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Arbeiter befestigen nach der Absage des valencianischen Frühlingsfests Fallas einen Mundschutz an einer Figur, die für das Fest errichtet wurde.

Coronavirus

Im Alarmzustand

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Die Zahl der Corona-Infizierten in Europa steigt rasant. Reagiert Deutschland schnell genug?

Wer am Donnerstag im Bundestag unterwegs war, der konnte keinen großen Unterschied zum bisherigen Zustand feststellen. Sicher, am Eingang zur Kantine hängen jetzt Behälter mit Desinfektionsmitteln. Und namentliche Abstimmungen wird es erst mal nicht mehr geben. Sie führen nämlich dazu, dass die 709 Abgeordneten ihre Stimmkarten – dicht an dicht – in dafür vorgesehene Behälter werfen müssen. Das soll vermieden werden. Auch befinden sich drei SPD-Abgeordnete als Vorsichtsmaßnahme in Quarantäne. Ein Abgeordneter der FDP war nachweislich infiziert.

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Frankreich schließt ab Montag alle Schulen, Universitäten und Kitas. In Deutschland wird zwischen Bund und Ländern eine flächendeckende Schulschließung kontrovers diskutiert. 

Die deutsche Polizei verstärkt die Kontrollen an der Grenze zu Frankreich.

Die AfD verschiebt ihren für Ende April geplanten  Bundesparteitag auf unbestimmte Zeit.

US-Präsident Donald Trump hält einen Coronavirus-Test bei sich für unnötig - obwohl er direkten Kontakt mit einem später positiv getesteten Mitarbeiter des brasilianischen Staatschefs Jair Bolsonaro hatte.

Trotz allem geht der Sitzungsbetrieb weiter. Es wird munter debattiert. Es werden Beschlüsse gefasst – nur eben ohne Stimmkarten. In der Kantine stehen und sitzen Menschen eng beieinander. Das wiederum bedeutet nicht, dass der Umgang mit dem Coronavirus am Donnerstag kein Thema gewesen wäre im Regierungsviertel. Im Gegenteil: Es war das bestimmende Thema.

Das betrifft zunächst den Bundestag selbst. Denn abgesehen davon, dass der Sitzungsbetrieb weiter läuft, wurde die Kuppel fürs Erste geschlossen, es werden keine Besuchergruppen mehr in den Reichstag eingelassen, Veranstaltungen mit Publikum jenseits des Plenarsaals fallen aus. Auch hat der Bundestag – wie andere Personen und Institutionen – Probleme, an neue Desinfektionsmittel zu kommen. Ob die nächste Sitzungswoche Ende März stattfindet, ist keineswegs sicher, sondern wird bei Bedarf kurzfristig entschieden.

Bundesweit sollen nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) alle nicht notwendigen Veranstaltungen abgesagt werden. Sie habe mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer verabredet, dass es einen „Verzicht auf alle nicht notwendigen Veranstaltungen mit unter 1000 Teilnehmern“ geben solle, sagte Merkel am Donnerstagabend in Berlin. Generell solle, „wo immer es möglich ist, auf Sozialkontakte verzichtet werden“.

Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) nahm am Donnerstag nicht an der Ministerpräsidentenkonferenz teil. Er hatte Kontakt zu einem Grünen-Abgeordneten, der seinerseits Kontakt zu einem Infizierten hatte. Der Parlamentarier wurde jedoch später negativ auf das Virus getestet, wie die Fraktion mitteilte.

Eine Infektiologin der Klinischen Infektiologie am Dresdner Uniklinikum steht am Eingang der Corona-Ambulanz und trägt dabei Schutzkleidung und Schutzmaske.

Die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt entschied am Donnerstag als erste deutsche Großstadt, von diesem Freitag an sämtliche Kindertagesstätten und Schulen zu schließen. Das gelte vorerst bis zum 27. März, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Donnerstag. „In der Stadt Halle haben wir aktuell sieben Infektionsfälle. Da die Ermittlung der Kontaktwege nicht mehr sicher und vollumfänglich gewährleistet werden kann, sieht der Stab folgende Maßnahmen im Rahmen der Gefahrenabwehr auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes für verhältnismäßig an“, sagte Wiegand.

Bundesweite Schulschließungen sind in Deutschland vorerst weiterhin nicht geplant. Bund und Länder hätten sich auf die Möglichkeit verständigt, regional, je nach Ausbruchsgeschehen des Coronavirus mit Schließungen von Kitas, Schulen oder Hochschulen zu reagieren, sagte Bundeskanzlerin Merkel am Donnerstagabend. Die Situation in Deutschland sei unterschiedlich. Merkel sprach von einem „dynamischem Ausbruchsgeschehen“. Man müsse damit rechnen, dass das Infektionsgeschehen vor keiner Region haltmache. Möglich sei etwa ein Vorziehen der Osterferien. 

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, in Bayern werde man am Freitag endgültig entscheiden, wann vor Ostern die Schulen geschlossen würden.

 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, um sich informieren zu lassen. Die „Aufgabe der Stunde“ sei es nun, in allererster Linie alte Menschen und chronisch Kranke zu schützen, sagte er anschließend. Dies sei auch eine „Probe für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt“.

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