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Trauern um die Toten: Besucherin auf einem Friedhof in der Hauptstadt Madrid.  

Spanien

Armee findet Tote in Heimen

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Das Gesundheitssystem in Spanien ist heillos überfordert.

Die Zahlen vom Dienstag: 2696 Tote. 2626 Patienten auf der Intensivstation. Die Zahl der Intensivpatienten wächst jeden Tag, ohne dass eine Tendenz zum Besseren oder zum noch Schlimmeren erkennbar wäre. Die Zahl der Toten wächst seit Sonntag mit täglich leicht abnehmender Rate: Am Samstag war sie im Vergleich zum Vortag um gut 32 Prozent gestiegen, an diesem Dienstag um 23,5 Prozent. Die Kurve beginnt abzuflachen. Ein schmaler Lichtstreif.

Am Montag berichtete die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles, dass die Militärische Notfalleinheit (UME) der Armee 74 Altenheime im ganzen Land aufgesucht habe und in einigen Fällen „absolut verlassene, wenn nicht tot in ihren Betten liegende Alte“ gefunden habe. Die UME, die sonst bei Naturkatastrophen aktiv wird, sollte die Heime desinfizieren. Seit Tagen kommen Meldungen von massenhaften Todesfällen aus einer immer länger werdenden Reihe von Altenheimen. Im Heim Montehermoso in Madrid starben bisher 18 Bewohner, 75 weitere steckten sich an. Das Personal ist hier und überall überfordert. Viele der Pflegerinnen und Pfleger haben sich selbst angesteckt, andere sollen aus Sorge vor Ansteckung geflohen sein, der Rest arbeitet bis zur völligen Erschöpfung.

Vier Tage durchgearbeitet

Die Netzzeitung „El Confidencial“ berichtet von einer Altenpflegerin in Villanueva del Pardillo im Umland von Madrid, die am Dienstagmorgen vergangener Woche ihre Arbeit antrat und erst am Freitagnachmittag wieder nach Hause ging.

In Madrid wurde am gestrigen Dienstag der Palacio de Hielo – der Eispalast – zur Leichenhalle umfunktioniert. Der Palast ist ein Einkaufs- und Freizeitzentrum mit einer Eisbahn. Die Bestattungsinstitute und Krematorien der Hauptstadt kommen nicht mehr mit. Ein Handyvideo vom Freitagabend zeigt einen Flur der Notaufnahme des Madrider Krankenhauses „Infanta Leonor“, in dem etliche Patienten auf Laken auf dem Fußboden liegen. Das regionale Madrider Gesundheitsministerium bestätigt, dass es am Freitagabend „punktuell“ einen großen Zustrom an Patienten in diesem Krankenhaus gegeben habe. Mittlerweile, nach der Eröffnung des Notfalllazaretts für bis zu 5500 Patienten in den Madrider Messehallen, sei die Lage dort etwas entspannter.

Bis zum Dienstag haben sich rund 5400 Ärzte und Pfleger mit dem Coronavirus angesteckt, ein Drittel mehr als am Vortag. Nicht nur Betten, Beatmungsgeräte und Gesichtsmasken werden knapp, sondern auch Menschen, die sich um die Kranken kümmern können. Wer sich die Kurven der Coronavirus-Todesfälle im Vergleich anschaut, kommt zu dem Schluss, dass die Entwicklung in Spanien sogar noch dramatischer ist als in Italien, wo die Krise etwas früher begann und die Gesamtzahlen deswegen höher sind.

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