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Ein IS-Anhänger (Symbolfoto von Juni 2014).
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Ein IS-Anhänger (Symbolfoto von Juni 2014).

Rekrutierung

Die Anziehungskraft des IS

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
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Tatsächlich ist der in den letzten Jahren rapide gewachsene IS eine internationale Streitmacht, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Aus Deutschland haben sich bereits 700 Männer und Frauen der Terrororganisation angeschlossen.

Vor ein paar Wochen erst lud der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Berlin zu einem Pressegespräch. Dabei referierte Hans-Georg Maaßen die neuesten Zahlen der Deutschen, die nach Syrien oder in den Irak gegangen sind, um sich dort der Terrororganisation „Islamischer Staat“ anzuschließen. Er sprach von 700 Frauen und Männern. Ein neuer Rekord – wieder einmal.

Tatsächlich ist der in den letzten Jahren rapide gewachsene IS eine internationale Streitmacht, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Dies belegen alle vorliegenden Informationen ziemlich eindeutig. Von 80 beteiligten Nationen ist die Rede. Propagandistisch verbunden sind sie natürlich durch das Netz.

Wie Daten des International Centre for the Study of Radicalisation und Political Violence (ICSR) ausweisen, standen die arabischen Staaten Ende 2014 an der Spitze der Bewegung – Tunesien mit bis zu schätzungsweise 3000 Kämpfern, Saudi-Arabien mit bis zu 2500 sowie Jordanien und Marokko mit je 1500. An zweiter Stelle rangieren die europäischen Nationen – Russland mit ungefähr 2000 Kämpfern, wovon wiederum 1700 Tschetschenen sind; Frankreich mit etwa 1200 und Belgien mit rund 600. Aber auch das muslimische Bosnien mit vor einem halben Jahr angeblich 330 Kämpfern und die europäisch-asiatische Türkei mit mutmaßlich 600 sind stark vertreten. Die USA sind mit zirka 100 dabei.

Deutschland befindet sich im europäischen Mainstream – mit den entsprechend kontinuierlichen und weiter zu erwartenden Steigerungen. Von den 700, darunter ungefähr 100 Frauen soll etwa ein Drittel nach Deutschland zurückgekehrt sein – und 100 sollen ihr Leben gelassen haben, 20 davon bei Selbstmordanschlägen. Ein Ende des Zulaufs ist vorläufig nicht abzusehen.

Nun sind, wie „Spiegel Online“ herausarbeitete, nicht alle deutschen Syrien-Reisenden tatsächlich Kämpfer. Deren Zahl bezifferte das Onlineportal auf 120. Der Rest leiste anderweitig Hilfe oder stelle sich, im Falle der Frauen, als willfährige Partner zur Verfügung. So oder so ist die Anziehungskraft, die das selbsternannte Kalifat des IS ausübt, außergewöhnlich. Sie resultiert aus der Labilität vieler junger Menschen auf dem europäischen Kontinent – und zwar unabhängig davon, ob es sich um solche mit oder ohne Migrationshintergrund handelt. Sie resultiert überdies aus dem Thrill der Gewalt, der mittlerweile selbst den afghanischen Taliban zu weit geht.

Reisende Islamisten hat es bekanntlich auch schon vor 15 Jahren gegeben. Sie zogen damals nach Afghanistan und Pakistan. Die beiden Länder stehen heute nicht mehr im Fokus der Weltöffentlichkeit und sind nicht zuletzt aufgrund der Entfernung schlecht zu erreichen. Nach Syrien gelangte man zumindest bisher problemlos über die türkisch-syrische Grenze. Zudem haben sich die Mechanismen der Rekrutierung verändert. Anfang des vorigen Jahrzehnts wurden überwiegend bestimmte Moscheegemeinden verantwortlich gemacht. Heute läuft die Anwerbung über Social Media oder Bekanntenkreise. Bereits im Mittleren Osten aktive Islamisten wie etwa aus dem nordrhein-westfälischen Dinslaken, von wo die berüchtigte „Lohberger Brigade“ stammt, oder Wolfsburg ziehen andere nach.

„Ich würde lügen, wenn ich sage, ich bin blind nach Syrien gegangen“, gestand jüngst ein 27-jähriger Deutsch-Tunesier aus der niedersächsischen Automobilmetropole vor dem Oberlandesgericht Celle. Nein, blind geht in der Tat niemand mehr dorthin.

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