Eine Mitarbeiterin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen beklebt in der Corona-Teststation für Urlaubsrückkehrer am Flughafen Dresden International einen Abstrich für einen Coronavirus-Test mit einem Strichcode.
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Ein Antigentest soll schneller Auskunft über eine Corona-Infektion geben – sei dafür aber unzuverlässiger. (Symbolfoto).

Corona-Pandemie

Corona: Jens Spahn will jeden Monat Millionen schnelle Antigentests

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Gesundheitsminister Jens Spahn ergänzt die bisherige Corona-Strategie: Ab Mitte Oktober sollen auch Antigentests in Pflegeheimen, Arztpraxen und Krankenhäusern eingesetzt werden.

Frankfurt – In Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Arztpraxen sollen flächendeckend Tests auf das Coronavirus möglich sein. Dafür will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jeden Monat neun Millionen Antigenschnelltests als Ergänzung zu den PCR-Tests zur Verfügung stellen. Diese neue Strategie beginnt Mitte Oktober.

Neue Corona-Tests: Personal und Bewohner sollen vor Covid-19 geschützt werden

Wie aus dem Entwurf des Bundesministeriums für Gesundheit hervorgeht, sollen beispielsweise Pflegeheime ein bestimmtes monatliches Kontingent an Corona-Tests erhalten. So sollen vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner und auch das Personal besser geschützt werden. Vorgesehen ist, dass die Tests aus Mitteln der Krankenkassen bezahlt werden. Die bisherige Teststrategie sah vor, vor allem Menschen mit Covid-19-Symptomen und die Kontaktpersonen von Infizierten zu testen. Das würde sich ändern: Sich kostenlos testen lassen können dann Menschen, die weder Beschwerden noch Risikokontakte haben, aber in einem gefährdeten Bereich leben oder arbeiten.

Bislang wurden für den Nachweis einer Infektion mit Sars-CoV-2 hauptsächlich PCR-Tests verwendet. PCR steht für die Polymerase-Kettenreaktion, mit der sich feststellen lässt, ob eine Probe Erbgut des Coronavirus enthält. Dafür wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich aus dem tiefen Mund-, Nasen- oder Rachenraum genommen und die Probe in einem Labor untersucht. PCR-Tests gelten als sehr zuverlässig, allerdings dauert es mehrere Tage, bis ein Ergebnis vorliegt.

Selbsttest

Husten, Fieber, Atemnot – diese Beschwerden kann Covid-19 mit der Grippe gemeinsam haben. Ein Symptom ist jedoch besonders bei einer Corona-Infektion: Auffällig häufig kommt es zu einem Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Dieser kann auch bereits dann auftreten, wenn sich die Infektion noch nicht bemerkbar gemacht hat. Sogar bei sonst symptomlosen Verläufen geht das Riechen und Schmecken häufig verloren.

Zu einem täglichen Riechtest raten deshalb Forschende der Pennsylvania State University jedem Menschen während der Pandemie. Dafür empfehlen sie Kaffee, Gewürze, Essen oder Parfüm. Allerdings: Eine Minderung oder ein Verlust des Geruchssinns ersetzt keinesfalls einen professionellen Test.

Informationen zum Riechtest und den Hintergründen des Sinnesverlusts auf https://agsci.psu.ed/smellcheck.

Neue Antigentests können Corona-Infektion schneller feststellen

Mit Antigentests lässt sich eine Corona-Infektion schneller feststellen, teils sogar bereits nach einer Viertelstunde. Diese Tests reagieren nicht auf Virenerbgut, sondern auf bestimmte Proteine, die für den Erreger spezifisch sind – sofern diese sich in ausreichender Konzentration in einer Probe befinden. Allerdings gelten Antigentests als weniger zuverlässig.

So erklärt Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für medizinische Virologie am Uni-Klinikum Frankfurt, dass die Sensitivität nicht so hoch sei wie bei PCR-Tests. Antigentests eigneten sich deshalb vor allem dann für den Erregernachweis, wenn die Viruslast am höchsten sei – das wäre eine Zeitspanne, die kurz vor dem Auftreten der Symptome beginnt und noch eine kurze Zeit anhält, nachdem man die ersten Krankheitszeichen bemerkt hat. „Aber wenn wir jetzt mal das Beispiel nehmen aus dem Krankenhaus“, führt Sandra Ciesek aus: „Es kommt jemand, der seit einer Woche Symptome hat, sich verschlechtert hat. Da kann der Antigentest oft schon wieder negativ und trotzdem die Lungenentzündung eine Covid-19-Erkrankung sein.“

PCR-Test bleibe „Goldstandard“ um das Coronavirus nachzuweisen

Deshalb bleibe der PCR-Test „weiterhin der Goldstandard“, sagt die Frankfurter Virologin. Sie betont, dass bei einem positiven Schnelltest – wenn das Ergebnis also eine Corona-Infektion anzeigt – anschließend noch ein PCR-Test „zur Bestätigung“ folgen müsse.

Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, sieht bei den Antigenschnelltests noch eine weitere Schwierigkeit: Wenn die Probe nicht korrekt genommen werde, könne das Ergebnis auch falsch-negativ ausfallen – also Entwarnung geben, obwohl jemand infiziert ist. Deshalb müsste man vor allem bei „kritischen Stellen“ wie Alten- und Pflegeheimen dafür sorgen, „dass wirklich geschultes Personal diese Proben entnimmt“. Insbesondere in solchen Einrichtungen könne ein Antigenschnelltest allein nicht das Tragen von Masken ersetzen – „und zwar nicht die handelsüblichen Mund-Nasen-Schutz-Dinger, sondern eine richtige FFPS-2-Maske“.

Sowohl Sandra Ciesek als auch Gérard Krause halten nichts davon, das Testen beliebig auszuweiten, sie möglicherweise sogar allen Bürgerinnen und Bürgern zu gewähren. Beide sehen es als sinnvoller an, Prioritäten zu setzen, und Kranke mit Corona-Symptomen sowie besonders gefährdete Menschen und Personal in der Pflege und im Gesundheitswesen bevorzugt zu testen. (Von Pamela Dörhöfer)

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