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Der "verrückte Araber": US-General John Abizaid.

DAS PORTRÄT

Ein Fan der arabischen Welt

US-General John AbizaidJohn Abizaid, der Nachfolger von US-General Tommy Franks, hat mit seiner Beförderung vom Stellvertreter zum Chef des US-Zentralkommandos in Florida seinen vierten Generalstern erhalten. Es ist ein Karrieresprung der besonderen Art.

Von Jürgen Koar (Washington)

Sein Name hat einen fremden Klang, weil er der Enkel libanesischer Einwanderer ist. John Abizaid wuchs im US-Bundesstaat Kalifornien auf. Sein beruflicher Werdegang war bisher der eines erfolgreichen Offiziers. Er hat die Militärakademie in West Point im Staat New York absolviert. Er nahm 1983 am Krieg in Grenada teil, diente mit UN-Beobachtern in Libanon, war nach dem Golfkrieg von 1991 auf Friedensmission in Kurdistan im nördlichen Irak und befehligte später Truppen in Bosnien-Herzegowina und Kosovo.

Dass etwas Besonderes in ihm steckt, bewies Abizaid schon als West-Point-Kadett. Da verfasste er ein Balkanpapier, das die Fakultät als Lehrmaterial übernahm. "Er ist ein Krieger, der denken kann, ein kluger Kopf mit strategischer Vision", bescheinigt ihm ein pensionierter Generalleutnant, der damals die Akademie leitete. Abizaid schloss ein Nahoststudium an der renommierten Harvard Universität ab, er studierte in Jordanien. Seitdem spricht er fließend Arabisch.

Nach eigenem Bekenntnis liebt der General die arabische Welt, das hat ihm den Spitznamen "Mad Arab" (verrückter Araber) eingebracht. Wie sich jetzt zeigt, nicht zu seinem Nachteil. Auf seinem Posten als Oberkommandierender des US-Zentralkommandos ist er für 25 Staaten in Zentralasien, dem Nahen Osten und Afrika verantwortlich. Afghanistan und Irak fallen so in seinen Zuständigkeitsbereich.

Niemand sei besser qualifiziert als Abizaid, in Tommy Franks "große Fußstapfen" zu treten, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Hauptquartier des Zentralkommandos (Centcom) in Tampa, Florida, wo Abizaid Franks Nachfolge antrat. Dabei hatte der Pentagonchef eigentlich anderes mit ihm im Sinn. Er wollte ihn zum Generalstabschef des Heeres machen. Aber sein Wunschkandidat, inzwischen zum Franks-Vize aufgerückt, ließ Rumsfeld wissen, er wolle lieber Centcom leiten. Abizaid war auch als Kandidat für das Amt eines Militärverwalters in Irak im Gespräch.

Seine neue Aufgabe übernimmt er zu einem Zeitpunkt, da US-Soldaten in Irak zunehmend unter Beschuss geraten. Er versprach, mit aller Härte gegen den Feind vorzugehen. Die Kulturen der Region verdienten Respekt, sagte er, aber der Kampf gegen den Terrorismus sei "ein Krieg ohne Grenzen, ein Krieg, der den Einsatz unserer ganzen Macht verlangt".

Trotz seiner starken Worte zum Einstand: Der General gilt als eine gute Wahl. "An dieser Stelle einen Oberkommandierenden mit Kenntnis der und Sympathie für die arabische Welt zu haben, ist von unschätzbarem Wert", sagt Daniel Byman, Professor der Georgetown Universität in der US-Hauptstadt. Dass Abizaid im Irak-Krieg fast unsichtbar blieb, darin wollen manche den gezielten Versuch erkennen, seine Glaubwürdigkeit in der arabischen Welt für die Nachkriegszeit zu bewahren.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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