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„Angst vor Drohungen der Taliban“

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Einsatz der „mobilen Schule“ im Bezirk Spin Boldak in der Provinz Kandahar. Pen Path Volunteers
Einsatz der „mobilen Schule“ im Bezirk Spin Boldak in der Provinz Kandahar. © Pen Path Volunteers

Lehrerin Mina über ihre Arbeit bei Pen Path Volunteers

„Mein Name ist Mina und ich komme aus der afghanischen Provinz Kandahar. Ich bin 22 Jahre alt und eine der Lehrerinnen beiPen Path Volunteers. Seit fünf Jahren arbeite ich jetzt in geheimen Mädchenschulen. Es gibt viele Faktoren, die diese Arbeit sehr schwierig machen. Insbesondere seit die Taliban im vergangenen Sommer die Macht übernommen haben, gehen wir sehr vorsichtig vor. Ich habe Angst vor Drohungen der Taliban gegen mich und meine Familie. In der Situation, in der Afghanistan sich befindet, ist das ein harter Kampf.

Bislang habe ich nicht darüber nachgedacht, das Land zu verlassen. Wenn ich ernsthaft in Gefahr sein sollte, ist es sicher verständlich, dass ich alles versuchen werde, um mein Leben zu retten. Aber ich habe mir selbst, meinem Land und dieser Gesellschaft versprochen, dass ich sie nicht verlassen werde. Ich will mein Bestes geben! So geht es allen Freiwilligen, die bei Pen Path arbeiten. Wir wollen diesem Land dienen und es zum Positiven verändern.

Als ich anfing mit meiner Lehrtätigkeit gab es in den vom Krieg zerrissenen Regionen, in denen ich unterrichte, gar keine Schulen, keine Bildung. Doch heute gibt es sie, und ich habe knapp 120 Schülerinnen. Ich mache das gemeinsam mit drei anderen Lehrerinnen. Wir unterrichten sie, und sie lernen fleißig. Mädchen, die vor einigen Jahren den Wert der Bildung noch nicht kannten, haben nun großes Interesse daran und wollen zum Teil selbst Lehrerinnen werden. Sie möchten die Gesellschaft verändern, und ich bin sicher, dass sie das auch tun werden.

Ich habe jedoch Angst, dass die Taliban die Oberschulen für Mädchen weiterhin geschlossen halten und dass sie herausfinden, dass wir geheime Mädchenschulen betreiben. Ich appelliere an die Welt, Druck auf die Taliban auszuüben oder mit ihnen zusammenzuarbeiten, damit sie die Schulen ganz offiziell wieder öffnen und den Bau neuer Schulen zulassen. Jedes Mädchen und jeder Junge hat einen sicheren Platz zum Lernen verdient. Ich bin stolz, in geheimen Schulen zu unterrichten und meinen Teil beitragen zu dürfen – allen Problemen und Herausforderungen zum Trotz.“

Aufgezeichnet von Elisa Rheinheimer

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