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Appell für relevante Forschung

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Von: Pitt von Bebenburg

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Deutsche Gesellschaft für Psychologie protestiert bei Ministerin Stark-Watzinger gegen Kürzung in der Rassismus- und Rechtsextremismus-Forschung.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie hat Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) dazu aufgefordert, die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung „nicht etwa zu kürzen, sondern weiter auszubauen“. Das gelte „insbesondere dann, wenn diese Forschung drängende gesellschaftliche Themen betrifft“, heißt es in einem Offenen Brief der Fachleute. Die Ministerin möge „ihre Prioritätensetzung überdenken“.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler reagierten damit auf die Entscheidung des Ministeriums aus dieser Woche, zahlreichen Forschungsvorhaben die geplante Förderung zu streichen oder sie zu kürzen und zu verschieben. Betroffen sind unter anderem Projekte und Wissensnetzwerke in den Bereichen Klimawandel, Corona-Folgen, Rassismus und Rechtsextremismus.

Sie waren allesamt positiv begutachtet worden und wurden kurzfristig, teils zwei Tage vorm geplanten Start, ausgesetzt oder abgeblasen. Dabei hatte Stark-Watzinger den betroffenen Forscher:innen im Februar noch Druck gemacht, als sie sie aufforderte, innerhalb weniger Wochen „Vollanträge“ einzureichen. Das wird in der Wissenschaft normalerweise als Zusage für eine Förderung angesehen.

Neun Monate für nichts

„Wir waren sehr überrascht“, sagt der Psychologe Iniobong Essien von der Lüneburger Leuphana-Universität über die kurzfristige Absage eines Projekts, das er gemeinsam mit der Fernuniversität Hagen vorbereitet hatte. „Die Nichtbewilligung hat dramatische Konsequenzen. De facto werden damit neun Monate Arbeitszeit vernichtet“, sagt er. Die beiden Hochschulen hatten eine groß angelegte empirische Studie zu Rassismus geplant.

„Uns ist bewusst, dass die Zeiten herausfordernd sind und die Haushaltslage angespannt ist“, räumt die Deutsche Gesellschaft für Psychologie ein. Umso wichtiger wäre es aus ihrer Sicht gewesen, „ein starkes, deutliches, mutiges Zeichen zu setzen und zu verhindern, dass zeitgemäße, hochaktuelle, gesellschaftlich relevante, der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung dienende sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte trotz positiver Begutachtung gestoppt werden. Diese Chance ist vertan worden.“

Das halte die Organisation „nicht nur für falsch, sondern für eine Gefährdung unserer demokratischen Gesellschaft. Die Vorurteils-, Rassismus- und Rechtsextremismusforschung müsse deutlich gestärkt werden. Dazu müsse Ministerin Stark-Watzinger das tun, was sie selbst angekündigt habe: die Forschungsfelder langfristig stärken und die Förderung dieser Bereiche erhöhen.

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