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António Guterres war ein Kompromiss-Kandidat als UN-Generalsekretär.

António Guterres

UN-Generalsekretär zwischen allen Stühlen

Der UN-Generalsekretär António Guterres ist nur mäßig erfolgreich.

Schon der allererste Generalsekretär der Vereinten Nationen wusste es: Der Job ist der „unmöglichste auf dieser Erde“, sagte der Norweger Trygve Lie einst – schließlich müssen alle 193 UN-Mitgliedsländer ständig und gleichzeitig zufriedengestellt werden. Rund 70 Jahre und sieben Nachfolger später versucht sich seit 2017 nun António Guterres daran. Der Portugiese, der am Dienstag 70 Jahre alt wird, hat dann in etwa die Hälfte seiner fünfjährigen Amtszeit hinter sich.

Viele bei den Vereinten Nationen hatten sich – nach neun Männern an der Spitze – eine Frau als Generalsekretärin gewünscht. Andere hatten darauf gepocht, dass mal ein Osteuropäer dran sei. Der Portugiese Guterres, der von 2005 bis 2015 das UN-Flüchtlingshilfswerk geleitet hatte, war der Kompromiss-Kandidat, auf den sich auch Moskau und Washington einigen konnten. Er gilt als hemdsärmelig anpackender Diplomat, der sich charmant fließend auf Portugiesisch, Spanisch, Englisch und Französisch unterhalten und geschickt verhandeln kann.

Die Vorschusslorbeeren waren zahlreich. „Wird António Guterres der beste UN-Generalsekretär aller Zeiten?“, fragte der britische „Guardian“. Guterres selbst gab sich ein volles Programm vor. An erster Stelle: die Reform der Vereinten Nationen.

Die UN sollen schlanker, effizienter, kostengünstiger werden. „Es bringt niemandem etwas, wenn es neun Monate dauert, einen Mitarbeiter ins Feld zu schicken.“ Das wurde auch in Washington gerne gesehen. Wiederholt hat US-Präsident Donald Trump die Organisation als zu teuer und bürokratisch kritisiert. Doch die erste Hälfte von Guterres Amtszeit als UN-Generalsekretär verlief nicht reibungslos. Die groß angekündigten Reformbemühungen stocken. Als zweites großes Thema hat sich Guterres dem globalen Kampf gegen den Klimawandel verschrieben – womit er bei den USA unter Trump, die bei den UN immer noch größter Geldgeber sind und riesigen Einfluss haben, auf wenig Gegenliebe stößt. Mit bislang mäßigem Erfolg versucht sich der UN-Generalsekretär daran, den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben und gleichzeitig Washington nicht vor den Kopf zu stoßen.

Bei diesem Thema nehme Guterres kein Blatt vor den Mund, da sind sich die UN-Diplomaten einig. Ansonsten aber sei er zu zahm geworden, murren einige. Man merke, dass er es stets vor allem den Amerikanern und Trump recht machen wolle – und schon in Richtung einer zweiten Amtszeit ab 2021 schiele. (dpa)

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