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Fjord in Grönland. Die Arktis ist eine Region, die sich durch den Klimawandel besonders schnell erwärmt.

Bodenschätze

Der arktische Friede schmilzt dahin

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Die Region um den Nordpol ist reich an Rohstoffen. Je weiter das Eis zurückgeht, desto schärfer werden die Konflikte um Bodenschätze.

Citronen-Fjord“ klingt nach karibischer Wärme, hat aber mit der Karibik nichts zu tun. Der Fjord liegt an der Nordspitze Grönlands am Rande des Eisschilds und erhielt seinen Namen von einem dänischen Widerstandskämpfer gegen die deutsche Okkupation im Zweiten Weltkrieg. Er führte den Decknamen „Citronen“. Am Citronen-Fjord plant das australische Unternehmen Ironbark seit Jahren den Bau einer Zink-Blei-Mine. Das Gebiet gilt weltweit als eine der größten noch nicht erschlossenen Lagerstätten. Das Projekt ist weit fortgeschritten, aber noch hat die Förderung nicht begonnen.

Grönland ist bekannt für seinen Rohstoffreichtum – und unter anderem wegen des Citronen-Fjords ein Beispiel für das Potenzial der Arktis. Die Regierung des zu Dänemark gehörenden, aber autonomen Gebiets ist offen für Investitionen, auch von US-Unternehmen.

Zwar ist die 2,1 Millionen Quadratkilometer große Insel überwiegend von einem - schrumpfenden – Eisschild bedeckt, aber mehr als 400 000 Quadratkilometer entlang der Küste sind eisfrei. Zwei Minen sind in Grönland in Betrieb, es gibt aber auch mehrere fortgeschrittene Entwicklungsprojekte für interessante Rohstoffe wie Molybdän, Tantal, Zirkon und Seltene Erden.

Auch Nordkanada, Sibirien, Alaska und Nordskandinavien sind reich an Rohstoffen. Dazu zählen Vorkommen von Nickel oder Platin in der Region Norilsk und auf der Kola-Halbinsel Russlands, die Red-Dog-Mine in Alaska mit Zink, Blei und Silber, die Diamantenminen in Kanadas Norden und das Eisenerzprojekt Mary River auf der kanadischen Baffin-Insel.

Die nordschwedische Region Kiruna und Nordnorwegen sind bereits seit dem 17. und frühen 18. Jahrhundert für ihre Eisenerz- und Kupfervorkommen bekannt; sie tragen heute zur Rohstoffversorgung Europas bei. Das Prudhoe-Bay-Ölfeld vor der Küste Alaskas in der Beaufort-See ist eines der größten Nordamerikas, Russland hatte bereits 1972 begonnen, in Sibirien Öl zu fördern. Öl und Gas in der Norwegischen See machten Norwegen zu einem reichen Land.

Die Arktis kann „zur Energie- und Rohstoffsicherheit auch in Deutschland und der EU beitragen“, stellte die Bundesregierung in ihren Leitlinien deutscher Arktispolitik 2013 fest. Aber der Abbau ist teuer und mit erheblichen Umweltrisiken verbunden. Daher warnt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) vor allzu hoch gesteckten Erwartungen.

Gleichwohl wird die Arktis von vielen pauschal als Rohstofflager gesehen, das man nur anzapfen muss. Der Geologische Dienst der USA hatte 2008 eine Studie veröffentlicht, wonach rund 22 Prozent der noch unentdeckten, technisch förderbaren Öl- und Gasressourcen der Welt in der Arktis zu finden sind.

Über die acht Arktisstaaten USA, Kanada, Russland, Island, Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland hinaus, die sich 1996 im Arktisrat zusammengeschlossen haben, sind immer mehr Staaten an der Arktis interessiert und dort wirtschaftlich und wissenschaftlich aktiv. Der Rohstoffhunger der Welt erklärt, weshalb die Arktis ein Gebiet ist, in dem sich die geopolitischen Interessenlinien vieler Staaten kreuzen. Seit die Russen 2007 am Nordpol auf dem Meeresboden eine Flagge befestigten und das Gebiet symbolisch zu ihrem Territorium erklärten, ist vom Wettlauf zum Nordpol die Rede. Das ist ein irreführender Begriff, der den Eindruck erweckt, man müsse nur der Erste sein, um Anspruch auf gewaltige Teile der Arktis erheben zu können. Die Anrainer verfolgen dagegen einen geordneten rechtlichen Prozess vor den zuständigen UN-Gremien.

Russlands Flagge am Nordpol hat nichts daran geändert, dass der zentrale Arktische Ozean internationales Gewässer ist und bleibt. Es geht um Nutzungsrechte am Boden, nicht um Hoheitsrechte über das Meer. Vielleicht hat ja US-Präsident Donald Trump, der kürzlich auf sein Kaufangebot für Grönland weithin Kopfschütteln erntete, verstanden, dass die USA auf keinen Fall einen Anspruch auf den Meeresboden direkt am Nordpol geltend machen können. Nach der UN-Seerechtskonvention von 1982 dürfen das nur drei Länder wegen ihrer Nähe zum Nordpol und der Geologie des Meeresbodens – vor allem des Lomonosov-Bergrückens im Meer. Das sind Russland, Kanada und – Dänemark-Grönland.

Dänemark verfolgt seine potenziellen Nutzungsrechte am aggressivsten und hat Ansprüche erhoben, die weit über den Nordpol hinaus auf die russische Seite des Eismeers reichen.

Noch wichtiger sind gegenwärtig die Einflusszonen in der Arktis mit Blick auf die künftige Schifffahrt. Das Schwinden des Meereises öffnet den Arktischen Ozean für Schiffe, auch wenn das Meer weiterhin Eis führen und die Schifffahrt mit erheblichen Sicherheitsrisiken zu kämpfen haben wird.

Aber die Nordostpassage entlang der Küste Sibiriens und – mit Einschränkungen – die Nordwestpassage durch Nordkanada könnten wichtig werden, um den Seeweg von Europa oder Amerikas Ostküste nach Asien stark zu verkürzen. Sollte irgendwann als Folge mangelhaften Klimaschutzes der zentrale Arktische Ozean zumindest für einige Monate eisfrei oder passierbar sein, würde sogar eine Route direkt über den Nordpol interessant werden. Auch daran denken Strategen nicht nur in Arktisstaaten, sondern auch Länder wie China oder Südkorea.

Im Arktischen Rat pflegten die acht Arktisstaaten seit 1996 die Kooperation. In wenigen Gebieten der Welt haben zudem die indigenen Völker ein so weitreichendes Mitspracherecht wie in einigen Arktisländern. Die Ureinwohnervölker sitzen mit am Tisch des Arktisrats. Dazu gehören die Inuit Grönlands, die sich und ihr Land nicht zu einem Verkaufsobjekt degradieren lassen wollen, um Begehrlichkeiten des im Weißen Haus sitzenden Immobilienmagnaten zu befriedigen.

Bis in die jüngste Vergangenheit ist es gelungen, die Arktis weitgehend von Konflikten in anderen Weltregionen abzukoppeln. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit brachte Fortschritte im Umweltschutz, bei wirtschaftlicher Entwicklung, Sicherheitsstandards in der Schifffahrt, der Kooperation bei Unglücken und der Verbesserung des Lebensstandards der indigenen Völker.

Rauer wird das Klima jetzt unter anderem durch die Politik von Trump und seinem Außenminister Mike Pompeo. Im Mai endete das alle zwei Jahre stattfindende Außenministertreffen des Arktisrats erstmals ohne formale Abschlussdeklaration – wegen des Streits mit den USA über Klimaschutz.

Trumps Vorstoß für eine „feindliche Übernahme“ Grönlands ist ein Rohrkrepierer, das Nein Dänemarks war unmissverständlich. Aber er kann das Klima in der Arktis und im Arktisrat weiter belasten. Trump hat Dänemark, einen Partner in Nato und Arktisrat, vor den Kopf gestoßen. Für das Nordpolgebiet, jahrzehntelang als „Region der Kooperation“ gefeiert, lässt dies nichts Gutes erwarten.

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