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Chinas Premier Wen Jiabao (rechts) wird mit einer Plakette des Nahrungs- und Agrarsektors der Vereinten Nationen ausgezeichnet.
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Chinas Premier Wen Jiabao (rechts) wird mit einer Plakette des Nahrungs- und Agrarsektors der Vereinten Nationen ausgezeichnet.

China

Armer Opa mit reichen Verwandten

  • VonBernhard Bartsch
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Die Familie von Premier Wen, Chinas populärstem Politiker, soll ein Milliardenvermögen angehäuft haben

„Jeder Kader heißt Bo“, titelte kürzlich das Hongkonger Politikmagazin Sun. Bo – das ist Bo Xilai, einstiger Parteichef der westchinesischen Metropole Chongqing, dessen Frau einen britischen Geschäftsmann ermordete und der selbst wegen Bereicherung und Amtsmissbrauchs angeklagt ist. Der beispiellose Absturz des einstigen Politstars hat die Vorbereitungen für den in zwei Wochen beginnenden Parteitag, bei dem Chinas Kommunisten eine neue Führungsgeneration ins Amt heben wollen, in schwere Turbulenzen gestürzt.

Doch Peking versucht das Verfahren zu nutzen, um sein Engagement in Sachen Korruptionsbekämpfung zu demonstrieren. Am Freitag wurde Bo seine letzte offizielle Position entzogen, die Mitgliedschaft im Nationalen Volkskongress, Chinas Parlament. Damit verliert der 63-Jährige seine Immunität und kann vor Gericht gestellt werden, wo ihm die Todesstrafe droht.

Müll und Diamanten

Die Partei stellt Bos Vergehen als Einzelfall dar, doch schon die Tatsache, dass sich der Slogan „Jeder Kader heißt Bo“ im chinesischen Internet inzwischen zehntausendfach verbreitet hat, zeigt, dass viele Chinesen anders denken. Bestätigt fühlen dürfen sie sich durch Recherchen der Zeitung New York Times, denen zufolge auch die Familie von Premier Wen Jiabao, Chinas populärstem Politiker, ein Milliardenvermögen besitzen soll. Mindestens 2,7?Milliarden Dollar habe der Klan angehäuft, berichtet das Blatt, das meiste davon nach Wens Aufstieg zum Vizepremier 1998 und fünf Jahre später zum Premier.

Peking reagiert auf die Enthüllung erbost, zumal es nicht das erste Mal ist, dass ein chinesischer Spitzenpolitiker von der westlichen Presse als Großverdiener geoutet wird. Im Juni hatte die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, auch die Familie des designierten neuen Staatschefs Xi Jinping besitze Hunderte Millionen Dollar.

Der Bericht über Wen ist für die chinesische Führung besonders kritisch, denn der 70-Jährige galt vielen als der ehrlichste und bescheidenste unter Chinas Spitzenkadern. „Opa Wen“, wie der Premier in den Staatsmedien liebevoll genannt wird, hat keine Gelegenheit ausgelassen, um von seiner Herkunft aus ärmsten Verhältnissen zu erzählen. Inspektions- reisen absolvierte er in abgetragenen Schuhen und Mänteln.

Dabei hätte er sich durchaus neue Kleidung leisten können. Der New York Times zufolge sollen Verwandte und Freunde des Premiers im Jahr 2007 am halbstaatlichen Versicherungskonzern Ping An Anteile im Wert von 2,2 Milliarden Dollar besessen haben, das sei den Pflichtveröffentlichungen des Finanzkonzerns zu entnehmen. Die Entscheidung für die Teilprivatisierung von Ping An fällte Wens Kabinett. Allein Wens 90-jährige Mutter soll Ping-An-Aktien für 120?Millionen Dollar besitzen.

Leben im Luxus

Wens Ehefrau Zhang Beili wiederum ist eine der Strippenzieherinnen im chinesischen Diamantengeschäft. Als Mitarbeiterin im Ministerium für Geologie und später als Geschäftsführerin des Staatsbetriebes für Mineralien und Edelsteine soll sie Freunden und Familienmitgliedern, darunter ihrem Bruder, lukrative Lizenzen zugespielt haben. Sich selbst soll sie 2007 bei einer Schmuckmesse im Vorbeigehen ein Paar Jadeohrringe für 275?000 Dollar gekauft haben, berichteten damals Medien in Taiwan.

Außerdem besitzt die Familie Wen laut der Zeitung eine Villensiedlung in Peking und eine Reifenfabrik in Nordchina. Über eine Baufirma habe der Clan auch am Bau der Sportanlagen für die Olympischen Spiele von 2008 mitverdient. Wens jüngerer Bruder Wen Jianhong kontrolliere ein Firmenkonglomerat mit einem Wert von 200 Millionen Dollar. Allein über eine Müllfirma soll er staatliche Aufträge und Subventionen in Höhe von 30?Millionen Dollar erhalten haben.

Inwieweit Wen persönlich für sein Umfeld aktiv geworden ist oder ob seine Verwandten seine Position ohne sein Zutun ausnutzten, ist im Detail nicht nachvollziehbar. Allerdings soll Wen nach Informationen von Parteiinsidern gelegentlich über die Bereicherung seiner Familie geklagt haben. Obwohl Chinas Zensoren die Internetseite der New York Times umgehend sperrten, verbreitet sich die Meldung in Mikroblogforen munter weiter. Dass in dem Zusammenhang auch immer wieder die Verbindung zu Bo Xilai hergestellt wird, dürfte für Wen besonders schmerzhaft sein. Die beiden Politiker gelten seit Jahrzehnten als verfeindet. Den Namen Bo will Wen nun wirklich nicht tragen.

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