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 Nikol Paschinjan, Armeniens Premier, wird für den Waffenstillstand hart kritisiert.
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Nikol Paschinjan, Armeniens Premier, wird für den Waffenstillstand hart kritisiert.

Armenien

Armeniens Volksheld von einst

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Nikol Paschinjan bleibt Armeniens Premierminister – trotz des verlorenen Krieges gegen Aserbaidschan.

Er habe eine sechsmonatige Roadmap zur Stabilisierung der Lage veröffentlicht: Nikol Paschinjan gab sich am Mittwoch eher technokratisch. Es gelte, die politische Situation, die Sicherheitslage und die Wirtschaft zu stabilisieren. „Danach können wir mit unserer Gesellschaft, dem Volk, den politischen Kräften über weitere Schritte beraten.“

Der armenische Premierminister kam 2018 als Charismatiker an die Macht, vorher war halb Eriwan für ihn auf die Straße gegangen. Jetzt aber wehrt er sich gegen die Neuwahlen, die die Opposition fordert. Kein Wunder: Paschinjan gilt in Armenien als der Mann, der den Krieg gegen Aserbaidschan verloren hat. Wenn es dem 45-Jährigen gelingt, sein Amt zu retten, dann auch, weil niemand ihm Konkurrenz macht und die Rolle des Besiegten spielen möchte.

Paschinjan hatte am 10. November das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, das große Gebietsverluste für die armenische Rebellenrepublik Berg-Karabach besiegelte. Seitdem gehen die Leute auf die Straße, er wurde als Verräter beschimpft. „Paschinjan wird von Kräften gesteuert, die ihn eigens an die Macht gebracht haben, damit er die Karabach-Frage im Sinne Aserbaidschans und der Türkei löst“, sagt der ehemalige Sicherheitsminister David Schachnasarjan.

Tatsächlich feuerte Paschinjan im Krieg Volk und Armee mit Pathos an: „Karabach ist vorderste Front im Kampf gegen den Terror“, schrieb Paschinjan auf Facebook. „Hier entscheidet sich ohne Übertreibung das Schicksal der Zivilisation. Die Zivilisation muss siegen.“

Fachleute werfen ihm vor, er habe die Kriegslage nicht nüchtern analysiert. „Aber real fehlten Paschinjan die wirtschaftlichen und militärischen Reserven, um die Streitkräfte Aserbaidschans in Berg-Karabach aufhalten zu können“, sagt der Moskauer Politologe Aschdar Kurtow der FR. Jetzt forderten viele, Paschinjan abzusetzen und als Verräter vor Gericht zu stellen. „Das bedeutete aber automatisch, dass man den von ihm unterzeichneten Waffenstillstand für nichtig erklärt.“ Was schon aufgrund der Anwesenheit russischer Friedenstruppen physisch nicht mehr möglich sei.

Paschinjan bleibt im Amt – aber als Verkörperung der Niederlage. Als er auf Facebook die Streitkräfte an der Front aufrief, nach Eriwan zu kommen und die oppositionellen Demonstrierenden auseinanderzujagen, verlor er sein Gesicht auch bei vielen seiner Fans.

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