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Anschlag auf Peter de Vries: „Bruder, er ist tot“

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Der Tatort im Zentrum von Amsterdam
Der Tatort im Zentrum von Amsterdam © dpa

In Amsterdam beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder von Peter R. de Vries

Auch die Kinder des Opfers sind im Gerichtssaal. „Man muss der Trauer Raum geben“, hatte Royce de Vries schon vor Prozessbeginn gesagt. Der Anwalt hat mit seinem Vater Peter R. de Vries zusammengearbeitet. Bis der bekannte niederländische Kriminaljournalist im Juli vergangenen Jahres nach einer Fernsehsendung auf offener Straße in Amsterdam ermordet wurde.

Royce de Vries ist am Dienstag gemeinsam mit seiner Schwester Kelly de Vries ins Gericht nach Amsterdam gekommen. Die ganzen Niederlande schauen an diesem Tag auf die Stadt. Dort beginnt das Hauptverfahren gegen die beiden Angeklagten im Mordfall Peter R. de Vries: Danilo G., 22, soll den Journalisten erschossen haben. Kamil E., 35, soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Er behauptet, er habe allein das Fluchtauto gefahren und nichts von dem Vorhaben gewusst.

Der erste Prozesstag weckt daran Zweifel. Videosequenzen werden gezeigt. Die Bilder sind wenige Tage vor der Tat aufgenommen. Vor dem Studio der Sendung „RTL Boulevard“ in Amsterdam ist ein Mann mit einem auffälligen Tattoo im Nacken zu sehen – wie Kamil E. es auch trägt. Der Mann hat eine Jacke übergezogen – wie E. sie bei seiner Festnahme nach der Tat trug. Auf den Videobildern ist auch zu sehen, wie der Mann Peter R. de Vries und seine Gewohnheiten im Eingangsbereich des Fernsehstudios beobachtet. Der Kundschafter zündet sich eine Zigarette an. „Ich rauche nicht mehr“, sagt E. zu den Bildern. Er habe aber nach seiner Festnahme einen Ermittler nach Feuer gefragt, zitiert der Richter aus dem Polizeiprotokoll. Kamil E. schweigt.

Anschlag auf Peter de Vries: Die beiden Angeklagten sind wohl nur Randfiguren

Schon dass die beiden Verdächtigen überhaupt vor Gericht erscheinen, ist ein Erfolg. Sie sollten vom Verfahren ausgeschlossen werden – zu ihrem eigenen Schutz. Auch die Namen des Vorsitzenden Richters und wichtiger Fahnder:innen bleiben geheim. Die niederländische Justiz fürchtet Racheakte der organisierten Kriminalität. So wie im Fall von Peter R. de Vries. Der hatte einen Kronzeugen in einem wichtigen Drogenprozess beraten. Zu gefährlich für das mächtige Kartell.

Die beiden Angeklagten sind nach Erkenntnissen der Ermittler:innen nur Randfiguren in einem großen Spiel. Im sogenannten Marengo-Prozess müssen sich parallel mehrere mutmaßliche Mitglieder eines Drogenkartells vor Gericht verantworten.

Die Sitten im Gewerbe sind rau. Das zeigt auch der erste Prozesstag in Amsterdam. Die beiden Verdächtigen wurden nur eine Stunde nach der Tat gefasst. Im Fluchtwagen fanden sich eine Waffe und ein Mobiltelefon mit Genspuren von Danilo G. „NN-*429“, lautet eine der eingespeicherten Nummern. Die Chat-Unterhaltung, die vor Gericht zitiert wird, ist aufschlussreich. Der Unbekannte mahnt, dass die Tat gelingen müsse. „Bruder, ich schieß dem Ding durch seinen Körper“, antwortete Danilo G. Der Auftraggeber mahnte zwei Schützen an, das sei „sicherer“. „Bruder, ich zieh das alleine durch“, kam nur zurück. Kurz nach der Tat folgte die Nachricht. „Bruder, hahaha. Mitten durch Kopf und Körper. Er ist tot.“

Anschlag auf Peter de Vries: Viel steht im Verfahren auf dem Spiel

Kamil E. will davon nichts gewusst haben. Man habe ihm nur gesagt, er solle zwei Menschen von Rotterdam nach Amsterdam bringen. „In den Vernehmungen war noch von einer Person die Rede“, entgegnet der Richter. Der andere sei in Amsterdam ausgestiegen, behauptet Kamil E. Es bleibt nicht die einzige Widersprüchlichkeit am ersten Verhandlungstag.

Viel steht in diesem Verfahren auf dem Spiel, für die Justiz und ihre Glaubwürdigkeit. Nächste Woche werden die Verteidiger zu ihren Plädoyers ansetzen. Am 14. Juli soll das Urteil ergehen. Kurz vor dem ersten Todestag von Peter R. de Vries. „Man muss der Trauer Raum geben“, sagt Royce de Vries. Auch seine Schwester Kelly de Vries verfolgt den Prozess vor Gericht. Nur einmal verlässt sie den Raum. Als die Ermittler:innen die Bilder von Überwachungskameras zeigen, die den Mord an ihrem Vater gefilmt haben.

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