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Kanzlerkandidatin der Grünen

„Niemand schreibt ein Buch allein“: Baerbock nennt neue Details zu Plagiatsvorwürfen

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  • Katja Thorwarth
    Katja Thorwarth
  • Tobias Utz
    Tobias Utz
  • Lukas Rogalla
    Lukas Rogalla

Robert Habeck äußert sich erstmals zu den Vorwürfen gegen Kollegin Annalena Baerbock – und räumt Fehler der Grünen ein.

  • Annalena Baerbock sieht sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt.
  • Die Kanzlerkandidatin der Grünen selbst spricht mittlerweile von Fehlern im „Quellenverzeichnis“ ihres Buches.
  • Nun äußert sich erstmals Robert Habeck.

Update von Samstag, 10.07.2021, 07.30 Uhr: Annalena Baerbock hat ihr Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ erneut verteidigt. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost betonte sie: „Es ist keine Doktorarbeit.“ Auf die Frage hin, ob sie das Werk selbst verfasst habe, antwortete sie: „Ja, aber wie es so schön heißt: Niemand schreibt ein Buch allein. Es sind nicht nur viele Ideen eingeflossen, ich habe dankenswerterweise auch Unterstützung bekommen.“

Zudem erklärte Baerbock, dass sie in den vergangenen Wochen regelmäßig mit Fake-News konfrontiert worden sei. Deshalb werde man rechtliche Schritte einleiten: „Meine Partei musste daher jetzt ein Stoppsignal setzen und Falschbehauptungen deutlich zurückweisen. Standardmäßig angezeigt werden Beleidigungen und Bedrohungen, die nicht nur ich, sondern regelmäßig ganz viele Politikerinnen in unserem Land per Mail oder auf Twitter erhalten.“

Annalena Baerbock auf dem digitalen Parteitag der Grünen Anfang Juni 2021.

Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock: Habeck verteidigt ihre Kanzlerkandidatur

+++ 22.35 Uhr: Im Rahmen der Plagiatsvorwürfe und weiteren Anschuldigungen gegen Annalena Baerbock hat sich nun erstmals der Co-Vorsitzende ihrer Partei geäußert. Robert Habeck betonte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, dass einige Fehler nicht hätten passieren dürfen. „Hätten wir gewusst, dass an den Stellen solider hätte gearbeitet werden müssen, wäre da solider gearbeitet worden“, so der Grünen-Vorsitzende. „Die letzten Wochen waren kein Glanzstück.“

Habeck verteidigte zudem die Entscheidung der Grünen, Baerbock relativ früh als Kanzlerkandidatin ins Rennen zu schicken. Man habe die eigenen Themen somit besser voranbringen wollen, erklärte der 51-Jährige. Die Spitze der Partei müsse sich ihre Fehler daher selbst ankreiden. „Unsere Gegner dürfen uns kritisieren. Es ist Wahlkampf“, fügte er hinzu. Doch auf ähnlich scharfe Angriffe vonseiten der Grünen wolle man verzichten. „Der wahre Angriff auf diejenigen, die hart zuschlagen, ist ja nicht, genauso hart zurückzuschlagen, sondern ihre Schläge ins Leere laufen zu lassen, den Kampfplatz zu ändern, eine andere Debatte zu führen“, so Habeck. Es sei falsch, sich nun in die alten Schützengräben zu begeben. „Das ist kein guter Ort, um drin stecken zu bleiben.“

Robert Habeck hat sich zu den Plagiatsvorwürfen gegen Annalena Baerbock geäußert. (Archivfoto)

Habeck dementierte auch Spekulationen, die Grünen könnten Baerbock durch ihn als Kanzlerkandidat ersetzen. Das sei „Kokolores“. Die Partei habe Baerbock erst kürzlich mit nahezu 100 Prozent der Stimmen gewählt. Nun komme es darauf an, das Beste aus diesem „Vertrauensvorschuss“ zu machen. Auf die Nachfrage, ob man über einen Wechsel nachgedacht habe, antwortete Habeck entschieden: „Nein. Das ist keine Debatte.“ Trotz schwächelnder Grünen in den Umfragen sei bei der Bundestagswahl und dem Rennen um die Kanzlerschaft „gar nichts gelaufen“. Der Union warf Habeck Untätigkeit und falsche Versprechen im Wahlkampf vor.

Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock: Buch der Grünen-Kanzlerkandidatin soll mit Quellen versehen werden

Update von Freitag, 09.07.2021, 12.30 Uhr: Annalena Baerbocks Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ soll mit zusätzlichen Quellenangaben versehen werden. Damit reagiert die Kanzlerkandidatin der Grünen gemeinsam mit dem herausgebenden Ullstein-Verlag auf Plagiatsvorwürfe. „In Absprache mit der Autorin werden wir in einer möglichen nächsten Auflage sowie zum nächstmöglichen Zeitpunkt im E-Book zusätzliche Quellenangaben im Buch ergänzen“, sagte eine Verlagssprecherin. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, äußert sich bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)

Dieses Vorgehen entspreche den Standards bei Neuauflagen, so die Sprecherin: Es erfolge aus Transparenzgründen. Baerbock selbst hatte kürzlich auf die Plagiatsvorwürfe reagiert. „Rückblickend wäre es sicherlich besser gewesen, wenn ich doch mit einem Quellenverzeichnis gearbeitet hätte“, sagte die 40-Jährige der Süddeutschen Zeitung. Zuvor hatten mehrere Plagiatsjäger zahlreiche Textpassagen in Baerbocks genannt, die deren Angaben zufolge Plagiate sind (s. Update von Donnerstag, 08.07.2021).

+++ 15.30 Uhr: Die Plagiatsvorwürfe gegenüber Annalena Baerbock häufen sich. Mittlerweile gehen mehrere Fachleute von zahlreichen Textpassagen aus, welche aus juristischer Perspektive problematisch sind. Der Gutachter Stefan Weber veröffentlichte dazu eine Mitteilung, in welcher er sich auf mehrere Fachleute bezieht. Darin heißt es: „Mittlerweile bestätigen die Experten Felix Zimmermann, Gerhard Dannemann und Volker Rieble wahrscheinliche Urheberrechtsverletzungen.“

Annalena Baerbock: Plagiatsvorwürfe von mehreren Seiten

Zimmermann ist Rechtsexperte für das ZDF, Dannemann und Rieble sind Wissenschaftler. „Textkonkordanzen wie die dokumentierten sprechen [...] eine objektive Sprache“, betont Weber in seiner Analyse. Zimmermann, der Baerbock noch verteidigte, als die Plagiatsvorwürfe publik wurden, bestätigte Webers Bedenken. In einem Beitrag sprach er davon, dass „Urheberrechtsverletzungen nun naheliegend“ seien. „Die neuen Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock betreffen nicht mehr nur banale Formulierungen und Fakten, sondern [...] auch kreative, originelle und subjektiv-formulierte Textpassagen. Insoweit liegen wohl Urheberrechtsverletzungen vor“, ergänzte Zimmermann auf Twitter.

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Aus Webers Ausführungen geht hervor, dass offenbar 29 Stellen in Annalena Baerbocks Buch Plagiate sind. Das berichtet unter anderem der Tagesspiegel aus Berlin. Kürzlich hatte Baerbock selbst Stellung zu den Vorwürfen bezogen. Dabei sprach sie davon, dass es Fehler im „Quellenverzeichnis“ ihres Buches gebe (s. Update von 10.00 Uhr).

Annalena Baerbock zeigt sich in Plagiatsaffäre selbstkritisch

Update von Donnerstag, 08.07.2021, 10.00 Uhr: Annalena Baerbock hat sich in der Debatte um die Vorwürfe gegen ihr Buch selbstkritisch gezeigt. Sie habe darin bewusst auf öffentlich zugängliche Quellen zurückgegriffen, insbesondere wenn es um Fakten ging, sagte Baerbock der Süddeutschen Zeitung. „Aber ich nehme die Kritik ernst“, so die Kanzlerkandidatin der Grünen. Rückblickend wäre es „sicherlich besser gewesen, wenn ich doch mit einem Quellenverzeichnis gearbeitet hätte“, betonte sie.

Weiter warb Baerbock für einen fairen Umgangston im Wahlkampf. „Mehr als drei Jahre lang haben wir in der Partei, haben Robert Habeck und ich, intensiv daran gearbeitet, über eine andere Ansprache und Haltung Gräben zu überwinden“, sagte die Grünen-Vorsitzende.

Diese Form der Kommunikation werde in einem harten Wahlkampf auf die Probe gestellt, vor allem wenn auch heftige persönliche Anfeindungen dazukommen. „Auch ich bin da kurz in alte Schützengräben gerutscht“, räumte Baerbock ein. Dabei gehe es ihr um das Gegenteil: „Die großen Zukunftsfragen offen und breit zu diskutieren, hart und klar in der Sache, aber fair im Ton und offen für Argumente.“ So wolle sie Wahlkampf machen.

„Sie sollte in Sack und Asche gehen“: Neue Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock

Erstmeldung von Dienstag, 06.07.2021, 11.00 Uhr: Annalena Baerbock ist wegen der Debatte um ihr Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ als Kanzlerkandidatin der Grünen umstritten. Zuletzt hatte die linksalternative TAZ in einem Kommentar die These aufgestellt, dass Baerbock an ihrem „Ehrgeiz gescheitert“ sei und die Wahlen nicht mehr gewinnen könne. Sie solle wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2021 ihre Kanzlerkandidatur an den Co-Vorsitzenden Robert Habeck abtreten.

Die Grünen sehen indes keinen Handlungsbedarf: „Wir gehen als Team, als grünes Team, gemeinsam in diesen Wahlkampf mit Annalena Baerbock an der Spitze“, sagte Bundesgeschäftsführer Michael Kellner am Montag (05.06.2021) in Berlin. „Daran ändert sich nichts.“ Er ergänzte, dass junge Frauen Attacken in einem stärkeren Maß ausgesetzt seien als Männer, auch wenn alle Kanzlerkandidaten hart angegangen würden. Hier würden dennoch „Bagatellen aufgebauscht, um von den inhaltlichen Auseinandersetzungen, von den großen Fragen abzulenken“.

Plagiatsjäger Heidingsfelder zu Baerbock: „Sie sollte in Sack und Asche gehen“

Den Streit über Annalena Baerbock hatte der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber angestoßen. Anfang vergangener Woche hatte er auf mehrere Stellen in Baerbocks Buch hingewiesen, an denen sich auffallende sprachliche Ähnlichkeiten zu anderen Veröffentlichungen fänden. Auf seinem „Blog für wissenschaftliche Redlichkeit“ spricht er von „schwerwiegendem Textplagiaten“. Weber setzt sich seit Mai mit Baerbock auseinander, dem Tagesspiegel sagte er: „Ich habe mich in das Thema Baerbock verbissen.“

Seine Plagiatsvorwürfe sind umstritten. So twitterte etwa Felix W. Zimmermann, Volljurist und Journalist beim ZDF, dass an den Plagiatsvorwürfen nichts dran sei. Es handele sich um „bloße Übernahme von Sachinformation, wörtlicher Rede“, zudem gebe es kein Zitiergebot in der Populärliteratur. Auch die Grünen weisen die Plagiatsvorwürfe zurück - sie hatten gar von versuchtem „Rufmord“ gesprochen.

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, im Diskurs mit Olaf Scholz.

Unterstützung erhält die Grüne selbst vom ehemaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel: „Ich bin bestimmt kein Grünwähler, aber was mit Baerbock passiert, zeigt nur, wie armselig der Wahlkampf ist. .... Sie wird nur auf ihre politische ‚Schussfestigkeit‘ getestet. Mehr ist es nicht. ... Der journalistische Schaum vor dem Mund verdeckt nur den Voyeurismus, endlich mal wieder eine Frau scheitern zu sehen, die sich wagt, was zu wollen. ...“

Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock: Wissenschaftlicher Studien bedient?

Mit Martin Heidingsfelder, der den Anschuldigungen Webers zunächst nicht folgte, erhebt jetzt jedoch ein weiterer Plagiatsjäger Vorwürfe gegen Baerbock, wie das Nachrichtenportal T-Online berichtet. Heidingsfelder, Gründer der Internet-Rechercheplattform „VroniPlag“, nahm konkret die Stellen unter die Lupe, die eine Studie der Denkfabrik Agora Energiewende und des Wuppertal Instituts entnommen sein sollen.

So steht in Baerbocks Buch auf den Seiten 97 und 98: „Sollte der europäische CO2-Preis über die vertraglich festgelegten Vermeidungskosten steigen, muss das Unternehmen die Differenz an den Staat zurückzahlen. Eine Überförderung ist somit sehr unwahrscheinlich. Bei einer ambitionierten EU-Klimapolitik, die eine Steigerung des CO2-Preises nach sich ziehen würde, und hinreichend langer Vertragsdauer könnten dem Staat als geduldigem Investor über diesen Rückzahlungsmechanismus sogar zusätzliche Mittel zufließen.“

Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock durch Heidingsfelder erhärtet

Sehr ähnlich liest sich eine Passage auf Seite 112 der Studie: „Wenn der CO2-Preis im EU-ETS über den im CfD festgelegten Preis (strike price) steigt, muss das Unternehmen die Differenz an den Staat zurückzahlen. Eine Überförderung ist somit sehr unwahrscheinlich. Bei einer ambitionierten EU-Klimapolitik und hinreichend langer Vertragsdauer könnten dem Staat als geduldigem Investor sogar zusätzliche Mittel zufließen.“

Heidingsfelder ordnet zwar „Jetzt.“ nicht als „wichtiges Buch, kein wissenschaftliches Werk“ ein, dennoch habe Baerbock „nicht nur aus Publikumszeitschriften und Trivialliteratur etwas übernommen“, wird er von t-online zitiert. Baerbock habe „sich zusätzlich für ihre politischen Zwecke bei einer Studie von zahlreichen Wissenschaftlern bedient, und das geht einfach nicht. Sie sollte in Sack und Asche gehen.“

Direktor von Agora Energiewende sieht kein Problem bei Baerbock

Der Direktor von Agora Energiewende, Patrick Graichen, erklärte zur Causa, es sei Aufgabe einer solchen Denkfabrik, Ideen aus der Wissenschaft so aufzubereiten, dass sie ihren Weg in die Politik finden könnten. „Es ist daher keinesfalls ein ‚Plagiat‘, sondern vielmehr gerade in unserem Interesse, dass Politikerinnen und Politiker unsere Arbeit und Konzepte wie in diesem Fall ‚Carbon Contracts for Difference‘ aufgreifen.“ Zu der sprachlichen Ähnlichkeit der beiden Passagen äußerte sich Graichen nicht. (ktho/tu/lrg mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Felix Zahn/Photothek/Imago Images

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