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Der brandenburgische Grünen-Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke, hier mit seiner sächsischen Kollegin Franziska Schubert, kann optimistisch sein.

Die Grünen

„Angst ist mir eigentlich fremd“

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Die Grünen gehen mit breiter Brust und mit guten Chancen in die Brandenburg-Landtagswahlen. Dabei war der Osten früher sie ein unsicheres Pflaster.

Ostdeutschland war für die Grünen lange ein unsicheres, bisweilen sogar ein unbequemes Pflaster. In Magdeburg zum Beispiel wurde die Chefin der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, die bekanntlich aus Thüringen kommt, 2016 von einer Unbekannten bespuckt. In Sachsen-Anhalt war es auch, wo die Ökopartei bei der vergangenen Wahl nur knapp die FünfProzent-Hürde schaffte – und seither in einer „Kenia-Koalition“ dafür sorgen muss, dass die zum Teil AfD-nahe CDU-Landtagsfraktion nicht ganz nach rechtsaußen ausbricht.

Im Sommer 2019 ist vieles anders, so auch die Gemengelage der Grünen. Bei der sächsischen Landtagswahl am 1. September könnten sie ihr Ergebnis von 2014 mehr als verdoppeln. Letzte Umfragen sehen die Partei bei zwölf Prozent. In Brandenburg dürften es mit 15 bis 17 Prozent sogar noch deutlich mehr werden. Denkbar ist mittlerweile sogar, dass die grüne Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher Ministerpräsidentin wird.

In Thüringen, wo am 27. Oktober gewählt wird, sitzen die Grünen seit 2014 ohnehin in der Regierung. Hier dürfte ihr Ergebnis ausschlaggebend dafür sein, ob es noch einmal für Rot-Rot-Grün unter Führung des Linken Bodo Ramelow reicht. Wenn nicht, wird die Partei wohl Teil einer anderen Drei-oder Vier-Parteien-Koalition gegen die AfD werden.

Gründe für diese Entwicklung gibt es viele. Da ist vor allem in Sachsen und Thüringen die längst notorische Schwäche der SPD. Da ist der Umstand, dass die Grünen als zentraler Gegenpol zur AfD betrachtet werden. Außerdem macht sich nicht zuletzt in Ostdeutschland der Klimawandel bemerkbar. Im Thüringer Wald färben sich viele Bäume braun; sie sind wegen der Dürre abgestorben. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der sich für die Braunkohle starkgemacht und die Schulstreiks von „Fridays for Future“ kritisiert hatte, griff unlängst zur Gießkanne, um Bäumen im heimischen Wittenberg Wasser zu spenden.

Themen sind angekommen

Die grüne Parteivorsitzende Annalena Baerbock erschien am Montag mit Nonnemacher und der sächsischen Spitzenkandidatin Katja Meier vor Berliner Journalisten. Alle drei waren voller Optimismus. Baerbock, aus Hannover stammend und in Brandenburg politisch groß geworden, sprach von „Zuversicht“ sowie davon, dass man den „Zusammenhalt stärken“ müsse. Und sie betonte: „Im Osten – da geht was.“ Nonnemacher sagte: „Unsere Themen sind in Brandenburg angekommen.“ So spürten die Menschen, dass man gegen die Erderwärmung etwas tun müsse.

Überdies machte die grüne Spitzenfrau aus Falkensee bei Berlin deutlich, dass sie die Verantwortung als Regierungschefin nicht scheuen würde. „Posten sind sekundär“, sagte die 62-Jährige und erinnerte an die Landtagswahl 1999, als die Grünen mit 1,9 Prozent der Stimmen krass gescheitert seien. Sie fügte jedoch hinzu, wenn diese im Wettstreit der Parteien am 1. September nun vorne einlaufen würden, „stünde ich bereit“.

Auf die Frage, ob sie davor keine Angst habe, erwiderte Nonnemacher schnörkellos: „Respekt habe ich schon. Aber Angst ist mir eigentlich fremd.“

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