Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bundestagwahl 2021

Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock: Gezielte Kampagne gegen Kanzlerinnenkandidatur?

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
    schließen

Recherchen ergeben, dass Plagiatsjäger angeblich gezielt auf Annalena Baerbock (Grüne) angesetzt werden.

Berlin - Ein neuer Tag, ein neuer Vorwurf gegen Annalena Baerbock. So fühlt sich die politische Landschaft knapp drei Monate vor der Bundestagswahl zumindest an. Die neuesten Vorwürfe betreffen angebliche Plagiate in Baerbocks Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“. Auf zehn Seiten finden sich laut dem österreichischen Medienwissenschaftler Stefan Weber angeblich abgeschriebene Passagen vom US-Autor Michael T. Klare, dem Blog „Klimawandel - Challenge Accepted“, dem Magazin Spiegel und der Bundeszentrale für politische Bildung.

Der Ullstein-Verlag, bei dem das Buch erschien, wies die Anschuldigungen zurück: Aufzählungen von allgemein zugänglichen Fakten seien ebenso wenig urheberrechtlich geschützt wie einfache Formulierungen. Der Jurist und Journalist Felix W. Zimmermann sieht die Vorwürfe gegen Barbock ebenfalls als unberechtigt an. Zum Beispiel sei der Vorwurf, aus dem Spiegel abgeschrieben zu haben, „völlig absurd“. Dort ginge es um die Höhe von Holzhäusern und damit um Fakten. „Was soll sie tun? Die Zahlen der Höhe abwandeln? Kein Plagiat, reine Sachinformation.“

Die Grünen wiesen die erhobenen Plagiatsvorwürfe in scharfer Form zurück. „Das ist der Versuch von Rufmord“, erklärte ein Parteisprecher.

Annalena Baerbock (Die Grünen).

Vorwürfe gegen Annalena Baerbock: Suche nach professionellen Plagiatsjägern

Nun ergaben Recherchen von t-online, dass hinter den immer wiederkehrenden Anschuldigungen gegen Annalena Baerbock möglicherweise eine systematische, gezielte Kampagne steckt. Bislang hieß es, Stefan Weber habe in Eigeninitiative Baerbocks Lebenslauf und Buch untersucht. Die Recherchen von t-online deuten auf etwas anderes hin: dass eine politisch motivierte Gruppe Annalena Baerbock gezielt schaden will und dafür auf die Suche nach professionellen Plagiatsjägern ging. 

Im Gespräch mit t-online berichtet der Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder, der sich einen Namen damit gemacht hat, gegen Bezahlung mögliche Falschangaben in Lebensläufen und wissenschaftlichen Arbeiten von Politiker:innen aufzuspüren, über einen Anruf im Mai. Ein alter Bekannter, den er namentlich nicht nennen will, habe ihn kontaktiert, um ihn für eine Kampagne gegen die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zu gewinnen. Laut t-online habe Heidingsfelder das Angebot abgelehnt.

Über den Anrufer gab Heidingsfelder nur preis, dass es ein früherer Sozialdemokrat sei, den er seit einigen Jahren kenne. Laut t-online berichtet er, dass es dem Anrufer zufolge nicht gegen die Grünen an sich gehe, sondern „um ihr Spitzenpersonal“. Baerbock müsse schnell weg, damit die Partei doch noch den Co-Vorsitzenden Robert Habeck ins Rennen schicke. Der Anrufer habe außerdem erwähnt, dass es besser für Baerbock sei, wenn sie jetzt gehe, was wohl andeuten sollte, dass die Kampagnenleute weitere Anschuldigungen gegen Annalena Baerbock ans Licht zerren wollen, sagt Heidingsfelder t-online.

Vorwürfe wegen Baerbocks Buch: Versuch einer Rufschädigung

Heidungsfelder sieht laut t-online die Vorwürfe wegen Baerbocks Buch als Versuch einer Rufschädigung. Es handele sich schließlich um ein eher belangloses Sachbuch, nicht um eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit. Insgesamt habe er nichts gesehen, was für Plagiatsjäger relevant sei und habe das auch so mitgeteilt: „Hier wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht“, sagt Heidungsfelder t-online gegenüber.

Heidungsfelder vermutet nun, dass man an Stefan Weber herantrat, da er selbst das Angebot, bei der Kampagne gegen Baerbock mitzumachen, ablehnte. Laut t-online wurde ihm von dem Anrufer nach seiner Absage mitgeteilt, „bitte Verständnis [zu] haben, wenn man mit Weber spricht“. Beide haben die ursprünglich ehrenamtliche Prüfung von Politiker:innen-Dissertationen zum Geschäftsmodell gemacht und sind in der Szene der Plagiatsjäger bekannt.

Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock: Weber betont, „ohne Bezahlauftrag“ gehandelt zu haben

T-online konnte keinen Beleg dafür finden, dass sich Heidungsfelders mutmaßlicher Anrufer danach tatsächlich an Weber wandte - und dieser den möglichen Auftrag annahm. Allerdings wird der Verdacht dadurch erhärtet, dass Weber kurz nach einer Anfrage zum Thema von t-online eine Pressemitteilung herausgab, in der er betonte: „Im Fall Baerbock prüfe ich aus Eigeninteresse und ohne Bezahlauftrag.“ Die Worte „ohne Bezahlauftrag“ hatte er in der Mitteilung gefettet. Weiter hieß es: „Ich habe auch keinen Auftraggeber, mit dem vereinbart worden wäre, genau dies zu behaupten: nämlich, dass es keinen Auftrag gäbe. Das erkläre ich hiermit an Eides statt.“

Die Betonung inklusive Fettung für die Worte „ohne Bezahlauftrag“ ist mindestens sonderbar. Dass er nicht darauf eingeht, wie er überhaupt auf das Thema Baerbock, sei es der Lebenslauf und nun das Buch, wo in beiden Fällen die Vorwürfe laut Expert:innen mindstens dünn wenn nicht gar haltlos waren, aufmerksam wurde, ist mehr als auffällig. (Sonja Thomaser)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare