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Koran zerrissen: Türkei reagiert auf Pegida-Aktion in den Niederlanden

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Von: Erkan Pehlivan

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Nach der Koran-Verbrennung in Stockholm wird in Den Haag der Koran öffentlich zerrissen. Ankara bestellt deswegen den Botschafter in Ankara ein.

Ankara – Die türkische Regierung hat den niederländischen Botschafter einbestellt. Sie reagierte damit auf eine Aktion des niederländischen Pegida-Chefs Edwin Wagensveld, der am Sonntag (22. Januar) in Den Haag öffentlich einen Koran zerrissen haben soll. Einen „niederträchtigen Angriff“ auf „unser heiliges Buch“, nannte das türkische Außenministerium die Aktion in einer Mitteilung. Das zeige, dass die Islamfeindlichkeit, die Diskriminierung und der Fremdenhass keine Grenzen mehr kenne, so das türkische Ministerium.

Türkei protestiert gegen Koran-Verbrennung

Kurz zuvor hatte Rasmus Paludan vor der türkischen Botschaft in Stockholm einen Koran verbrannt. Das hatte international zu scharfer Kritik geführt. Das US-Außenministerium nannte die Aktion des Rechtsextremisten „respektlos“. In der Türkei kam es daraufhin in mehreren Städten zu Protesten.

Vor dem schwedischen Generalkonsulat in Istanbul und der schwedischen Botschaft hatten sich Nationalisten und Islamisten versammelt, um gegen die Koran-Verbrennung zu demonstrieren. Sie skandierten antiwestliche Slogans und verbrannten schwedische Flaggen.

Wegen Koran-Zerreißen in Den Haag hat Ankara den niederländischen Botschafter einbestellt.
Der niederländische Pegida-Chef Edwin Wagensveld bringt die Türkei gegen sich auf. © Romy Arroyo Fernandez

Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Koran-Verbrennung scharf. „Ihr müsst den Glauben der Muslime respektieren. Wenn ihr diesen Respekt nicht zeigt, tut es mir leid, aber ihr werdet dann keine Unterstützung von uns für eine Nato-Mitgliedschaft bekommen“. In Schweden und in den Niederlanden gelten solche Aktionen als Ausdruck der Meinungsfreiheit.

Aktionen der Rechtsextremen spielen Erdogan vor Türkei-Wahl in die Karten

Für den Türkei-Experten Savas Genc spielen die Aktionen der Rechtsradikalen dem türkischen Präsidenten vor der anstehenden Türkei-Wahl am 14. Mai in die Karten. „Diese Koran-Verbrenner sehen nicht, dass sie im Vorfeld der Wahlen dem Islamisten eine große Unterstützung geben“, sagte der Politikwissenschaftler im Gespräch mit FR.de. Diese Aktionen führten dazu, dass es in der Türkei eine polarisierende Politik gebe. „Zudem wird die Stimme der säkulär-demokratischen Kräfte verstummen. Genauso wie die Islamisten am äußersten Rand eine große Gefahr für einen demokratisch-säkulären Staat sind, sind es auch Populisten und Rechtsradikale. Wir können sehen, wie diesen beide sich gegenseitig unterstützen“, so Genc. (Erkan Pehlivan)

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