+
Forensiker suchen nach Hinweisen am Tatort des Angriffes.

Terror in Kopenhagen

Anschlag erschüttert Dänemark

Terror in Kopenhagen: Ein Attentäter greift zunächst ein Kulturcafé und dann eine Synagoge an. Die Polizei jagt ihn durch die Stadt. Zwei Unschuldige sterben. Die dramatischen Stunden erinnern an die Anschläge von Paris.

Bei einem Angriff auf einen Mohammed-Karikaturisten und eine Synagoge in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen sind am Wochenende zwei Menschen und der mutmaßliche Täter erschossen worden. Ein Vermummter eröffnete am Samstag das Feuer auf ein Cafe, in dem eine Diskussionsveranstaltung mit dem Zeichner Lars Vilks zum Thema Meinungsfreiheit und Gotteslästerung stattfand. Dabei wurden ein Mann getötet und drei Polizisten verletzt. Später erschoss der Attentäter einen Wachmann vor einem jüdischen Gotteshaus und verletzte zwei weitere Polizisten. Nach einer dramatischen Fahndung tötete die Polizei den Angreifer, der offensichtlich die tödlichen Attacken von Paris im Januar nachahmen wollte.

Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sprach von einem terroristischen Anschlag. "Wir haben den widerlichen Geschmack der Angst und der Ohnmacht geschmeckt, den der Terror auslösen will", sagte sie: "Als Gesellschaft haben wir eine Antwort gegeben." Nach den ersten Schüssen hatte die Polizei mit Hubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen die Straßen Kopenhagens nach dem Verdächtigen durchkämmt. Am Morgen stellte sie ihn in der Nähe des Bahnhofs Norrebro. Der Mann sei angesprochen worden, habe das Feuer eröffnet und sei dann erschossen worden, erklärte die Polizei. Hinweise auf weitere Täter gebe es nicht.

Geheimdienst-Chef Jens Madsen sagte, der Angreifer sei den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen. Über seine Motive lasse sich noch nichts sagen.

Das Ziel der ersten Attacke war offensichtlich Vilks, der bereits seit Jahren unter Polizeischutz steht. Der Künstler hatte 2007 den muslimischen Propheten Mohammed in einer Karikatur als Hund dargestellt und daraufhin Todesdrohungen erhalten. Der Zeichner blieb bei dem Angriff unverletzt. Nach Augenzeugen-Berichten hatte der Täter nach einem Grußwort des französischen Botschafters Francois Zimeray begonnen, von außen auf die Cafe-Fenster zu feuern und rund 40 Schüsse abgegeben.

Die Sicherheitskräfte hätten ihn aber daran gehindert, das Gebäude zu betreten. Bei der Schießerei sei ein 55-jähriger Mann tödlich verletzt worden. Vilks sei von seinen Leibwächtern in einen Kühlraum des Cafes gebracht worden. Die Organisatorin der Veranstaltung, Helle Merete Brix, sagte Reuters, sie habe einen Mann mit einer Gesichtsmaske gesehen, der versucht habe, in das Cafe zu gelangen: "Die Sicherheitsleute brüllten: Alle raus hier!" Nach Polizeiangaben konnte der Angreifer flüchten.

Die Polizei ging davon aus, dass es sich um den gleichen Schützen handelte, der Stunden später auf die Synagoge schoss und dabei einen Wachmann tödlich verletzte. Rabbi Bent Lexner sagte: "Wir sind geschockt. Wir hätten nie gedacht, dass so etwas in Dänemark geschehen könnte." Dänemark hatte schon einmal die Wut von radikalen Muslimen auf sich gezogen, als die Zeitung "Jyllands-Posten" vor zehn Jahren Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte. Bei den folgenden Unruhen in der islamischen Welt waren mindestens 50 Menschen gestorben.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte dem Sender "Europe 1", es gebe erschütternde Parallelen zu den Anschlägen von Paris: "Erst ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, dann gegen Juden und schließlich die Konfrontation mit der Polizei." Anfang Januar waren in Paris bei Attacken auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt insgesamt 17 Menschen von islamistischen Extremisten getötet wurden.

Seit den Anschlägen haben viele Länder in Europa ihre Vorsichtsmaßnahmen verstärkt. In Braunschweig wurde kurzfristig der Karnevalsumzug am Sonntag abgesagt. Die Polizei erklärte, es habe eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund vorgelegen. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere verurteilte die Anschläge in Dänemark. Zugleich betonte er, die Gefährdungslage in Deutschland sei "unverändert hoch". Die Behörden gingen jedem Hinweis und jeder Information mit größter Sorgfalt nach.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kondolierte Thorning-Schmidt und versprach dem Nachbarland weitere Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er rechne damit, dass sich die Angriffs-Serie in Europa fortsetzen werden. Zugleich betonte er, dass Juden aus der ganzen Welt in Israel willkommen seien. Man bereite sich dort auf eine Einwanderungwelle aus Europa vor. EU-Ratspräsident Donald Tusk sprach von einem "weiteren brutalen, terroristischer Angriff, der auf unsere fundamentalen Werte und Errungenschaften abzielt - inklusive der Freiheit auf Meinungsäußerung". (Reuters)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion