Malta

Anklage im Mordfall Caruana Galizia

Rücktritt von Maltas Premier wird erwartet.

Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta beschuldigt die dortige Justiz den einflussreichen Unternehmer Yorgen Fenech des Mordes und der Förderung einer kriminellen Vereinigung. Fenech wurde am Samstag offiziell angeklagt. Im Gerichtssaal zugegen war auch die Familie der Ermordeten. Sie hält Fenech für einen der Auftraggeber des Mordes.

Die Anklage erhöht den ohnehin massiven Druck auf Premier Joseph Muscat zurückzutreten. Der Unternehmer soll Kontakt zu einem der engsten Vertrauten des Regierungschefs gehabt haben. Mehrere Medien berichteten, Muscat wolle seine Ämter am 18. Januar niederlegen, wenn seine Partei einen neuen Vorsitzenden gewählt habe.

Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Die damals 53-Jährige hatte unter anderem über Korruption bei Regierung und Geschäftsmännern auf Malta recherchiert.

Fenech hatte angeboten, Informationen zu dem Mordfall zu liefern und im Gegenzug Straffreiheit gefordert. Dies wurde ihm verwehrt. Fenech ist Direktor eines Konsortiums, das 2013 von der Regierung den Auftrag erhalten hatte, ein Gaskraftwerk zu bauen. 2018 kam heraus, dass ihm auch eine geheime Offshoregesellschaft namens „17 Black“ gehörte. Caruana Galizia hatte Monate vor ihrem Tod über „17 Black“ geschrieben.

Vor dem Hintergrund der Mordermittlungen ist Stabschef Schembri bereits von seinem Posten zurückgetreten. Er wurde vorübergehend festgenommen. Caruana Galizia hatte ihn und den früheren Energie- und Tourismusminister Konrad Mizzi bezichtigt, Schmiergeld angenommen zu haben. (afp)

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