Den „Ariern“ in Bad Segeberg auf der Spur.
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Den „Ariern“ in Bad Segeberg auf der Spur.

„Aryan Circle Germany“

Razzia gegen Rechtsextreme

  • vonJoachim F. Tornau
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Die Neonazi-Vereinigung „Aryan Circle Germany“ soll rassistische Gewalttaten geplant haben. Am Dienstag machten Spezialeinsatzkommandos bundesweit Hausbesuche bei den Rechten.

Erneut soll eine rechtsextreme Organisation in Deutschland rassistische Angriffe geplant haben: Am Dienstag wurden in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Hessen die Wohnungen von zwölf mutmaßlichen Mitgliedern der 2019 gegründeten Gruppierung „Aryan Circle Germany“ durchsucht.

Ermittelt wird wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Ziel des neonazistischen Zusammenschlusses soll es gewesen sein, „fremdenfeindlich motivierte Körperverletzungen und Sachbeschädigungen sowie Straftaten nach dem Waffengesetz zu begehen“, wie eine Sprecherin der federführenden Staatsanwaltschaft in Flensburg erklärte. Konkrete Anschlagspläne habe es aber wohl noch keine gegeben.

Hinter „Aryan Circle Germany“ steckt der mehrfach vorbestrafte Neonazi Bernd Tödter, Gründer und selbst ernannter Präsident der gewaltbereiten Kameradschaft „Sturm 18“, die lange Zeit in Kassel Angst und Schrecken verbreitet hatte und 2015 verboten wurde.

„Rote Kategorie“

14 Soldaten und Beschäftigte der Bundeswehr hat der Militärische Abschirmdienst (MAD) im vergangenen Jahr als Extremisten eingestuft, darunter acht als Rechtsextremisten. Das geht aus dem ersten Jahresbericht des Militärgeheimdienstes hervor, der dem Bundestag gerade übermittelt wurde.

Auch vier Islamisten und zwei sogenannte Reichsbürger/Selbstverwalter wurden dieser „roten Kategorie“ durch den MAD zugeordnet. Ihnen allen gemein ist, dass sie Staat und Gesetze nicht anerkennen.

38 Militärangehörige landeten wegen ihrer fehlenden Verfassungstreue in der „Kategorie Orange“. Die Zahl der Verdachtsfälle stieg an. In dem Bericht wird auf neue Taktiken des MAD und ein verstärktes Sensorium bei der Suche nach Extremisten verwiesen. dpa

Nach seiner jüngsten Haftentlassung im vergangenen Jahr war der 45-Jährige in seine Geburtsstadt Bad Segeberg in Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Dort begann er fast umgehend mit dem Aufbau einer neuen Organisation, die er „Aryan Circle Germany“ nannte und die bereits nach kurzer Zeit durch Angriffe auf Nazi-Gegner in der Region auffiel. Der Gruppierung, mit deren Benennung sich Tödter auf ein rechtskriminelles Netzwerk gleichen Namens in den USA bezieht, gehören aber auch Rechtsextreme aus anderen Teilen Deutschlands an.

Laut Recherchen der antifaschistischen Rechercheplattform Exif bewarb der Neonazi-Führer die Neugründung ausdrücklich als eine Fortsetzung von „Sturm 18“: „Wie ein Phönix aus der Asche sind wir auferstanden“, soll er in einer Nachricht an alte Gefolgsleute geschrieben haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb auch wegen des Verdachts der Fortführung einer verbotenen Vereinigung. Bei den Razzien wurden nach Angaben der Behörde neben einzelnen Waffen und Drogen vor allem Datenträger und Telefone sichergestellt. Festgenommen wurde niemand.

Schwerpunkt der Durchsuchungen war der Raum Bad Segeberg/Lübeck. Doch auch im hessischen Weilburg und im südniedersächsischen Staufenberg, nicht weit entfernt von Kassel gelegen, bekamen mutmaßliche „Aryan Circle“-Mitglieder morgendlichen Besuch von der Polizei.

Anders als etwa die kürzlich von der Polizei ausgehobene rechtsterroristische „Gruppe S.“, die Anschläge auf Moscheen und Politiker geplant haben soll, ist „Aryan Circle Germany“ keine konspirative Geheimorganisation. Wie schon bei „Sturm 18“ tragen viele ihrer Mitglieder T-Shirts mit dem Logo der Gruppierung und bekennen sich im Internet freimütig zu ihrer braunen Weltsicht.

In einem Brandbrief an Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) prangert ein Elitesoldat der KSK rechtsextreme Einstellungen und weitere Missstände innerhalb der Bundeswehreinheit an.

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