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Wolfram Weiner, Ulrike Herrmann, Ulrich Wickert mit Sandra Maischberger.
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Wolfram Weiner, Ulrike Herrmann, Ulrich Wickert mit Sandra Maischberger.

Talkrunde zum Triell

ARD-Talk mit Maischberger: „Lügner“ Laschet und Olaf Scholz als lachender Dritter

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    VonRolf-Ruediger Hamacher
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Sandra Maischberger beschäftigt sich in ihrer ARD-Talkshow bei Maischberger noch einmal mit dem zweiten „Triell“ der Bundeskanzlerkandidat:innen.

Berlin - Ulrike Herrmann geht bei Maischberger in der ARD gleich in die Vollen, spricht Armin Laschet jede Eignung als Kanzler ab, weil er, „im Gegensatz zu Merkel, nicht Krise kann: siehe Flutkatastrophe.“ Und versteigt sich sogar dazu, ihn einen Lügner zu nennen, weil er in TV-Interviews schon öfters die Unwahrheit gesagt hat. Auch weil die Union Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 gegen die eigene Basis macht, dümpelt sie bei 20 Prozent herum, analysiert sie. Und selbst, wenn die CDU noch in letzter Sekunde an der SPD vorbeiziehen sollte, würde die Partei Laschet schon bald absägen: „Nach einem Jahr ist er wieder weg!“

Annalena Baerbock sieht sie dagegen als Gewinnerin des zweiten Triells und der Woche. Weimer lobt zwar auch Baerbocks Auftritt, sieht aber keinen Aufschwung bei den Umfragewerten: „Die haben sich von anfangs 28 Prozent mittlerweile fast halbiert“. Und das, obwohl selbst Siemens Ex-Chef Kaeser für Baerbock die Werbetrommel rührt. Ulrich Wickert ist empört über die CSU, die in Bayern Laschet-Plakate mit denen ihrer eigenen BundestagskandidatInnen überklebt und sieht Olaf Scholz als lachenden Dritten, weil kleineres Übel: „Im Grunde sind die Deutschen mit allen Kandidaten unzufrieden.“

ARD-Talk mit Maischberger: FDP und AfD mit gewissen Übereinstimmungen

Die Bilanz der ersten Diskussionsrunde ist ernüchternd : „Das gabs noch nie, dass so kurz vor der Wahl 40 Prozent der Wähler noch unentschieden sind“, bedauert Weimer. Und man ist sich unisono sicher, dass es passieren kann, dass jemand mit weniger als 20 Prozent der Stimmen ins Kanzleramt einzieht.

Das Wahlduell beginnt mit einer Gemeinsamkeit: Der Malermeister Tino Chrupalla (AfD) und der Anwalt Marco Buschmann (FDP) sind sich einig, dass zu wenige Handwerker und zuviel Juristen im Bundestag sitzen. Ansonsten fällt man sich gerne ins Wort, offenbart auf Nachfrage der Moderatorin aber doch gewisse Übereinstimmungen: Beide wollen kein „Tempolimit“, die Amtszeit für Kanzler auf acht Jahre begrenzen. begrenzen, das Renteneintrittsalter flexibel gestalten, Post und Telekom privatisieren, Hartz IV reformieren (AfD), bzw. ein „liberales Bürgergeld“ (FDP) einführen. Beide sprechen sich für ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare aus.

ARD-Talk mit Maischberger: AfD bleibt Antworten schuldig

Beim Pariser Klimaschutzabkommen und dem Euro herrscht dann allerdings Uneinigkeit: Die AfD will aus beidem raus! „Wahnsinn“ nennt das Buschmann. Und natürlich bei der Migrationspolitik: Buschmann plädiert für 500.000 Fachkräfte-Zuwanderer pro Jahr: „Nach der Finanzkrise kamen gut ausgebildete Ausländer Und haben geholfen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.“.

Die Gäste
Ulrich WickertAutor und ehemaliger ARD-Moderator
Ulrike HerrmannJournalistin
Wolfram WeimerPublizist und Verleger (The European“)
Marco BuschmannParlamentarischer Geschäftsführer der FDP
Tino ChrupallaBundessprecher der AfD

Chrupalla dagegen will die Probleme mit mehr Schulabschlüssen und Weiterbildung lösen. Wie er das damit aufholen will, darauf bleibt er die Antwort schuldig - und Maischberger läßt ihn damit davonkommen. Auch seiner Einordnung der „Querdenker“ als freiheitsliebende Demonstranten und der 2G-Regelung als Spaltpilz der Nation läßt sie mehr oder weniger im Raum stehen, hakt auch nicht wirklich nach, als er sich nicht deutlich von der unsäglichen Aussage seines Parteikollegen Höcke („Ungeimpfte sind Freiheitshelden“) distanziert.

ARD-Talk mit Maischberger: Munteres Gedichte zitieren

Als Maischberger die Scharmützel der beiden nicht so richtig in den Griff bekommt, weicht sie auf Nebenschauplätze aus und versucht Chrupalla mit seinem angeblichen Lieblingsgedicht aufs Glatteis zu locken. Tatsächlich kann der nur die ersten zwei Zeilen von Heinrich Heines „Nachtgedanken“ („Denke ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“) zitieren - dann herrscht beredtes Schweigen im Walde.

Buschmann rattert dagegen oberlehrerhaft Friedrich Halms Gedicht „Freiheit“ in voller Länge herunter, während Maischberger kleinlaut zugeben muss, dass auch sie bei Heine nicht über den ersten Vers hinauskommt. Nicht die einzige Peinlichkeit ihres Auftritts, bei dem sie auch wieder auf konkrete Nachfragen verzichtet und inhaltlich brisanten Gesprächen von vorneherein aus dem Weg geht.

Dieter Hallervorden kritisiert Umgang der Kulturpolitik mit der Corona-Krise

So wäre es doch spannend gewesen, Chrupalla mit ihrem Gast Dieter Hallervorden zu konfrontieren, der ihm gerne, wie er zugibt, mal konkret auf den Zahn gefühlt hätte. So erzählt Hallervorden launig von seinem ersten Wahlerlebnis in der DDR, als er von Vopos zum Wahllokal eskortiert wurde und Maischberger spielt einen ironischen TV-Wahlspot ein, den Hallervorden 1983 für die FDP gedreht hat.

Obwohl er nicht immer habe die FDP gewählt hat, werde er es diesmal aber mit beiden Stimmen tun. Er könne es einfach nicht ertragen, wenn die Linkspartei, die ihre Wurzeln in der DDR-Partei SED hat, „unter der ich so sehr zu leiden hatte“, mit ihren sechs Prozent in die Regierung käme. Aber auch am Umgang der Kulturpolitik mit der Corona-Krise lässt er kein gutes Haar, vermisst klare Aussagen der Verantwortlichen. „Ich bin Satiriker, ich kann gut kritisieren, aber ich kann es nicht besser machen.“ resümiert er ernüchtert seine diesbezüglichen Erfahrungen als Intendant des Berliner „Schloßtheaters“.

Erleichterungen für Geimpfte und Genesene oder doch Impfpflicht?

Zum Schluß versucht sich die Journalisten-Runde noch mal als Motivationshelfer für die Unentschlossenen. Ulrike Herrmann plädiert entschieden für Erleichterungen für die Geimpften und Genesenen: „Die 2G-Regelung wurde ja beschlossen, weil sich die Politik nicht traut, eine Impfpflicht einzuführen.“

Ulrich Wickert verweist darauf, dass es ja, zum Beispiel bei Masern, sehr wohl eine Impfpflicht hierzulande gäbe und verweist auf Frankreich, wo diese bei Covid für bestimmte Berufsgruppen gilt - und Macron es durch seinen persönlichen Einsatz in kürzester Zeit geschafft hat, 3 Millionen Franzosen zu motivieren, sich impfen zu lassen.

Nur der sich wie immer betont neokonservativ gebende Wolfram Weimer irrlichtet weiter in seinem unreflektierten „Impfpflicht-Imperium herum, will Ulrich Wickert seinen geliebten Rotwein vermiesen („Wenn Alkohol schädlich ist, muss man ihn auch verbieten“). Worauf Wickert trocken antwortet, dass er ja mit Rotwein keinen anstecken kann. Aber vielleicht könnte er es mit seinen klugen Gedanken mal bei Frau Maischberger versuchen, deren Moderations-Qualitäten jeglichen Biss vermissen lassen. (Rolf-Ruediger Hamacher)

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