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Opfer eines Selbstmordanschlages von Huthis in Sanaa.

Bürgerkrieg im Jemen

Arabische Allianz greift im Jemen ein

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Der Bürgerkrieg im Jemen weitet sich zu einem internationalen Konflikt aus. Saudi-Arabien startet Luftangriffe auf Huthi-Stellungen, der Iran protestiert hingegen scharf gegen diese Intervention. Die USA sagt bereits seine Unterstützung zu.

Der schwelende Bürgerkrieg im Jemen weitet sich zum internationalen Konflikt aus. Unter dem Titel „Operation Entscheidungssturm“ haben Kampfflieger mehrerer arabischer Staaten in der Nacht zum Donnerstag mit Luftschlägen gegen Stellungen der Huthis begonnen. Getroffen wurden Militäreinrichtungen, aber auch Wohnhäuser in der Nähe des Flughafens von Sanaa. Das Kommando dieser ersten gemeinsamen militärischen Aktion der arabischen Staaten seit den Kriegen gegen Israel 1964 und 1973 liegt bei Saudi-Arabien.

Mit Ausnahme des Oman beteiligen sich alle Golfstaaten an dem Einsatz. Die Vereinigten Arabischen Emirate schicken 30, Kuwait und Bahrain je 15 und Karat zehn Kampfjets. Auch Marokko und Jordanien beteiligten sich mit Kampfflugzeugen, Ägypten schickte Kriegsschiffe in Richtung Jemen und mehrere Staaten wollen Soldaten zu einer Bodentruppe bereitstellen.

Ziel der Operation ist es, den endgültigen Sturz von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi zu verhindern. Im September hatten Kämpfer unter dem Kommando von Abdelmalik al-Huthi die Hauptstadt Sanaa eingenommen und im Januar Hadi abgesetzt. Im Februar floh Hadi nach Aden, doch dann rückten die Huthis auch auf Aden vor. Als am Mittwoch der Anad-Luftwaffenstützpunkt, gerade einmal 60 Kilometer von Aden entfernt, von den Rebellen eingenommen wurde, soll Hadi sich abgesetzt haben. Manche arabischen Medien berichten, er befinde sich auf einem Schiff vor der Küste des Jemen, andere behaupten, er sei in der Hafenstadt Mukallah. Der saudisch finanzierte TV-Sender Al-Arabija widersprach: Hadi sei nach wie vor in Aden und sei immer noch der legitime Präsident des Jemen.

Hadi ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens. Die Krise im Jemen wird von den Saudis als Bedrohung der eigenen Sicherheit gesehen – vor allem weil die Huthis als Verbündete des Iran gelten. Die Feindschaft zwischen Saudi-Arabien und dem Iran prägt nicht nur die Krise im Jemen, sondern spiegelt sich auch im Irak, in Syrien und im Libanon wider. Aus saudischer Sicht ist die Perspektive, dass der Jemen in Zukunft unter Kontrolle eines Verbündeten des Iran stehen könnte, nicht zu ertragen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Stärke und Schlagkraft der Huthis darauf beruht, dass sie sich im vergangenen Sommer mit dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh verbündet haben: Dieser wurde 2011 von einem Bündnis von Golfstaaten unter Führung Saudi-Arabiens zum Rücktritt gezwungen und hat seitdem eine Rechnung mit Riad offen.

Im Schatten des Konfliktes zwischen Hadi und den Huthis haben zudem radikal-islamische Gruppen wie Al-Kaida und der „Islamische Staat“ (IS) im Jemen an Einfluss gewonnen, und es ist absehbar, dass sie den Jemen für Angriffe auch auf Saudi-Arabien nutzen werden. Dies erklärt, weshalb Saudi-Arabien nun die Führung übernommen und nun eine arabische Allianz gegen die Huthis ins Leben gerufen hat. Aus einem Kontrollzentrum in Riad werden die Luftschläge koordiniert. Arabische Medien zeigten am Donnerstag ausführlich, wie sich der saudische Verteidigungsminister von der Armeeführung informieren ließ.

„Operation Entscheidungssturm“ könnte der Anfang einer neuen Zeit in der arabischen Welt werden. Bisher taten sich die Staaten schwer, sich zu einer gemeinsamen Haltung in den Konflikten der Region zusammenzufinden. Stets hatten sich nur einzelne Staaten an Militäraktionen beteiligt, die unter dem Kommando der USA oder der Nato standen. Die Krise in Syrien, die Bedrohung durch IS sowie die Lage in Libyen und nun im Jemen haben jedoch in der arabischen Welt den Ruf nach einer eigenen militärischen Eingreiftruppe laut werden lassen. Dieses Thema steht auch auf der Tagesordnung des Gipfels der Arabischen Liga, der am Samstag in Scharm el-Scheich beginnt.

Allerdings markiert die „Operation Entscheidungssturm“ auch eine weitere Eskalationsstufe im Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in der Region. Es steht zu befürchten, dass es den Beteiligten eben nicht nur darum geht, dem gewählten Präsidenten des Jemen beizuspringen. Handelt es sich doch um das Eingreifen einer Koalition sunnitischer Staaten gegen den lokalen Statthalter des Iran im Jemen. Die Reaktion aus Teheran kam entsprechend prompt. „Militärisches Eingreifen im Jemen wird die Situation dort zusätzlich verschärfen und die Bemühungen behindern, die Krise durch Verhandlungen zu lösen“, – so zitiert die offizielle iranische Agentur Fars die Sprecherin des iranischen Außenministeriums Marzieh Afkham.

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