sisi (r.).

Waffenmesse

Armes Volk, reiche Generäle

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Ägypten gehört zu den größten Rüstungskäufern weltweit ? jetzt organisiert es seine erste internationale Waffenmesse.

Fünf Jahre ist der Ex-Feldmarschall schon an der Macht. Nun möchte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi demonstrieren, dass er und seine Generäle im globalen Waffengeschäft ganz oben mitmischen. Erstmals in der Geschichte des Landes organisiert das Regime eine internationale Rüstungsmesse, angepriesen als die größte auf nordafrikanischem Boden. Der Diktator persönlich eröffnet an diesem Montag die dreitägige „Egyptian Defense Expo“ (Edex) in dem nagelneuen „Internationalen Messezentrum“, einem 40 000-Quadratmeter-Hallenkomplex vor den Toren der Nilmetropole.

373 Aussteller aus 41 Nationen haben sich angesagt zu diesem Debüt, um ihre Kriegsmaschinen zu präsentieren. Und das in einem Land, in dem über die Hälfte der 95 Millionen Bewohner in bitterer Armut lebt. 60 000 politische Gefangene sitzen hinter Gittern, jeder politische Widerspruch wird von Sisis Sicherheitsapparat skrupellos unterdrückt. Unter den 20 deutschen Anbietern mit dabei sind Rheinmetall Defence, ThyssenKrupp Marine Systems und Diehl Defense. Spitzenreiter USA reist mit 39 Firmen an, gefolgt von Frankreich, Großbritannien, China, Deutschland und Russland. Mehr als 10 000 Fachbesucher verspricht die von der britischen PR-Agentur Clarion Events organisierte Edex-Website, die mit einem Kampfhubschrauber vor den Pyramiden als Logo wirbt.

In der arabischen Welt, in der nur fünf Prozent der Menschheit lebt, aber 32 Prozent aller Waffen gekauft werden, fanden solche opulenten Kriegsbasare bisher nur in den Golfstaaten statt. Doch seit Sisi an der Macht ist, strebt Ägypten in den Kreis der Premiumkunden für Rüstungsgüter. Seine Waffenrechnung stieg zwischen 2013 und 2017 im Vergleich zum Jahr davor um 215 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar pro Jahr, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri ermittelte. Im Nahen Osten avancierte Kairo damit zum zweitgrößten Waffenkäufer nach Riad und liegt weltweit nach Indien und Saudi-Arabien auf Platz drei. 

Sehr viel internationale Hilfe

Anders als in den superreichen Ölmonarchien bezahlen am Nil vor allem die kleine Leute die exorbitante Zeche ihrer Generäle. Denn Ägypten droht mittlerweile an seinen Devisenschulden zu ersticken. Allein im laufenden Haushaltsjahr 2018/2019 muss die Sisi-Führung 30 Milliarden Dollar an Zinsen und Tilgung aufbringen, was 38 Prozent der Budgetmittel verschlingt. „Der Schuldendienst ist ein großes Problem“, räumte kürzlich erstmals auch Finanzminister Mohammed Maait ein.

Gleichzeitig stoßen die Einkaufslisten des Regimes bei Fachleuten auf Kopfschütteln. „Militärische Notwendigkeiten erklären diesen erheblichen Anstieg nicht“, urteilt der geopolitische US-Informationsdienst Stratfor. Für den Sinaikrieg gegen den „Islamischen Staat“ sind die beiden Mistral-Hubschrauberträger aus Frankreich oder die vier U-Boote, die bis 2021 für zwei Milliarden Euro aus Deutschland kommen, ungeeignet. Das Gleiche gilt für die 24 französischen Rafale-Jäger. Auch die modernsten Abrams-M1-Panzer werden lediglich für Militärparaden geputzt, während auf dem Sinai nur älteres Gerät zum Einsatz kommt. Experten des Pentagons beklagen schon lange, dass Ägyptens Generäle lieber protziges Großgerät wie Panzer, Überschalljets und Kampfhubschrauber für ihre Kasernen im Niltal bestellen als beispielsweise dringend nötige elektronische Aufklärungstechnik gegen die Jihadisten auf der zerklüfteten Halbinsel.

Umgekehrt ist der neue Rekordwaffenkäufer vom Nil weltweit der größte Empfänger von internationaler Hilfe, noch vor Afghanistan. Keine Nation der Erde bekommt aus Europa, Amerika und Asien jedes Jahr mehr Milliarden zugeschustert. Trotzdem werden die Lebensbedingungen der breiten Bevölkerung immer miserabler, weil der Löwenanteil der Auslandshilfen in dubiosen Uniformtaschen versickert. „Die Pflicht zu grundlegender Transparenz sowie zu unabhängiger, öffentlicher Aufsicht über die Militärausgaben sollte zur Vorbedingung gemacht werden für weitere internationale Unterstützung“, forderte Transparency International in einer Studie über die ägyptische Armee und spricht von einem „kleptokratischen System“. Als Hisham Geneina, bis 2016 Chef des Rechnungshofs, den Schaden durch Korruption seit Sisis Amtsantritt auf mindestens 17 Milliarden Dollar pro Jahr bezifferte, wurde er auf der Stelle aus dem Amt gejagt. Im April verurteilte ihn ein Militärgericht zu fünf Jahren Haft wegen „Verbreitung von Nachrichten, die der Armee schaden“.

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