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Bundeskanzlerin

Angela Merkel - Eurokrise, „Wir schaffen das“ und das Coronavirus

  • Sonja Thomaser
    vonSonja Thomaser
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Nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin tritt Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2021 nicht mehr an. Zuvor muss sie aber noch die größte Krise ihrer Kanzlerinnenschaft bewältigen.

  • Angela Merkel ist seit 16 Jahren Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.
  • 2018 gab Merkel bekannt, dass sie bei der Bundestagswahl 2021 nicht erneut als Bundeskanzlerin zu kandidieren.
  • Ein Überblick über Angela Merkels politisches Leben.

Berlin - Ihr letztes Jahr als Bundeskanzlerin hatte sich Angela Merkel mit Sicherheit so nicht vorgestellt. Ihr Rückzug vom Amt war von langer Hand geplant, Merkel kündigte bereits am 29. Oktober 2018 in einer Präsidiumssitzung an, nach Ende der Legislaturperiode im Jahr 2021 das Amt der Bundeskanzlerin nicht erneut anzustreben. Damals war das Coronavirus noch nicht in Sicht.

Am Ende einer ereignisreichen Kanzlerinnenschaft, die dann 16 Jahre gedauert haben wird, und damit genauso lange wie die Kanzlerschaft ihres ehemaligen Mentors Helmut Kohl, steht Merkel nun also vor ihrer größten Herausforderung: Die Corona-Krise. Es wird eine von vielen großen Krisen in Merkels Amtszeit werden, in der sie persönlichen wie politischen Angriffen standhalten muss.

Aber Merkel ist eine politische Persönlichkeit, die durch Souveränität, Fachwissen und Bodenständigkeit national wie international ein hohes Ansehen genießt. So erklärte Merkel im April 2020 zu Beginn der Pandemie in einer Pressekonferenz, warum der Reproduktionsfaktor des Virus, sprich seine Infektionsrate, solch‘ eine Schlüsselrolle für ihre Politik spielt und erläuterte so den Virus-Verlauf und die Notwendigkeit des Lockdowns, während politische Oberhäupter anderer Länder noch Infektionszahlen schönredeten oder gar das Coronavirus leugneten. Doch der Reihe nach.

Am Ende einer ereignisreichen Kanzlerschaft steht Angela Merkel vor ihrer größten Herausforderung: Der Coronakrise.

Angela Merkel und die DDR: Die Grundlage der Verschwörungstheorien

Angela Merkel wurde als Angela Kasner am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren, ihre Eltern siedelten einige Wochen nach ihrer Geburt in die DDR um. Merkel war eine sehr gute Schülerin und studierte nach dem Abitur Physik an der ehemaligen Karl-Marx-Universität in Leipzig, die heutige Universität Leipzig. 1977 heiratete sie den Physikstudenten Ulrich Merkel, die Ehe wurde 1982 geschieden.

1978 machte Angela Merkel ihren Abschluss, anschließend nahm sie eine Stelle am Zentralinstitut für Physikalische Chemie (ZIPC) der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Adlershof an. Hier lernt sie 1984 den Quantenchemiker Joachim Sauer kennen, den sie 1998 heiratet. 

Dr. Angela Dorothea Merkel
Geburtstag17. Juli 1954
ParteiChristlich Demokratische Union
AmtBundeskanzlerin
Ausbildungpromovierte Physikerin

1986 reichte Merkel ihre Dissertation mit dem Thema „Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden“ ein. Nach der Promotionsordnung musste dem Antrag auf Promotion der Nachweis beigefügt werden, dass die während des Studiums erworbenen Kenntnisse des Marxismus-Leninismus wesentlich vertieft und erweitert worden waren. Merkel fertigte zum Nachweis eine schriftliche Arbeit mit dem Titel „Was ist sozialistische Lebensweise?“ an, die im Gegensatz zu all ihren anderen akademischen Leistungen, die alle sehr gut waren, nur mit „genügend“ bewertet wurde.

Merkels Herkunft als DDR-Bürgerin war und ist immer wieder Grundlage von Kritik und Verschwörungstheorien. Merkel war in ihrer Zeit in der DDR weder Mitglied der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), die Staatspartei der DDR, noch einer der Blockparteien, die den Anschein einer Mehrparteiendemokratie erwecken sollten. Sie war aber auch nicht in der Opposition aktiv. Während ihrer Tätigkeit für die Akademie der Wissenschaften engagierte sie sich in ihrer FDJ-Gruppe, einem kommunistischen Jugendverband. Nach eigenen Angaben war Merkel dort als Kulturreferentin tätig. Zeitzeugen, die der Merkel-Biograf Gerd Langguth befragt hat, sprachen davon, sie sei für „Agitation und Propaganda“ zuständig gewesen.

Angela Merkel beginnt politisch aufzusteigen - unter Kohl

Die politische Karriere von Angela Merkel begann in der DDR beim im Dezember 1989 neu gegründeten Demokratischen Aufbruch (DA) als provisorische Systemadministratorin, dann hauptberuflich als Sachbearbeiterin. 1990 trat die DA der westdeutschen CDU bei.

Nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 bewarb sich Merkel bei der Bundestagswahl erstmals um ein Bundestagsmandat, das sie auch erhielt. Der Wahlsieger Helmut Kohl nominierte sie überraschend für ein Ministeramt in seinem Kabinett, als Bundesministerium für Frauen und Jugend. 1994 wird sie - nicht weniger überraschend - Umweltministerin.

Angela Merkel: „Kohls Mädchen“ und die Parteispendenaffäre

Merkels schneller Quereinstieg gründete sich auf die Gunst des Bundeskanzlers Kohl, der ihr wohlwollend gegenüberstand. Merkel und Kohl waren sich 1990 in Hamburg beim CDU-Parteitag begegnet, im November 1990 hatte er Merkel nochmals zu einem Gespräch ins Kanzleramt nach Bonn eingeladen, bevor er sie als Ministerin ernannte.

„Mein Mädchen“ nannte ihr politischer Mentor Merkel - eine Bezeichnung, die ihr lange anhaften wird. Erst im Zuge der Parteispendenaffäre, bei der 1999 die illegale Spendenpraxis der CDU in den 90er-Jahren unter dem damaligen CDU-Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Helmut Kohl aufgedeckt wurde, distanziert sich Merkel, die da bereits CDU-Generalsekretärin ist, öffentlich von ihrem politischen Ziehvater. Kohls Groll darüber wird bis zu seinem Tod andauern.

Angela Merkel wird Bundeskanzlerin von Deutschland

2000 wurde Merkel zur neuen CDU-Bundesvorsitzenden gewählt, für die CDU folgten aufgrund der Nachwehen der Spendenaffäre einige erfolglose Jahre. 2005 kam es zur vorgezogenen Bundestagswahl, Merkel wurde trotz viel Gegenwind aus der eigenen Partei als Kanzlerkandidatin von CDU/CSU bestimmt. 

Die Union erreichte mit der Spitzenkandidatin Angela Merkel 35,2 Prozent, das schlechteste CDU-Ergebnis seit 1949, bei dem gesamten Unions-Ergebnis das zweitschlechteste. Merkel konnte sich aber dennoch auf einen knappen Vorsprung von vier Sitzen und damit einen der engsten Wahlausgänge der bundesdeutschen Geschichte stützen, da auch die SPD deutliche Stimmeneinbußen hinnehmen mussten.

Am 22. November 2005 wurde Angela Merkel zur Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Nach sieben männlichen Amtsvorgängern war Merkel die erste Frau im Amt. Gleichzeitig war sie mit 51 Jahren die jüngste Amtsinhaberin, die erste Person aus den neuen Bundesländern und die erste Naturwissenschaftlerin.

Angela Merkel: Die Klimakanzlerin?

Merkel wollte sich als Klimakanzlerin etablieren: Bis 2020 sollte Deutschland 40 Prozent weniger Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen. Sie engagierte sich für Klimaziele auf europäischer und internationaler Ebene. Halten konnte Merkel das nicht. Deutschland konnte das selbstgesetzte Klimaziel nicht erreichen.

Angela Merkel und die Wirtschaftskrise 2007

Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 kam es zur Eurokrise, in der Merkel immer wieder bekräftigte, dass der Euro eine starke Währung sei. Merkel trat für einen strikten Sparkurs ein, der von einigen Kritikern wie dem Internationalen Währungsfonds als wachstumshemmend und krisenverschärfend betrachtet wird.

International büßte Merkel in dieser Zeit deutlich an Beliebtheit ein, denn sie verweigerte Forderungen der europäischen Partner, weitere staatliche Milliarden zur Ankurbelung der Konjunktur zu bewilligen. 

Angela Merkel: „Wir schaffen das“ und Flüchtlingskanzlerin

„Wir schaffen das“ wird wahrscheinlich der Satz sein, mit dem man Angela Merkels Kanzlerinnenschaft für immer verbinden wird. Die unerwartete humanitäre Geste, die Grenzöffnung für gestrandete Geflüchtete im Spätsommer 2015 und die von ihr proklamierte, neue Willkommenskultur brachte Merkel den Beinamen der „Flüchtlingskanzlerin“ ein. Die Bezeichnung ist auf der einen Seite zwar positiv besetzt, wird aber von rechten Politiker:innen gegen sie verwendet.

Angela Merkel und die USA: Bizarre Momente mit Donald Trump

So gut die Beziehung von Angela Merkel zu US-Präsident Barack Obama war, so schlecht war sie zu seinem Nachfolger Donald Trump. Dessen „America first“-Doktrin schuf ein großes Maß an Unsicherheit in der internationalen Politik.

US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Beginn eines bilateralen Gesprächs nach der Arbeitssitzung des Nato Gipfels im Dezember 2019.

Bei Treffen von Merkel und Trump kam es immer wieder zu bizarren Momenten, wie ein verweigerter Handschlag von Seiten Trumps und Ausführungen über sein „deutsches Blut“. Die Erleichterung der Kanzlerin nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 und dem Sieg von Joe Biden war deutlich spürbar.

Angela Merkel und der rechte Terror: Von NSU bis nach Hanau

In Angela Merkels Amtszeit als Bundeskanzlerin fielen diverse rechtsradikal motivierte Anschläge und Mordtaten wie etwa:

  • 2006 einige Morde des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)
  • die Aufdeckung der NSU-Gruppe im Jahr 2011
  • der Mordfall Walter Lübcke im Jahr 2019
  • der Anschlag in Halle mit zwei Toten
  • der Anschlag in Hanau im Jahr 2020

„Wir stellen uns denen, die versuchen, in Deutschland zu spalten, mit aller Kraft und Entschlossenheit entgegen“, sagte Merkel nach der Tat in Hanau.

Angela Merkel und die Coronakrise: „Zeigen Sie Vernunft und Herz“

Am Ende von Merkels Amtszeit steht nun das Coronavirus. Merkel betont immer wieder die Gefahren, die von dem Virus ausgehen und ruft die Bürger:innen dazu auf, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Zu Beginn der Pandemie im März 2020 appellierte sie an die Bevölkerung: „Bitte ziehen Sie alle mit. Tun sie jetzt das, was richtig ist für unser Land. Zeigen Sie Vernunft und Herz.“

Das Coronavirus wird Deutschland auch nach Merkels Zeit als Kanzlerin noch beschäftigen. Im Moment steht vor allem die Frage im Raum: Wer kommt nach Angela Merkel?

Rubriklistenbild: © John Macdougall

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