Corona-Ansteckung

Corona-Infektion im Flugzeug: Risiko einer Ansteckung besteht auch beim Fliegen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Ohne Gesichtsmaske können sich Menschen auf Flügen infizieren – trotz guter Luftfilter. Die Uni-Klinik Frankfurt empfiehlt mehr Abstand zwischen den Reisenden.

  • Im Flugzeug kann man sich mit dem Coronavirus anstecken, zeigt eine Studie aus Frankfurt.
  • Bei einem untersuchten Flug hatten sich „sehr wahrscheinlich“ mindestens zwei Personen infiziert.
  • In Flugzeugen können Luftfilter die Viruslast in der Luft wohl lediglich reduzieren.

Frankfurt - Flugreisen sind sicher – das betonen Fluggesellschaften in der Corona-Pandemie immer wieder. Gerne wird dabei der Vergleich aufgeführt, die Kabinenluft sei Dank der eingesetzten Hepa-Filter so steril wie in einem Operationssaal. Eine Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Frankfurt kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass es ohne Vorkehrungen zum Schutz der Passagiere – etwa dem Tragen einer Maske – doch zur Übertragung des Coronavirus in Flugzeugen kommen kann.

Für ihre Untersuchung testeten und befragten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 102 Reisende, die Anfang März in einer Maschine von Tel Aviv nach Frankfurt geflogen waren. Zu dieser Zeit gab es noch keine Maskenpflicht in Flugzeugen, während der Reisezeit von vier Stunden und 40 Minuten saßen die Passagiere ungeschützt auf engstem Raum in der Kabine. „Dadurch ermöglicht die Studie Rückschlüsse auf das Übertragungsrisiko unter Normalbedingungen, in denen keine speziellen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Sars-CoV-2 vorgenommen wurden“, erklärt Flugmediziner Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Frankfurt.

Trotz hocheffizienter Filter dauert es im Flugzeug einige Minuten, bis die Kabinenluft komplett ausgetauscht ist – Zeit, in der sich die dicht an dicht sitzenden Fluggäste infizieren könnten.

Frankfurter Corona-Studie untersuchte Passagiere eines Fluges mit Corona-Infizierten an Bord

Ein Teil der Passagiere gehörte einer Reisegruppe an, die kurz vor dem Abflug einen Risikokontakt hatte. Nach der Landung in Frankfurt wurden sie auf das Coronavirus getestet.

Das Ergebnis: Sieben Mitglieder der 24-köpfigen Reisegruppe waren Sars-CoV-2-positiv – und damit auch bereits auf dem Flug infiziert. Später wurde bei zwei weiteren Passagieren, die nicht zu der Reisegruppe gehörten, eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt. Die Frankfurter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen es als „sehr wahrscheinlich“ an, dass sich beide bei den bereits infizierten Flugreisenden in der Kabine angesteckt haben, wie Sebastian Hoehl, Erstautor der Studie und Arzt am Institut für Medizinische Virologie des Uniklinikums Frankfurt, sagt.

Das Schaubild zeigt, dass nur zwei Passagiere erwiesenermaßen im Flugzeug mit Corona infiziert wurden.

Zum Zeitpunkt des Fluges seien die Infektionszahlen in Israel und Deutschland noch sehr niedrig gewesen. Außerdem hätten beide Passagiere in der Kabine in der Nähe der bereits infizierten Mitreisenden gesessen. Es sei nicht auszuschließen, dass sich noch weitere Passagiere unbemerkt mit dem Coronavirus angesteckt hätten.

Im Flugzeug kann man sich mit dem Coronavirus anstecken

Die Frankfurter Forschenden folgern aus ihrer Studie, dass eine Ansteckung im Flugzeug „grundsätzlich möglich“ sei. Sie räumen aber ein, dass die Anzahl der festgestellten Übertragungen – zwei – niedriger ausgefallen sei, „als wir bei sieben Ausgangspatienten angenommen hätten“, wie Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie der Uniklinik Frankfurt, sagt: „Das spricht dafür, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Übertragungen des Virus reduzieren können – aber eben nicht vollständig verhindern.“

Corona im Flugzeug: Eine Studie soll Auskunft über die Ansteckungsgefahrt geben.

In Flugzeugen werden sogenannte Hepa-(High Efficiency Particulate Air)-Filter eingesetzt. Sie sollen nahezu 100 Prozent der Partikel aus der Luft filtern, die damit so gut wie keimfrei ist. Trotzdem sind viele Wissenschaftler skeptisch, ob die Aussage tatsächlich zutrifft, dass die Luft dort ebenso rein ist wie im OP. So dauert es im Flieger einige Minuten, bis die Kabinenluft komplett ausgetauscht ist – Zeit, in der sich die dicht an dicht sitzenden Fluggäste infizieren könnten.

Dass Ansteckungsgefahr im Flugzeug durchaus besteht, darauf weisen auch frühere Studien hin. Unter anderem infizierten sich 2003 bei einem Flug 22 Menschen mit Sars, auch Ansteckungen mit der Grippe hat es bereits gegeben. Einige Experten empfehlen deshalb, dass zusätzlich zur Maskenpflicht für Passagiere in den Sitzreihen die Mittelplätze freigehalten werden sollten. Von Pamela Dörhöfer

Im ÖPNV gilt die Ansteckungsgefahr als gewiss. Die Hessische Landesregierung hat daher die Maskenpflicht im ÖPNV verschärft. Sie soll nun kompromisslos durchgesetzt durchgesetzt werden.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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