Kenia

Anschlag mit Ansage

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Die Regierung in Nairobi nahm die Warnungen offenbar nicht ernst. Mindestens 14 Menschen sterben bei einem Angriff der Al-Schabab-Miliz.

Kenias Regierung hätte gewarnt sein müssen. Einem Bericht des britischen „Guardian“ zufolge hatten westliche Geheimdienste die Sicherheitskräfte des ostafrikanischen Staates über einen bevorstehenden Terrorangriff informiert – schon Wochen vor dem jüngsten Angriff der somalischen Al-Schabab-Miliz auf das Luxushotel „Dusit“ in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, bei dem am Dienstag mindestens 14 Personen getötet wurden.

Diplomaten in Nairobi hätten die Erkenntnisse an die zuständigen kenianischen Stellen weitergeleitet, heißt es in dem Bericht der Tageszeitung. Frustriert hätten sie jedoch zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Warnungen nicht ernst genommen wurde. Auf Twitter machte ein Schreiben die Runde, das die Warnungen belegen sollte. Es handele sich um eine Fälschung, konterte Kenias Polizeichef Joseph Boinett.

Als wahrscheinlicher Zeitpunkt für einen Anschlag waren zunächst die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr erwartet worden. Doch im Nachhinein erscheint der 15. Januar sinnvoller. Vor genau drei Jahren überfiel Al-Schabab an diesem Tag einen kenianischen Militärstützpunkt in Somalia und tötete mindestens 140 Soldaten. Terrorgruppen, so Experten, nehmen oft Jahrestage zum Anlass neuer Anschläge.

Vier schwer Bewaffnete waren am Dienstagnachmittag kurz nach 15 Uhr in das „Dusit“ eingedrungen, nachdem sie vor dem Gebäude mehrere Fahrzeuge mit Handgranaten in Brand gesteckt hatten. Im Foyer des Hotels tötete sich einer der Angreifer, indem er seinen Sprengstoffgürtel zündete. Überwachungskameras haben aufgezeichnet, wie die drei anderen in aller Ruhe in ein Restaurant im Erdgeschoss des Hotels liefen und dort das Feuer eröffneten. Dort sollen die meisten der Opfer ums Leben gekommen sein.

An der Polizeiaktion am Dienstag waren auch Spezialkräfte der britischen SAS und US-Marines beteiligt. Sie hielten sich zum Training ihrer kenianischen Kollegen offenbar gerade in Nairobi auf. Obwohl Kenias Innenminister bereits am Dienstagabend die Gefahr für beendet erklärt hatte, waren noch am Mittwochmorgen Schüsse aus dem Hotelkomplex zu hören. Der Überfall stellte sich als wesentlich heikler als zunächst vermutet heraus. Insgesamt wurden mehr als 700 Menschen unversehrt aus dem Hotelareal evakuiert.

Zu erwarten war der Anschlag vor allem auch wegen der aktuellen Ereignisse in Somalia. Dort intensivierten die US-Streitkräfte ihren Drohnenkrieg gegen Al-Schabab seit dem Amtsantritt von Donald Trump beträchtlich. Im vergangenen Jahr schlugen die unbemannten Killermaschinen auf somalischem Gebiet fast 50 mal zu. Mehrere Hundert Al-Schabab-Kämpfer sollen dabei getötet worden sein.

Außer aus der Luft kommt die mit Al-Kaida verbündete Terrorgruppe auch auf dem Boden immer mehr in Bedrängnis: Neben äthiopischen und ugandischen setzen ihnen dort auch kenianische Truppen zu. Noch immer wird aber fast die Hälfte der somalischen Provinz von den Extremisten kontrolliert.

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