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Stand 15 Minuten im Gang eines Flugzeugs , um eine Abschiebung zu verhindern: Elin Ersson.

Schweden

Erssons Protestaktion hat juristische Folgen

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Die Schwedin Elin Ersson wird nach einem von ihr verhinderten Abschiebeflug zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Anwalt geht in Berufung.

Für ihren Widerstand gegen eine Abschiebung nach Afghanistan muss die Schwedin Elin Ersson umgerechnet knapp 285 Euro Bußgeld zahlen. Die 22-jährige Studentin hatte im Sommer den Start eines Linienfluges von Göteborg nach Istanbul verhindert, indem sie 15 Minuten im Mittelgang stehenblieb und Aufforderungen des Kabinenpersonals ignorierte, sich hinzusetzen. Ruhig im Ton, aber auch laut vernehmlich prangerte sie den Transport des von drei schwedischen Polizisten begleiteten Afghanen als „Abschiebung in den Tod“ an.

Ersson hatte sich für den ihren zivilen Ungehorsam kurz entschlossen ein Ticket gekauft. Das Göteborger Gericht wertete die Aktion in seinem Urteil am Montag als Verstoß gegen das Luftfahrtgesetz, blieb aber klar unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 14 Tage Haft gefordert hatte. Erssons Anwalt Thomas Fridh kündigte Berufung an: „Meine Mandantin hat nichts Ungesetzliches getan.“

Die schwedische Aktivistin hatte ihre Aktion auf Facebook als Livevideo gepostet, auf dem auch wüste Beschimpfungen von Passagieren zu sehen und zu hören waren. Allerdings schlossen sich auch Mitreisende, unter anderem eine Fußballmannschaft, durch Aufstehen Erssons Protestaktion an. Als der Kapitän von Turkish Airlines erschien und anordnete, dass sowohl die Studentin als auch der für die Abschiebung vorgesehene Mann samt Begleitung die Maschine zu verlassen hätten, beendete die Schwedin ihre Aktion unter Applaus.

Kurz entschlossen Ticket gekauft

Sie hatte zuvor am Morgen von anderen Aktivisten erfahren, dass ein 25-jähriger afghanischer Flüchtling von der Polizei aus seiner Unterkunft für den Zwangstransport nach Kabul abgeholt worden war. „Der Kauf des Tickets für die Blockade war eine Impulshandlung“, sagte sie und hielt auch an ihrem Plan fest, als ihr im Flugzeug klar wurde, dass statt des 25-Jährigen ein deutlich älterer Mann aus Afghanistan abgeschoben werden sollte. Der Jüngere wurde am selben Tag zum Stockholmer Flugplatz Arlanda gebracht. Der 52-Jährige an Bord dieser Maschine war in Schweden vorbestraft. Dazu sagte Ersson: „Ich wollte ihm als Menschen helfen.“ Der Afghane wurde dann mit einem Monat Verzögerung in sein Heimatland abgeschoben.

Schweden hat 2016 ein Rücknahmeabkommen mit Afghanistan geschlossen und schiebt ebenso wie Deutschland Flüchtlinge in dieses Land ab. Daran haben auch jüngste Warnungen des UN-Flüchtlingswerkes UNHCR über die Verschlechterung der Sicherheitslage vor allem in und um die Hauptstadt Kabul nichts geändert. Schwedische Organisationen für die Flüchtlingshilfe protestieren besonders kräftig gegen die Abschiebung von jungen Männern, von denen viele als Flüchtlingskinder im Iran aufgewachsen und unbegleitet nach Schweden gekommen sind. Sie verfügen über keinerlei Netzwerk oder auch nur Ortskenntnisse in Afghanistan.

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