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Die Zahl der Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst übersteigt die der Angebote bei weitem.
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Die Zahl der Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst übersteigt die der Angebote bei weitem.

Bundesfreiwilligendienst

Ansturm der Engagierten

  • VonKatja Tichomirowa
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Als der Bundesfreiwilligendienst eingeführt wurde, glaubte kaum einer daran, dass er die Lücke des Zivildienstes schließen könnte. Für den "Bufdi" gibt es inzwischen mehr Interessierte als Plätze. Kommunalen Spitzenverbände würden den Bundesfreiwilligendienst gern ausbauen. Doch es fehlen die Mittel.

Man hat ihn doch gefunden, einen Ersatz für den Ersatzdienst. Als im vergangenen Jahr mit dem Ende der Wehrpflicht auch die Dienstpflicht für jährlich 90.000 Zivis endete, glaubte niemand so recht daran, dass der neu erfundene Bundesfreiwilligendienst diese Lücke schließen könnte. Eins zu eins ersetzen konnte und wollte das zuständige Ministerium die Zivis ohnehin nicht. Doch die 35.000 Stellen, die das Bundesfamilienministerium als vorläufige Ziel für den Bundesfreiwilligendienst im Juni 2011 vorgegeben hatte, sind erreicht.

Es könnten noch einmal so viele sein. Die Zahl der Bewerber übersteigt die der Angebote bei weitem. „Wir haben doppelt so viele Anfragen wie zu vergebende Stellen“, sagt Daniela Schönwälder, Pressesprecherin des Deutschen Städtetages. Die Kommunalen Spitzenverbände würden den Bundesfreiwilligendienst gern noch ausbauen. Allein, ihnen fehlen die Mittel, und die wird es vorerst auch nicht geben.

Mehr als die 254 Millionen Euro, mit denen der Bund den Bundesfreiwilligendienst derzeit jährlich fördert, stehen nicht zur Verfügung. Zwar ist die Bilanz „großartig“ und der Erfolg „sensationell“, findet die verantwortliche Ministerin. Eine Aufstockung der Stellen haben die Haushaltspolitiker aller fünf Bundestagsfraktionen dennoch abgelehnt. Damit müsse sie leben, erklärte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder jüngst.

Daniela Schönwälder bedauert das. Die Bufdis werden gebraucht, man würde gern allen eine Stelle zusagen können. Das Jahreskontingent von 35000 Plätzen war schon vor Monaten ausgeschöpft. „Quasi herrscht ein Einstellungsstopp bis zum Jahresende.“ Die große Nachfrage sollte man nicht ausbremsen, fordern die Kommunalen Spitzenverbände.

Hohen Bewerberzahlen

Auch der Präsident des Bundesverbandes der Diakonie, Johannes Stockmeier, ist von den erfreulich hohen Bewerberzahlen positiv überrascht. „Wir haben mit 4600 BFDlern in Diakonie und evangelischer Kirche in diesem ersten Jahr mehr Freiwillige gewonnen als erwartet.“ Stünden mehr Mittel bereit, könnte die Teilnehmerzahl indes noch viel höher sein. Die Mittel reichen nicht aus, um die Anzahl an benötigten Stellen auch zu besetzen. Der Bedarf der Träger der Freiwilligendienste liegt bei 105.000 Stellen. Die Bundesregierung finanziert jedoch insgesamt nur bis zu 70.000 Freiwilligendienststellen: 35.000 Stellen im Bundesfreiwilligendienst sowie noch einmal so viele im Freiwilligen Sozialen bzw. Freiwilligen Ökologischen Jahr. Etwa 200 Millionen Euro zusätzlich wären notwendig“, sagte Stockmeier der Berliner Zeitung.

Grundlegende soziale Leistungen seien mit dem Ende des Zivildienstes allerdings nicht weggefallen, räumt Stockmeier ein. Engpässe gab es lediglich bei den Fahrdiensten. „Ein reiner Fahrdienst kann als Tätigkeit im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes nicht mehr angeboten werden, da dies dem Anspruch des Bundesfreiwilligendienstes als Bildungs- und Orientierungsjahr nicht entspricht.“ Hier hätten das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter-Unfall-Hilfe aber inzwischen reagiert.

Zweifel an der Qualität

Es müsse allerdings auch das qualitative Profil des Bundesfreiwilligendienstes verbessert werden, fordert Stockmeier, damit der Bundesfreiwilligendienst kein Freiwilligendienst „zweiter Klasse“ wird. Vor allem die pädagogische Begleitung müsse verbessert werden. Das Konzept der Bildungsgutscheine habe sich in der Praxis nicht bewährt, so Stockmeier, da es an den Bildungszentren nicht genug Angebote gebe. „Wir plädieren dafür, dass die Träger mehr finanzielle Mittel erhalten und die pädagogische Bildung damit vollständig selbst organisieren.“

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