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Annalena Baerbock: Bild und Welt skandalisieren ein aus dem Zusammenhang gerissenes Video

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Von: Moritz Serif

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Annalena Baerbock
Außenministerin Annalena Baerbock bei einer Rede. © Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

Außenministerin Baerbock hält eine Rede bei einer Podiumsdiskussion in Prag. Die Springer-Welt übernimmt ein geschnittenes Video. Auch die Bild-Zeitung spielt mit.

Prag – Aktuell trendet der Hashtag #BaerbockRücktritt bei Twitter – Nutzer:innen teilen darunter ein geschnittenes, aus dem Zusammenhang gerissenes Video, das Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zeigt, während sie eine Rede bei einer Podiumsdiskussion in Prag hält. Baerbock sagt unter anderem: „Wir sind solidarisch mit allen in unserem Land wie auch in der Ukraine.

Eine bearbeitete Aufnahme ist fokussiert darauf, wie sich Baerbock wie folgt äußert: „Ich werde meine Versprechen [gegenüber der Ukraine] erfüllen, egal was meine deutschen Wähler:innen denken.“ Durch die Kürzungen und den Schnitt entsteht fälschlicherweise der Eindruck, dass der Politikerin die Menschen in Deutschland egal seien und dass diese steigende Energiepreise alleine schultern müssten.

Annalena Baerbock: Außenministerin denkt an die Menschen in Deutschland

Tatsächlich sagt Baerbock im kompletten Original-Video, dass sie sehr wohl daran denke, dass Menschen bei steigenden Preisen auf die Straßen gehen könnten und sagen werden: „Wir können unsere Energierechnungen nicht mehr zahlen“ – sie werde ihnen aber antworten: „Ja, ich weiß. Wir helfen euch mit sozialen Entlastungsmaßnahmen. Die Sanktionen müssen allerdings bestehen bleiben.“

Unter anderem hat die AfD die aus dem Zusammenhang gerissene Aufnahme verbreitet, in dem die entscheidenden Aussagen fehlen. AfD-Politikerin Alice Weidel forderte Baerbock sogar zum Rücktritt auf. Sahra Wagenknecht, Linken-Politikerin, sprang ebenfalls auf den Zug auf. Auch die Springer-Zeitung Welt übernahm die Zitate aus dem Video. In einer ersten Version des Artikels hatte das Blatt die Worte der Außenministerin mit den Worten: Regierung stehe an Seite der Ukraine, „egal, was die deutschen Wähler denken“ falsch übersetzt.

Mittlerweile wurde das Zitat korrigiert. Doch erst, nachdem Medienkritiker Stefan Niggemeier bei Twitter gefragt hatte, weshalb die Welt auf Transparenzhinweise verzichte, fügte die Zeitung einen Transparenzhinweis hinzu.

Die korrigierte Überschrift Regierung stehe an Seite der Ukraine, „egal, was meine deutschen Wähler denken“, erweckt jedoch nach wie vor den Eindruck, dass Baerbock die Ukraine wichtiger sei, als Wähler:innen in Deutschland. Auf eine von FR.de von IPPEN.MEDIA gestellte Presseanfrage hat eine Welt-Sprecherin reagiert. „Bei der Übernahme des Zitats ist uns zunächst ein Fehler unterlaufen, den wir umgehend korrigiert haben und den wir bedauern. Die Korrektur wurde mit einem Hinweis unter dem Artikel transparent gemacht.“ 

Bild-Zeitung behauptet, Baerbock hätte für Entrüstung gesorgt

Auch die Bild-Zeitung hat einen Artikel namens Wirbel um diese Baerbock-Aussage online gestellt. Darin schreibt das Blatt, dass Baerbock für „Entrüstung“ gesorgt habe. Ein paar Absätze später heißt es jedoch, dass das Video aus dem Zusammenhang gerissen sei. Auf Anfrage, ob Ersteres dann nicht eine Falschaussage sei, hat die Bild bislang nicht geantwortet.

Beide Medien skandalisieren somit ein aus dem Zusammenhang gerissenes Video. Laut Volksverpetzer stammt die Aufnahme aus einer pro-russischen Propaganda-Kampagne. Das sei daran zu erkennen, dass das Video das Wasserzeichen des Pro-Kreml-Telegram-Kanals enthalte. (mse)

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