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Frankreich: Corona-Impfgegner werden zunehmend gewalttätig

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Von: Stefan Brändle

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Am Samstag protestierten in Frankreich weniger als 40 000 Menschen gegen die Corona-Impfung – ein kleiner, aber harter Kern.
Am Samstag protestierten in Frankreich weniger als 40.000 Menschen gegen die Corona-Impfung – ein kleiner, aber harter Kern. © Rafael Yaghobzadeh/dpa

Gegnerinnen und Gegner der Corona-Impfung attackieren in Frankreich zunehmend Abgeordnete.

Paris – Ein Abgeordneter erhielt eine Voodoo-Puppe mit ausgestochenen Augen, ein anderer eine Gewehrkugel. Ein Dritter las: „Du wirst öffentlich enthauptet, dein Blut wird den Asphalt beflecken, dein Kopf wird im Rinnstein enden. Die Gesundheits-Diktatur wird noch böse enden.“

Am Wochenende war Romain Grau an der Reihe, auch er Mitglied der Macron-Partei „La République en marche“ (LRM). Als mehrere Hundert Impfgegner:innen zu seinem Büro in Perpignan zogen, stellte er sich mutig der Diskussion. Die Demonstrierenden wollten aber nicht diskutieren. Sie schrien: „Hast du für den Impfpass gestimmt? Ja, du hast für den Impfpass gestimmt.“ Einer versetzte dem Abgeordneten einen Kinnhaken. Ein Nachbar, der dazwischen gehen wollte, bekam eine Ohrfeige. Schimpfwörter prasselten auf Grau nieder, eine Scheibe ging zu Bruch. Einer schrie „À mort!“: „Tötet ihn!“

Corona-Pandemie in Frankreich: Impfgegner werden gewalttätig

Der Zeitpunkt der Attacke ist kein Zufall: Seit Montag gilt in Frankreich eine neue Corona-Impfpass-Regel. Die Mehrheit der Nationalversammlung, angeführt von den LRM-Abgeordneten, stimmte nach mehrtägigen Debatten dafür. Der Pass ersetzt das weniger strikte Gesundheitszertifikat und macht eine Impfung für das Betreten von Restaurants, Kinos und dergleichen obligatorisch. Zehn Millionen Menschen weigern sich weiter – gegenüber 52 Millionen Erstgeimpften im Land.

Am Samstag gingen landesweit weniger als 40.000 Impfgegner:innen auf die Straße, was für Frankreich einer schwachen Mobilisierung gleichkommt. Doch die verbleibenden „No vax“-Aktivist:innen, die sich vom öffentlichen Leben ausgeschlossen fühlen, werden zunehmend rabiat, ja gewalttätig. Die von Ausschreitungen begleiteten Protestzüge zu den Wohnsitzen oder Büros von LRM-Abgeordneten mehren sich. Stéphane Claireaux wurde minutenlang mit Algen und Seetang beworfen.

Auto ausgebrannt: Gegner von Corona-Maßnahmen greifen Abgeordnete in Frankreich an

Jean-Marc Zulesi erhielt vor der Abstimmung die Drohung: „Ich bin bis zum Hals bewaffnet. Passen Sie gut auf, wie Sie abstimmen; verwechseln Sie nicht den Abstimmungsknopf.“ Jacqueline Dubois fand ihr Auto ausgebrannt vor. Pascal Bois’ Wagen wurde mitsamt Garage in Brand gesteckt.

Die Nationalversammlung hat eine Ansprechperson geschaffen, die attackierte Abgeordnete berät. Innenminister Gérald Darmanin lässt ihre Wohnorte überwachen. Ihm zufolge gab es seit dem Sommer 500 Attacken auf Abgeordnete. In 150 Fällen erstatteten die Opfer Anzeige. Marie-Christine Verdier-Jouclas, die nach eigenen Angaben schon als „Hure“, „Schlampe“ oder „Nazi“ tituliert wurde, erklärte, sie lasse sich in ihrer Arbeit nicht beirren. „Aber es ist hart“, fügte sie an. „Man gewöhnt sich nie daran.“

Frankreich: Corona-Proteste richten sich gegen Macron

Der öffentliche Aufschrei hält sich allerdings in Grenzen. Derlei Pöbeleien haben in Frankreich Tradition. Schon bei den Gelbwestenprotesten vor drei Jahren hatte sich gezeigt, dass die Hemmschwellen generell sinken. Präsident Emmanuel Macron hat zudem noch selbst Öl ins Feuer gegossen, als er Anfang Januar erklärte, er wolle die Ungeimpften „nerven“.

Oft der Arroganz bezichtigt, bewirkt der Staatschef bei vielen Menschen auffallend abfällige, wenn nicht hasserfüllte Reaktionen. Bei Auftritten hat er selbst schon eine Ohrfeige oder Eierwürfe kassiert. Normalerweise schützt ihn seine sakrosankte Präsidialfunktion. Anders seine Abgeordneten: Wenn die Impfgegner:innen auf sie losgehen, meinen sie wohl Macron. (Stefan Brändle)

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