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Peter Wahl gehört dem Vorstand der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisation Weed an. Er ist einer der Gründer von Attac Deutschland und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.
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Peter Wahl gehört dem Vorstand der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisation Weed an. Er ist einer der Gründer von Attac Deutschland und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.

Attac-Mitgründer Wahl

Die Armen zahlen die Zeche

Die Nahrungsmittelpreisblase drückt etwa 120 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze, schätzt die Weltbank. Aber es gibt auch Profiteure. Von Peter Wahl

Von PETER WAHL

Im Januar 2008 kostete eine Tasse Reis in Haiti 30 Cent. Im Juli das Doppelte. Mehr als die Hälfte der Haitianer muss mit weniger als einem Dollar pro Tag überleben. Da ist eine Preiserhöhung auf 60 Cent eine existentielle Bedrohung.

Begonnen hatte der rasante Anstieg der Preise für Nahrungsmittel Ende 2007. Der Preisindex der Welternährungsorganisation ging um 70 Prozent nach oben, bei Reis und Getreide sogar um über 120 Prozent.

Die gängigen Erklärungen lauteten: stagnierende landwirtschaftliche Produktivität, Verdrängung von Nahrungsmittel- durch Biotreibstoffproduktion, gestiegene Nachfrage in Schwellenländern. So würden die Chinesen neuerdings auch Yoghurt essen.

Im August stürzten die Preise wieder ab und sind heute auf dem Niveau von 2006. So schnell konnten die Chinesen nicht mit dem Yoghurt aufgehört haben, noch war der Anbau von Biotreibstoff reduziert worden, geschweige denn, dass die landwirtschaftliche Produktivität gestiegen wäre. Tatsächlich hatten wir es mit einer klassischen Spekulationsblase zu tun.

Was war geschehen? Im zweiten Halbjahr 2007 war die Subprime-Krise in eine Kreditkrise übergegangen. Die Spekulation im Finanzsektor wurde schwerer, daher suchten Hedgefonds und andere Institutionelle Investoren nach neuen Märkten. Sie warfen sich auf Rohstoffe, darunter Nahrungsmittel.

So stieg etwa an der Rohstoffbörse in Chicago der Umfang des Handels mit Futures von Oktober 2007 bis März 2008 um 65 Prozent.

Der Preisanstieg an den Börsen zog wiederum einen Auftrieb der Spotmarktpreise nach sich. Großhändler kauften auf Vorrat, um weiteren Preiserhöhungen zuvorzukommen. Zum anderen haben Anbieter in der Erwartung höherer Preise mit dem Verkauf gewartet und so die Nachfrage nach oben getrieben.

Hinzu kommt, dass die Preise nicht nur direkt durch Nahrungsmittelspekulation nach oben bugsierte wurden, sondern auch indirekt über den Ölpreis, für dessen Anstieg ein hoher spekulativer Anteil verantwortlich ist.

Mit der Verschärfung der Finanzkrise wurde den Investoren aber auch bei der Rohstoffspekulation der Boden zu heiß. Sie flüchteten in den sicheren Hafen der US-Staatsanleihen und die Blase platzte. Nach Schätzungen der Weltbank hat die Nahrungsmittelpreisblase 120 Millionen Menschen wieder unter die absolute Armutsgrenze gedrückt.

Aber es gibt auch Profiteure. So konnte man sich im vorigen Frühjahr in Frankfurter Bäckereien seine Brötchen in Tüten mit folgender Reklame einpacken lassen: "Freuen Sie sich über steigende Preise?

Alle Welt spricht über Rohstoffe - mit dem Agriculture Euro Fonds haben Sie die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren." Das Angebot stammt von der Deutschen Bank, die damit Kunden für die spekulativen Geschäfte eines ihrer Fonds gewinnen wollte.

Hinter einer solchen können sich also durchaus "Geschäftsmodelle" verbergen, die eine direkte existentielle Bedrohung für Millionen von Menschen sind.

Inzwischen ist die Krise globalisiert. Obwohl sie am System des Kasinokapitalismus nicht beteiligt waren, müssen jetzt auch die Schwellen- und Entwicklungsländer die Zeche mitbezahlen.

Die Nachfrage aus den krisengeschüttelten Industrieländern geht zurück, die Börsenkurse in den Schwellenländern sind 2008 um 40 Prozent gesunken, einige mussten ihre Währungen abwerten, und mittelfristig droht wieder eine Schuldenkrise.

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