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Polizisten schirmen den Tatort in Kertsch ab.

Halbinsel Krim

Anschlag in einer Schule

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Amoklauf oder Terrortat? Auf der Halbinsel Krim sterben viele Jugendliche nach einem Angriff eines ehemaligen Schülers. Die Ermittler rätseln über das Motiv.

In einer Berufsschule auf der Krim sind gestern mindestens 19 Menschen getötet worden, mehr als 50 sollen verletzt sein. Die Behörden vermuteten erst einen Terroranschlag, jetzt reden sie von einem Einzeltäter. Die Explosion sei entweder in der Mensa oder in der Aula gezündet worden, erzählte einer der Jugendlichen dem Nachrichtenportal RBK. „Im Hof wurde geschossen, es gab sehr viele Verletzte, sehr viele Bekannte von mir sind umgekommen. Wir hörten die Salven einer Maschinenpistole, begannen zu laufen, alle gerieten in Panik, es gab Tote.“

Eine andere Schülerin namens Viktoria berichtete der Agentur RIA Nowosti, es habe erst eine Explosion im Erdgeschoss, dann in der ersten Etage gegeben, danach hätte jemand das Feuer auf die Schüler eröffnet. „Ich rannte und sah, wie die Jungs einfach umfielen“, sagte ihre Mitschülerin Margarita, „überall spritzte Blut.“ 

Eine „kolossale Tragödie“

Einige Augenzeugen sprachen von mehreren Angreifern, und vielen in die Krankenhäuser eingelieferten Opfern. „Ein wirklicher Terrorakt“, klagte Olga Grebennikowa, die Direktorin des Berufskollegs dem Portal „kerch.com.ru“. Auch das russische Ermittlungskomitee qualifizierte den Angriff erst als Terrorakt, eröffnete aber dann nur ein Verfahren wegen der Morde gegen mehrere Personen.

Sergej Aksjonow, der Chef der Krim-Verwaltung, sprach von einer „kolossalen Tragödie“. Nach seinen Informationen sei ein Einzeltäter namens Wladislaw R. dafür verantwortlich, der in der vierten Klasse der Berufsschule lernte. Der 18-Jährige wurde später mit einer tödlichen Schusswunde in einem Raum der Schule gefunden, die Behörden gehen davon aus, dass er Suizid beging. 

War es wirklich ein Einzeltäter? 

Beamte des Nationalen Antiterror-Komitees schließen dagegen nicht aus, dass R. kein Einzeltäter sein könnte. Man werde in den nächsten Tagen auch nach möglichen Komplizen und Drahtziehern fahnden. Russische Medien stellten im Laufe des Tages bereits Verdächtigungen. So zitierte das Nachrichtenportal „lenta.ru“ einen Ermittler, der mutmaßliche Täter könnte Kontakte zur krimtatarischen Minderheit auf der Krim haben.

Die Krimtataren gelten als Gegner des Anschlusses der Halbinsel an Russland. Der nach Kiew exilierte krimtatarische Blogger Ayder Muschdabajew spekulierte dagegen bereits auf Facebook, der russische Inlandsgeheimdienst FSB habe den Terroranschlag wohl selbst organisiert. „Das ist ein bewehrtes Mittel, um ein Besatzungsregime zu verschärfen.“

Der Moskauer Menschenrechtler Lew Ponomarjow hält dagegen einen Amoklauf für durchaus möglich. „Bei uns ist es ja nicht schwer, sich Waffen zu besorgen. Wenn unsere Sicherheitsorgane wirklich an einen Terrorakt auf der Krim glaubten, hätten sie schon ukrainische Rechtsradikale oder die Krimtataren für verdächtig erklärt.“ Ein Bekannter des mutmaßlicher Amokläufers sagte dem Portal RBK, der 18-Jährige habe das Technikum sehr gehasst, wegen der aggressiven Lehrer dort. „Er hat auch angedeutet, dass er sich rächen werde.“

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