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Im Oktober 2020 verletzte ein Mann einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge. dpa
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Im Oktober 2020 verletzte ein Mann einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge. dpa

Report zu Antisemitismus

Angriffe auf jüdische Menschen nehmen weltweit ab - Hakenkreuzschmierereien und Vandalismus aber zu

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 2275 antisemitische Vorfälle registriert, 243 mehr als 2019. Das zeigt der jährliche Report vom Kantor Center.

Die Zahl antisemitischer Gewaltangriffe ist im ersten Corona-Jahr infolge der Kontaktbeschränkungen zwar weltweit zurückgegangen. Der am Mittwoch vom Kantor Center der Universität in Tel Aviv präsentierte Antisemitismus-Report 2020 listet 371 solcher Attacken auf Juden und Jüdinnen auf, im Vorjahr waren es noch 456. Hakenkreuzschmierereien und anderer Vandalismus, der sich gegen Synagogen, jüdische und Holocaustmahnmale richtete, nahmen allerdings um 20 Prozent zu – nicht zuletzt, weil diese in Lockdownzeiten geschlossen oder wenig bewacht wurden.

In Deutschland wurden demnach im vergangenen Jahr 2275 antisemitische Vorfälle registriert, 243 mehr als 2019. Zumeist handelte es sich um Sachbeschädigung, in 59 Fällen um gewaltsame Übergriffe.

Verschwörungsmythen in der Pandemie: Soziale Medien befeuern Antisemitismus

Der Antisemitismus-Report wird alljährlich vor dem israelischen Holocaustgedenktag „Jom Ha-Shoa“ veröffentlicht, der an diesem Donnerstag begangen wird. Seine aktuellen Daten beruhen auf Tausenden Zeugenaussagen aus aller Welt, die das Kantor Center über sein internationales Netzwerk mit sechzig Außenstellen erhält.

Besonders besorgniserregend seien vor allem in sozialen Medien grassierende Ideen, hinter der Pandemie stecke eine jüdische Weltverschwörung, heißt es darin. „Juden und Israelis zu beschuldigen, das Coronavirus (oder ‚Judeovirus‘) entwickelt und verbreitet zu haben, war das Hauptmotiv in den antisemitischen Erscheinungsformen in diesem Jahr“, sagte Dina Porat, Forschungsleiterin am Kantor Center. „Was sowohl verbal als auch visuell an Vorurteilen, Aberglauben und bizarren Theorien hochgespült wurde, war so boshaft wie hanebüchen.“

Corona-Leugner:innen: Antisemitismus abseits der „üblichen Ankläger“

Auffällig sei, dass Vorwürfe, wonach jüdische und israelische Geschäftsleute mit Impfstoffen enorme Profite machten, nicht nur in extremistischen Kreisen der „White Supremacists“ oder unter christlichen Fundamentalist:innen zirkulierten. Ebenso wenig beschränkten sie sich auf „die üblichen Ankläger“ wie die Türkei, Iran oder Palästina. Nein, diese Vorwürfe, so Porat, „haben selbst Bevölkerungsgruppen mit nicht genauer definierten politischen oder ideologischen Identitäten übernommen“.

Ein eigenes Kapitel ist den gerade in Deutschland stark vertretenen Corona-Leugner:innen und Impfgegner:innen gewidmet. „Lockdowns wurden mit der Inhaftierung in Ghettos und Konzentrationslagern verglichen, Vakzine als medizinische Experimente beschrieben und Impfzertifikate als infamer ‚Selektionsprozess‘ wie in Nazitodeslagern hingestellt.“ Als Beispiel nennt der Report Deutsche, die sich einen gelben Stern anhefteten, auf dem „Ungeimpft“ (statt des Worts „Jude“) stand.

Verwiesen wird auch auf ein weiteres, im Internet um sich greifendes antisemitisches Phänomen: das sogenannte Zoom-Bombing, bei dem gezielt in Videokonferenzen jüdischer Gemeinden eingebrochen wird, um dort Hakenkreuze und Hassparolen zu posten. Allein in den USA sei dies bereits über 200-mal geschehen. (Inge Günther)

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