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Rund 2300 Helfer kümmern sich am Sonntag um die Migranten.
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Rund 2300 Helfer kümmern sich am Sonntag um die Migranten.

Aquarius

Ankunft eines Symbolschiffs

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Kaum wird die "Aquarius" in Valencia herzlich empfangen, warnen Rechte vor Konsequenzen.

Die Menschen an Bord der „Aquarius“ jubeln, und die Menschen, die sie im Hafen von Valencia empfangen, jubeln auch. Am Sonntagvormittag sind nach einer Woche auf dem Meer insgesamt 629 Migranten auf dem Rettungschiff „Aquarius“ und zwei Begleitschiffen sicher in Spanien angekommen. An die 2300 Helfer, Polizisten, Sanitäter, Psychologen, Dolmetscher, nehmen die Geretteten in Empfang, während rund 700 Journalisten das Ereignis aus einiger Entfernung beobachten. Die „Operation Mittelmeerhoffnung“ ist so weit ein großer Erfolg.

So viel Aufmerksamkeit für ein Migrantenschiff ist ungewöhnlich. „Hier kommen jeden Tag ,Aquarius‘ an“, stellte am Vortag Ana Rosado von der andalusischen Menschenrechtsorganisation APDAH fest. An der Straße von Gibraltar und weiter östlich davon half die spanische Seenotrettung am Freitag und Samstag insgesamt 933 Menschen in 68 Booten, sicher an Land zu kommen. An den Stränden der andalusischen Provinz Cádiz wurden am Freitag die Leichen vier weiterer Migranten angeschwemmt. Die Aktivistin Rosada wünschte sich für sie alle die gleiche Beachtung wie für die Ankömmlinge in Valencia.

Die „Aquarius“, ein Rettungsschiff der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranée, war in diesen Tagen unwillentlich zum Symbol für die alltägliche Realität der Migration über das Mittelmeer geworden. Die italienische Regierung hatte ihre Aufnahme verweigert, woraufhin sich Spanien als rettender Hafen anbot. Die neue sozialistische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte ein humanitäres Zeichen setzen.

Wobei alle Minister, die sich zu dem Thema äußerten, zugleich auf „Legalität“ bestanden: Dauerhaft aufgenommen werden sollen nur diejenigen, die vor Krieg oder politischer Verfolgung geflohen sind.

Den Menschen, die am Sonntag in Valencia ankamen, wird das Leben allerdings etwas leichter gemacht als den gewöhnlichen Bootsmigranten. Sie erhalten eine Aufenthaltsgenehmigung von 45 Tagen, um in aller Ruhe einen Antrag auf Asyl oder den Status eines Flüchtlings stellen zu können. Und wer das tut, kann schließlich auch nach Frankreich weiterreisen, wenn er will. So hat es der französische Präsident Emmanuel Macron am Samstag beschlossen. Pedro Sánchez bedankte sich per Telegramm für die Geste in letzter Minute „im Geist der europäischen Solidarität“.

Eben diese europäische Solidarität zieht die italienische Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte in Zweifel. „Wer einen Fuß auf italienischen Boden setzt, setzt einen Fuß auf europäischen Boden“, sagte er am Freitag. Italien will mit der zehntausendfachen Ankunft von Bootsmigranten nicht länger allein gelassen werden. Beim kommenden EU-Gipfel in zehn Tagen wird darüber gesprochen werden müssen. Der Herausforderung ist nicht mit schönen Gesten wie der am Sonntag in Valencia beizukommen.

Rechte Politiker und rechte Medien in Spanien warnen schon vor den Konsequenzen des freundlichen Empfang der „Aquarius“ und ihrer Passagiere. Statt nach Italien oder Griechenland würden sich die Migranten jetzt auf den Weg nach Spanien machen. Die deutliche Zunahme der Bootsankünfte in diesem und im vergangenen Jahr in Spanien dürfte jedoch vor allem auf ein geändertes Verhalten Marokkos zurückzuführen sein: Migranten sind zurzeit ein wunderbares Druckmittel in der internationalen Politik, um eigene Interessen durchzusetzen. Zum Beispiel ein verbessertes Fischereiabkommen mit der EU.

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