1. Startseite
  2. Politik

Antisemitismus-Lagebericht: Ukraine-Krieg löst Verschwörungserzählungen aus

Erstellt:

Von: Pitt von Bebenburg

Kommentare

Auch in München ist es zu Pro-Putin-, aber auch Gegenprotesten gekommen.
Auch in München ist es zu Pro-Putin-, aber auch Gegenprotesten gekommen. © Wolfgang Maria Weber/Imago

Ein Lagebericht der Amadeu-Antonio-Stiftung zeigt: Der Ukraine-Krieg bietet Anlass für antisemitische Verschwörungserzählungen.

Berlin – Der Ukraine-Krieg wird „in der verschwörungsideologischen Szene antisemitisch gedeutet“. Darauf hat die Amadeu-Antonio-Stiftung in ihrem Lagebild Antisemitismus hingewiesen, das sie am Mittwoch (8. Juni) in Berlin vorstellte.

Die antisemitischen Verschwörungserzählungen, die sich rund um die Corona-Pandemie verbreitet hätten, würden um Bezüge zum Ukraine-Krieg erweitert, sagte Nikolas Lelle von der Stiftung. So erinnert das Lagebild an eine Rede des führenden AfD-Politikers Björn Höcke in der ersten Woche nach Kriegsbeginn. Mit Blick auf die Covid-19-Pandemie und den Ukraine-Konflikt habe er dort erklärt: „Das hängt alles miteinander zusammen.“ Höcke behauptete, „globalistische Eliten“ wollten eine „Neue Weltordnung“, eine „Weltregierung“ schaffen.

Antisemitische Codes: Ukraine-Krieg als „Inszenierung einer mächtigen Elite“

Die Amadeu-Antonio-Stiftung spricht von „antisemitischen Codes“. In ähnlicher Weise stelle das verschwörungsideologische „Compact“-Magazin die Lage in der Ukraine „als Ablenkungsmanöver und Inszenierung einer mächtigen Elite“ dar. Ein weiterer Fall aus dem Lagebild: Bei einem Pro-Putin-Autokorso in Berlin Anfang April sei auf dem Auto des Korso-Leiters ein Schild mit einem Judenstern angebracht gewesen, auf dem das Wort „Russe“ prangte sowie die Frage „Bald auch wir?“

Die Gleichsetzung der russischen Invasion mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung oder Vergleiche des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Adolf Hitler seien im Kern antisemitisch, weil die Shoah dadurch relativiert werde. Hier sieht die Stiftung auch Medien in der Verantwortung, entsprechende Aussagen nicht unhinterfragt zu transportieren.

Die Entwicklung seit Beginn des Ukraine-Kriegs mache „sehr deutlich, wie weit verbreitet Verschwörungserzählungen sind“, sagte Lelle. Der Judenhass zeige sich „in neuem Gewand“.

Antisemitismus: Ukraine-Krieg geht der „jüdischen Gemeinschaft in Deutschland sehr nah“

Dabei würden viele Jüdinnen und Juden mit Antisemitismus konfrontiert, die engen Kontakt zur Ukraine pflegten. Darauf wies Aron Schuster von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland hin. „Der Krieg in der Ukraine geht der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland sehr nahe“, sagte er. 45 Prozent der Jüdinnen und Juden in Deutschland hätten ukrainische Wurzeln, „wodurch es zahlreiche familiäre und freundschaftliche Beziehungen in die Ukraine gibt“. Zudem seien etwa 100 ukrainische Holocaust-Überlebende seit Kriegsbeginn nach Deutschland evakuiert worden.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung legt seit rund zehn Jahren Berichte zur Entwicklung des Antisemitismus vor. Neben Corona und dem Ukraine-Krieg biete die Terrorwelle in Israel Anlass zu Kundgebungen von linken und palästinensischen Gruppen, die „antisemitischen Terrorismus“ befürworteten, heißt es in ihrem Lagebild. (Pitt von Bebenburg)

Auch interessant

Kommentare