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Unterstützer des Ex-Staatsoberhaupts Laurent Gbagbo in Abidjan.

Elfenbeinküste

Anklage gegen Ex-Staatschef in Den Haag

Laurent Gbagbo entfesselte in der Elfenbeinküste einen Bürgerkrieg. Jetzt muss er sich dafür in Den Haag vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten.

Laurent Gbagbo entfesselte in der Elfenbeinküste einen Bürgerkrieg. Jetzt muss er sich dafür in Den Haag vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten.

Es ist ein Meilenstein in der gut zehnjährigen Geschichte des Weltstrafgerichtes. Zum ersten Mal steht am heutigen Dienstag ein ehemaliges Staatsoberhaupt vor den Richtern des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag. Laurent Gbagbo, Ex-Präsident der Elfenbeinküste, werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Er soll indirekt verantwortlich sein, für Mord, Vergewaltigung und Verfolgung im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste nach der Wahl im Dezember 2010 bis April 2011. Der Krieg dauerte nur wenige Monate, kostete aber 3000 Menschen das Leben.

Amtsinhaber Laurent Gbagbo hatte den Krieg ausgelöst, weil er nach seiner Wahlniederlage nicht abtreten wollte. Einst galt der promovierte Historiker in der Elfenbeinküste als Verfolgter: Zweimal war er wegen seiner ehemals sozialistisch orientierten Überzeugungen ins Gefängnis gewandert, hatte für sechs Jahre seine Heimat verlassen und im französischen Exil leben müssen. Von dort aus kämpfte er gegen die Militärregierung und setzte sich für die Einführung eines Mehrparteiensystems ein.

Im Jahr 2000 wurde der heute 67-Jährige in seinem Land zwar zum Präsidenten gewählt. Doch nicht alle Ivorer akzeptierten ihn als Staatschef . Jahrelang tobte ein blutiger Bürgerkrieg, in dem islamische Rebellen im Norden gegen Gbagbos Soldaten im christlich orientierten Süden kämpften. 2007 endete der Konflikt mit einem Waffenstillstand.

Für 2005 angesetzte Wahlen mussten wegen des Bürgerkrieges sowie diverser Manöver Gbagbos verschoben werden. So konnte er sich bis 2010 an der Macht halten. Doch dann unterlag er bei der Stichwahl im Dezember 2010 seinem langjährigen Widersacher Alassane Ouattara. Aber das Verfassungsgericht, in dem seine Anhänger das Sagen hatten, erklärte ihn zum Sieger

Im März 2011 verhaftet

Bei den Kämpfen, die im Frühjahr 2011 ausbrachen, liefen jedoch immer mehr Soldaten zu Ouattara über und Gbagbo musste sich im Präsidentenpalast verschanzen – bis er nach einem umstrittenen französischen Militäreinsatz im April 2011 verhaftet wurde. Sieben Monate später erfolgte die Überstellung an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag.

Doch die Elfenbeinküste, einst der wohlhabendste Staat Westafrikas, war danach ruiniert. Die frühere französische Kolonie hatte sich nach der Unabhängigkeit 1960 langer politischer Stabilität erfreut. Angehörige von rund 60 Ethnien und Glaubensrichtungen (39 Prozent Muslime, 33 Prozent Christen und 12 Prozent traditionelle afrikanische Religionen) lebten friedlich zusammen.

Vor zwei Jahrzehnten setzten erste Spannungen mit rund vier Millionen Zuwanderern aus Nachbarländern ein. Militärputsch und Bürgerkriege folgten und die Ökonomie kollabierte. Lebten 2008 laut einer Schätzung der Weltbank knapp 43 Prozent der Ivorer unter der Armutsgrenze, waren es 1985 nur 10 Prozent gewesen. Als Amtsinhaber Laurent Gbagbo nach seiner Niederlage 2010 im Amt blieb, verhängte die internationale Gemeinschaft auch noch Sanktionen gegen das Land. Fortan könnte es aber wieder aufwärts gehen: Für 2013 werden 8,5 Prozent Wachstum prognostiziert. (dpa)

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