Die Kathedrale der koptischen Christen steht im Zentrum der Hauptstadt.
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Die Kathedrale der koptischen Christen steht im Zentrum der Hauptstadt.

Ägypten

Angriff auf betende Frauen in Kairo

  • Martin Gehlen
    vonMartin Gehlen
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In der ägyptischen Hauptstadt sterben mindestens 25 Menschen bei einem Anschlag auf die St.Peter-und-Paul-Kirche. Viele Überlebende schweben noch in Lebensgefahr.

Bei dem schwersten Attentat auf Christen in der jüngeren Geschichte Ägyptens sind am Sonntag in Kairo mindestens 25 Gläubige getötet und über 30 verletzt worden – die meisten Frauen und Kinder. Viele Überlebende schweben noch in Lebensgefahr. Nach Angaben des Innenministeriums explodierte die Bombe während der Sonntagsmesse in der St.Peter-und-Paul-Kirche, die sich direkt neben der Markus-Kathedrale in Abbasiya befindet, dem Sitz des koptischen Papstes Tawadros II. Handy-Videos nach der Explosion zeigten weinende und verletzte Menschen, die in dem verwüsteten Inneren des dreischiffigen Gotteshauses nach ihren Angehörigen suchten.

„Überall waren Leichen, abgerissene Arme und Beine lagen auf dem Boden, die Bombe hatte einigen den Kopf abgerissen“, berichtete ein Zeuge. Auf Fotos sind Blutlachen, Kinderschuhe und auch ein zerfetztes Kopftuch zu sehen. Anders als die streng bewachte Papst-Kathedrale, steht die Kirche St. Peter und Paul direkt an der Straße. Angehörige beschuldigten die Polizeiwachleute, diese hätten zur fraglichen Zeit Frühstück gemacht. Gottesdienstbesucher hatten zunächst berichtet, der Sprengsatz sei durch ein Fenster in das Innere geschleudert worden. Andere sagten aus, eine Frau mit auffälligem Benehmen habe die Bombe kurz vorher neben dem Altar platziert.

Präsident Abdel Fattah al-Sissi ordnete eine dreitägige Staatstrauer an und erklärte, diese Tat werde nur Ägyptens Entschlossenheit stärken, alle Terroristen und ihre Helfer zu ermitteln und vor Gericht zu stellen. „Diese ekelhafte Terrorexplosion ist ein schweres Verbrechen gegen alle Ägypter“, erklärte Ahmed al-Tayyeb, der Chef von Al Azhar, der höchsten Lehranstalt des sunnitischen Islam.

Bisher bekannte sich niemand zu dem Verbrechen, was innerhalb von 48 Stunden das zweite schwere Attentat in der ägyptischen Hauptstadt war. Am Freitag hatten Terroristen im Stadtteil Giza an einer Straßensperre auf dem Weg zu den Pyramiden eine Autobombe gezündet, welche sechs Polizisten in den Tod riss. Die Verantwortung für diese Terrortat reklamierte eine militante Gruppe mit dem Namen „Bewegung Hasm“, die nach Angaben ägyptischer Sicherheitsbehörden in Verbindung zu den Muslimbrüdern steht.

Die ägyptischen Kopten, die zu den ältesten christlichen Gemeinschaften des Orients gehören, klagen seit Jahrzehnten über Diskriminierung und religiös motivierte Gewalt. Das bisher schwerste Attentat gegen die Minderheit am Nil ereignete sich in der Neujahrsnacht 2011, also sechs Wochen vor dem Sturz von Hosni Mubarak durch den Arabischen Frühling. Damals riss in Alexandria ein Selbstmordattentäter vor der Kirche der Zwei Heiligen 21 Beter mit in den Tod. Im Oktober 2011 fuhren Soldaten nach einer Demonstration von Christen mit gepanzerten Fahrzeugen in die Menge und walzten zwei Dutzend Kopten zu Tode.

Nach dem Sturz des Islamisten-Präsidenten Mohammed Mursi durch Sissi und der blutigen Räumung der beiden Muslimbrüder-Protestlager in Kairo sahen sich die Christen im August 2013 in ganz Ägypten einem Rachefeldzug ausgesetzt. Islamisten plünderten und zündeten mehr als 60 Kirchen an, die meisten sind wieder aufgebaut.

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