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Menschen versammeln sich auf dem Meskel-Platz, um an einer von der Regierung organisierten Demonstration gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) teilzunehmen.
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Menschen versammeln sich auf dem Meskel-Platz, um an einer von der Regierung organisierten Demonstration gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) teilzunehmen.

Äthiopien

Angespannte Lage in Addis Abeba

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Repression, Protest und teure Nahrungsmittel in Äthiopiens Hauptstadt.

Noch ist Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba nur für Menschen, die aus der Tigray-Provinz stammen, gefährlich. „Einer meiner tigrinischen Freunde nach dem anderen wird derzeit verhaftet“, erzählt ein Kollege, der die Metropole zu seiner Heimat gemacht hat: „Auch wenn sie mit Tigrays Volksbefreiungsfront (TPLF) nicht das Geringste zu tun haben.“ Ansonsten sei von Panik unter den fünf Millionen Menschen in der Stadt noch nichts zu spüren – auch nachdem einige Länder ihren nicht dringend benötigten Botschaftsangestellten die Ausreise angeordnet haben.

Äthiopiens Regierung forderte die Menschen in der Hauptstadt auf, sich für die Verteidigung zu rüsten: Sie sollen ihre Waffen registrieren lassen und sich in Nachbarschaftsmilizen organisieren. Indessen ist der Feind in Gestalt der TPLF-Rebellen noch fast 400 Kilometer entfernt – allerdings sollen die Kämpfer der „Oromo Befreiungsarmee“ (OLA) dem Sitz der Afrikanischen Union (AU) schon sehr viel näher sein. Angaben über die militärische Stärke der OLA sind aber lückenhaft.

Am Wochenende versammelten sich Tausende in Addis Abeba, um Premierminister Abiy Ahmed ihre Treue zu schwören: Sie seien bereit, sich an die Front transportieren zu lassen, um sich dem aus Tigray heranmarschierenden Feind entgegenzustellen, sagten viele von ihnen. Als ein bekannter Sänger während der Kundgebung Versöhnung statt Krieg fordert, wird sein Mikrofon abgestellt.

Bei den Demonstrierenden handele es sich vor allem um aus der Provinz Herbeikutschierte, meint der Kollege: Unter den Hauptstadtbewohner:innen sei die Begeisterung für Abiy abgekühlt. Keines der gelben oder grün-weißen Taxis habe noch – wie vor zwei Jahren – ein Bild von ihm im Fenster: Seine Kriegstreiberei hat den Friedensnobelpreisträger im urbanen Zentrum des Landes zur Persona non grata gemacht.

Im fernen Washington trafen sich am Freitag Vertreter:innen von neun äthiopischen Oppositionsparteien, um die „Vereinigte Front föderaler und konföderaler Kräfte“ zu gründen und den Rücktritt von Abiy zu fordern. Außer der TPLF und OLA gehören der Front jedoch keine landesweit relevanten Organisationen an. Es handele sich um eine „aufgeblasene Werbekampagne“, befand der äthiopische Justizminister Gedion Timothewos: „Ich glaube nicht, dass die irgendeinen Einfluss haben.“ Zumindest in dieser Hinsicht ist der Kollege geneigt, dem Minister Recht zu geben.

In einem „Statement“ rief der UN-Sicherheitsrat die äthiopischen Kriegsparteien ebenfalls am Freitag zum sofortigen Waffenstillstand und zur Aufnahme von Friedensgesprächen auf. Selbst Russland und China nahmen von ihrer üblichen Formel der Nichteinmischung in die „inneren Angelegenheiten“ Äthiopiens Abstand. Jeffrey Feltman, Sonderbeauftragter der US-Regierung für das Horn von Afrika, traf sich am selben Tag mit Regierungschef Abiy: Von der Aufnahme von Verhandlungen war allerdings auch danach keine Rede. Die AU ernannte den ehemaligen nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo zu ihrem Vermittler: Der wird wegen seiner Nähe zu Abiy – beide sind charismatische Christen – von der TPLF jedoch nicht anerkannt. Trotzdem traf Obasanjo am Sonntag in Tigrays Hauptstadt Mekelle ein.

Unterdessen scheint der Rebellenvormarsch anzuhalten. Regierungskräfte bauten nahe der Stadt Debre Berhan eine neue Verteidigungslinie auf, heißt es: keine 150 Kilometer von Addis entfernt. Dort haben die Menschen indes gegen einen anderen Feind als den uniformierten zu kämpfen: Die Preise für Nahrungsmittel schießen in die Höhe, die Inflation ist bei über 50 Prozent. Abiys seit einem Jahr tobender Krieg gegen die TPLF soll die Staatskasse bereits 2,5 Milliarden US-Dollar gekostet haben: Falls die Rebellen die Hauptstadt nicht einnehmen, wird sie von den Kriegskosten verheert.

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