Anonymous: "Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns."
+
Anonymous: "Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns."

"Operation Blitzkrieg"

Anonymous jagt Neonazis im Netz

  • Jonas Nonnenmann
    vonJonas Nonnenmann
    schließen

Mit dem Portal „Nazi-Leaks" erklären die Hacker von Anonymous deutschen Neonazis den Krieg. Auf der Seite findet sich eine Liste von NPD-Parteispendern, aber auch die Abonnenten einer nur scheinbar bürgerlichen Zeitung.

Die Hacker-Gruppe Anonymus stellt Neonazis an den Pranger.

Unter dem Motto ?Operation Blitzkrieg? ging vor einigen Tagen das Internet-Portal „Nazi-Leaks“ in Betrieb, auf dem sich unter anderem eine gehackte Liste von NPD-Spendern befindet.

Angeblich schaffte Anonymous es, innerhalb von wenigen Tagen 15 NPD-Seiten durch Computerattacken lahmzulegen. Am Montag war außerdem die deutsche Version der Nazi-Plattform Altermedia zeitweise offline.

"Allen Nazis einen guten Start ins neue Jahr"

Nachdem Anonymous zu Attacken aufgerufen hatte, erhielten Nutzer beim Ansteuern der Seite eine Fehlermeldung. Die Hacker wünschten per Twitter-Meldung „allen Nazis und vor allem Altermedia einen guten Start ins neue Jahr“.

Altermedia Deutschland wurde bislang aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern betrieben. Der Administrator Axel Möller sitzt seit Anfang Dezember 2011 wegen Volksverhetzung, Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole, Beleidigung, Aufruf zu Straftaten und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener in Haft.

Eine Reaktion ließ nicht auf sich warten: Wie linke Websites berichten, befindet sich auf Altermedia ein Kommentar, "daß Hinweise auf die Identität der Pseudo-Anonymus-Zecken dankend entgegen genommen werden und gerne mit Prämien wie z.B. abgeschnittenen Fingern belohnt werden". Ob der Kommentar authentisch ist, ließ sich nicht nachprüfen, da Altermedia zum Zeitpunkt der Recherche offline war.

Auf „Nazi-Leaks“ befinden sich inzwischen außerdem Listen mit den Namen und Adressen von Kunden der bei Rechten beliebten Marke Thor Steinar.

Auch die "Junge Freiheit" gehört zu den Zielen

Ebenfalls an den Pranger gestellt werden Autoren der „Jungen Freiheit“, einer bieder-deutschnationalen Zeitung, die auch Beiträge von Rechtsextremen veröffentlicht.

Unter den genannten Autoren befindet sich Peter Scholl-Latour, der auch als Afghanistan-Experte bekannt ist und eine Zeit lang für das Magazin Stern arbeitete.

Anonymous machte in letzter Zeit immer wieder mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Unter anderem erklärten die Internet-Piraten der mexikanischen Drogenmafia den Krieg - Angeblich schafften sie es sogar, einen von der Mafia entführten Sympathisanten freizupressen. Kürzlich griff die Gruppe außerdem das US-Sicherheitsunternehmen Stratfor an, klaute Kreditkartendaten und überwies über eine Million Euro an "freiwilligen Spenden" an Bedürftige.

Bei Anonymous handelt es sich um eine lose Verbindung von Internet-Nutzern, die sich in Foren treffen, ohne erkennbar hierarchisch organisiert zu sein. Im Vergleich zu traditionellen Hackern benötigen sie keine besonders guten Computerkenntnisse, um bei Attacken mitzumachen. Typisch sind Angriffe mit sogenannten DDoS-Attacken: Dabei wird ein Web-Server von vielen Computern gleichzeitig mit sinnlosen Datenanfragen überhäuft, so dass er nicht mehr antworten kann. (jon, dpa, dapd)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare